FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 04 – Mai 2026
Nigeria: Kaum beachtet geht das Morden an Christen weiter

Kaum beachtet geht das Morden an Christen weiter
Die IGFM hilft Überlebenden
Beobachter der Menschenrechtslage in Nigeria sind anhaltend alarmiert: Um die Osterfeiertage haben militante Islamisten dort wieder mehrere Anschläge auf Kirchengemeinden verübt. Mindestens 26 Christen kamen am Osterwochenende ums Leben, so zum Beispiel 17 Menschen am Karsamstag, 4. April 2026, in der Ortschaft Mbalom im südöstlichen Bundesstaat Benue. Am Ostersonntag wurden während eines Gottesdienstes im zentralnördlichen Bundesstaat Kaduna fünf weitere Christen ermordet. Insbesondere berichtete das nigerianische Militär, dass während des Angriffs 31 Geiseln nach einem heftigen Feuergefecht mit den Terroristen befreit wurden. Meist kommen die Täter jedoch straflos davon, so wohl auch eine Woche zuvor, am Palmsonntag, als 40 Christen in Angwan Rukuba im Bundesstaat Plateau einem islamistischen Angriff zum Opfer fielen.
In Nigeria sind seit dem Aufstieg der radikal-islamischen Miliz „Boko Haram“ und ihrem Aufruf zum Dschihad im Jahr 2009 Zehntausende Christen ermordet worden. Auch die Organisation „Islamischer Staat Westafrika Provinz“ und radikalisierte islamische Hirtenbanden sind für eine Vielzahl von Anschlägen und Überfällen verantwortlich, bei denen es zu Morden, Vergewaltigungen, Entführungen und Brandschatzung kommt. Trotz der gewaltigen Dimension werden die Verbrechen hierzulande nur am Rande von den Medien thematisiert, wenn sie überhaupt darüber berichten.
Seit Jahren erweist sich die IGFM aber als solidarisch mit der christlichen Bevölkerung, die zunehmend mehr unter Druck gerät. Seit 2005, als die IGFM erstmals vor Ort Opfer islamistischer Gewalt begegnete, hilft sie an der Seite ihres Kuratoriumsmitglieds, des katholischen Priesters Professor Obiora Ike vielen Betroffenen. Durch ihn kennt die IGFM das örtliche Hilfswerk „Women Empowerment through Education“ (WETE), das auf die Initiative der nigerianischen Ordensfrau Dr. Mary Rose-Claret Ogbuehi zurückgeht.
WETE versucht, Mädchen und Frauen aufzufangen, die dschihadistische Überfälle überlebt haben – durch psychologischen Beistand, Ausbildung und Starthilfe – damit sie wieder Fuß fassen können. Mithilfe ihrer Förderer ermöglicht die IGFM dem Hilfswerk, die Kosten für die Ausbildung junger Frauen zu übernehmen, die zunächst infolge solcher Gewalt vor dem Nichts standen. Die Schülerinnen lernen an der Nazareth-Berufsschule in Enugu (Südnigeria) Handwerkliches und Buchhaltung. „Vielen Dank für Ihre große Unterstützung für WETE und Ihre Hilfe. Ich bin Ihnen sehr dankbar“, schrieb Schwester Claret per E-Mail am 30. März 2026.
Das derzeit laufende Schuljahr endet im Juli. Zum September können neue Schülerinnen aufgenommen werden. Die Bewerberinnen haben teilweise Schlimmstes erlebt: „Agnes C. stammt aus Ugbawka und ist 19 Jahre alt. Ihre Eltern sind Bauern, und auf ihrem Hof sind Terroristen eingedrungen, haben Menschen entführt und verstümmelt. Die Familie konnte fliehen, wagt nun aber nicht mehr, zu ihrem Ackerland zurückzukehren. Da die Erträge aus der Bewirtschaftung ihre Haupteinnahmequelle waren, leben sie nun in bitterer Armut“, berichtet Schwester Claret.
Die IGFM hat ihr zugesichert, Agnes und weiteren Kandidatinnen durch ihre Unterstützung neue Chancen zu eröffnen. Die Kosten betragen rund 350 Euro jährlich pro Ausbildungsplatz. Bitte helfen Sie uns.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Mai 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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