Ukrainischer Athlet disqualifiziert

Der ukrainische Skeleton-Olympionike Wladyslaw Heraskevych wurde disqualifiziert, weil er mit einem Helm an getötete ukrainische Sportler erinnern wollte. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges wurden mehr als 660 Athleten und Trainer getötet. Foto: Wladyslaw Heraskevych, Radio Svoboda

Olympische Winterspiele 2026

Gedenken ist kein Verstoß: IGFM kritisiert Disqualifikation des ukrainischen Skeleton-Athleten

14. Februar 2026, Frankfurt am Main/Rom – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisiert die Disqualifizierung des ukrainischen Skeleton-Olympioniken Wladislaw Heraskewytsch bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo. Die Entscheidung, einem ukrainischen Sportler das Gedenken an getötete Mitglieder der olympischen Gemeinschaft zu untersagen, während gleichzeitig russische Athleten wieder auf internationalen Bühnen erscheinen, wirft ernste Fragen zur Glaubwürdigkeit internationaler Sportinstitutionen auf, kritisiert die IGFM.

„Olympia steht dafür, dass die Politik außen vor bleibt, dass ungeachtet von politischen Krisen und Kriegen Sportler ihre Kräfte auf der Weltbühne messen können. Seit nunmehr fast genau vier Jahren herrscht aber in Europa ein völkerrechtswidriger russischer Angriffskrieg mit Hunderttausenden getöteten Ukrainern, darunter 660 Athleten und Trainer des angegriffenen Landes. Die sogenannte Neutralität des Internationalen Olympischen Komitees darf nicht bedeuten, Opfer zum Schweigen zu bringen, während Aggressoren langfristig rehabilitiert werden, kritisiert Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM. 

Der „Helm des Gedenkens“ von Wladyslaw Heraskevych ist mit Porträts getöteter ukrainischer Sportler gestaltet. Auf der grauen Oberfläche sind die Gesichter von Athleten zu sehen, die infolge des russischen Angriffskrieges ihr Leben verloren haben. Der Helm sollte bei den Olympischen Spielen als Zeichen des Gedenkens und der Solidarität getragen werden.

Menschlichkeit und Gedenken an Opfer kein olympischer Geist?
Auf dem Helm des ukrainischen Olympioniken Wladislaw Heraskewytsch steht nicht etwa „Nieder mit dem Kriegsverbrecher Putin!“. Es sind lediglich die Gesichter von 24 Top-Sportlern zu sehen, deren Traum Olympia war und die ihren Traum nicht mehr erleben können. Dem ukrainischen Olympioniken nur wenige Minuten vor Start plötzlich deswegen auszuschließen, das ist gegen den großen Gedanken der Menschlichkeit, der hinter Olympia steht, so die IGFM. 

Die IGFM erinnert an eine Kette fragwürdiger Entscheidungen des Olympischen Komitees, wie die Austragung der Olympiade 2008 und der Winterolympiade 2022 in der Volksrepublik China. Auch die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022 zeige den wachsenden Einfluss von fragwürdigen Interessensgruppen und Menschenrechtsverletzern und den zunehmenden Integritätsverlust internationaler Sportinstitutionen.

Wer sind die Athleten auf Wladyslaw Heraskevychs Helm?

Yevhen Malyshev, 19

Biathlonist. Junioren-Nationalmannschaft, Teilnehmer der Jugend-Olympischen Spiele, eingezogen zum Kriegsdienst. Getötet im Februar 2022 im Kampf um Charkiw.

Dmytro Sharpar, 25

Eiskunstlauf. Medaillengewinner der ukrainischen Meisterschaft, eingezogen zum Kriegsdienst. Getötet 2022 nahe Bachmut.

Pavlo Ishchenko

Strongman. Mehrfacher ukrainischer und europäischer Meister, eingezogen zum Kriegsdienst. Getötet 2022 während eines Kampfeinsatzes.

Kateryna Diachenko, 11

Rhythmische Sportgymnastik. Getötet 2022 nach der russischen Bombardierung von Mariupol.

Viktoria Ivashko, 9

Judo. Getötet 2022 gemeinsam mit ihrer Mutter bei einem russischen Angriff auf Kyjiw.

Maria Lebid, 15

Standardtanz. Getötet 2023 bei einem russischen Angriff auf Dnipro.

Kateryna Troian, 32

Leichtathletik. Athletin und Drohnenpilotin mit über 1.000 Einsätzen. Getötet 2025 im Kampf nahe Pokrowsk.

Volodymyr Androschuk, 22

Leichtathletik. Ukrainischer Zehnkampf-Meister, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2023 nahe Bachmut.

Oleksiy Habarov, 31

Sportschießen. Meister des Sports, nationaler Rekordhalter, Mitglied der Nationalmannschaft, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2025.

Daria Kurdel, 20

Tanzsport. Mehrfache Siegerin internationaler Wettbewerbe. Getötet 2023 beim russischen Angriff auf Krywyj Rih.

Ivan Kononenko

Strongman, Schauspieler, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2023.

Alina Perehudova, 14

Gewichtheben. Getötet 2022 gemeinsam mit ihrer Mutter nach russischem Beschuss von Mariupol.

Maksym Halinichev, 22

Boxen. Jugend-Europameister, Silbermedaillengewinner der Jugend-Olympischen Spiele. Getötet am 10. März 2023 in der Region Luhansk.

Andriy Kutsenko, 34

Radsport. Mehrfacher ukrainischer Meister, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2022.

Oleksiy Loginov, 23

Eishockey. Jugend-Nationaltorhüter, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2022.

Karyna Bakhur, 17

Europameisterin. Getötet am 18. November 2025 bei einem russischen Raketenangriff in der Region Charkiw.

Mykyta Kozubenko, 31

Wasserspringen. Meister des Sports und Trainer, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2022.

Roman Polishchuk

Leichtathletik (Weitsprung), eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2022.

Andriy Yaremenko, 25

Griechisch-römisches Ringen. Getötet am 4. Dezember 2025 im Kampfeinsatz als Drohnenoperator.

Taras Shpuk, 34

Trainer der Invictus Games, Veteran, Sportbotschafter, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2024.

Fedir Yepifanov, 18

Fechten. Nationaler Meister, eingezogen zum Kriegsdienst. Gefallen 2022.

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Read more in HRANA’s report:
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