Organraub

Organraub ist „Tötung auf Bestellung“, um die Organe des Opfers verkaufen und transplantieren zu können. In der Volksrepublik China ist die Herkunft von zehntausenden „Spender“-Organen völlig unklar. Wahrscheinlich sind in China tausende Menschen Opfer von Organraub geworden. Die Getöteten sind, soweit bekannt, vor allem willkürlich inhaftierte Häftlinge aus chinesischen Arbeitslagern und „Umerziehungs“-Einrichtungen. Organraub ist weitgehend ein Synonym für den etwas weiter gefassten juristischen Begriff „Organhandel“. Auch in anderen Staaten werden Menschen Opfer von Organhandel, insbesondere auf dem Sinai und in Indien.

Was ist Organraub?

In der Volksrepublik China und mehreren anderen Ländern werden Menschen gegen ihren Willen Organe entnommen, um diese illegal zu verkaufen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Mehrheit der Opfer durch die Organentnahme getötet. Obwohl die Beweislage schwierig ist, gibt es eine Fülle sehr deutlicher Indizien dafür, dass vor allem in der Volksrepublik China in den vergangenen Jahren tausende Menschen aus chinesischen Arbeitslagern völlig unschuldig zum Tode „verurteilt“ wurden, um ihre Organe gewinnbringend verkaufen und transplantieren zu können.

Auf dem Sinai sind die Opfer Flüchtlinge aus Ostafrika; in einigen Schwellenländern sind es Menschen, die im Elend leben, denen die Folgen der Organentnahme nicht klar sind und deren Notlage ausgebeutet wird. „Organraub“ ist ein umgangssprachliches Synonym für den juristischen Fachbegriff „Organhandel“. Organhandel ist international geächtet und in Deutschland verboten, spielt aber dennoch auch für Deutschland eine Rolle: durch Transplantationstourismus in Länder wie die Volksrepublik China. 

 

Wo und in welchem Umfang findet Organhandel statt?

Organraub oder Hinweise auf Organraub gibt es in mehreren Ländern der Welt, insbesondere in China, dem Sinai und Indien.

Volksrepublik China
In der Volksrepublik China boomt die Zahl der Organtransplantationen. Ein Verteilsystem für Spenderorgane wie in Europa oder eine Kultur der Organspende existiert jedoch nicht. Die Herkunft von mehreren zehntausend Organen ist völlig unklar. Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass in der Volksrepublik China in dieser Größenordnung Menschen getötet wurden, um ihre Organe verkaufen und transplantieren zu können – und zwar unter Mitwirkung staatlicher Stellen. China wäre damit das Land in dem weltweit mit großem Abstand die meisten Fälle von Organraub stattfinden.

Sinai-Halbinsel
Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Ägypten ein regionaler Knotenpunkt für Organhandel geworden. Im Jahr 2010 wurden mindestens 14.000 Flüchtlinge von Schleuserorganisationen über die Grenze nach Israel gebracht. Auf ihrem Weg durch Ägypten werden die Flüchtlinge und Migranten häufig von organisierten Kriminellen abgefangen und nur gegen Lösegeld freigelassen. Wenn die Flüchtlinge von ihren Familienmitgliedern nicht freigekauft werden können, werden sie, nach Angaben der UN Refugee Agency, an Banden im Nord-Sinai verkauft, wo sie meist getötet und ihrer Organe beraubt werden.   

 

Wer sind die Opfer?

Lagerhäftlinge in der Volksrepublik China
Die Volksrepublik unterhält heute das größte Zwangsarbeitslager-System der Welt. Zum sogenannten „Laogai“ -Komplex gehören rund 1.000 Lager. Die chinesischen Behörden beuten darin nach verschiedenen Schätzungen zwischen drei und sieben Millionen Menschen als Arbeitssklaven aus – sieben Tage die Woche, zum Teil bis zu 18 Stunden am Tag. Folter und Gewalt, ungenügende Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln, Schlafentzug und die Verweigerung medizinischer Versorgung gehören zum Alltag vieler Gefangener.

Eine sehr große Zahl der Häftlinge ist rein willkürlich in Haft und hat keinerlei Straftat begangen. Chinesische Polizeidienststellen können ohne Richter und Anwälte Bürger der Volksrepublik "administrativ" für bis zu vier Jahre zur "Umerziehung durch Arbeit" in Zwangsarbeitslager einweisen - ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren und ohne eine Möglichkeit zur Verteidigung oder Berufung.

 Zahlreiche Indizien sprechen dafür, dass insbesondere willkürlich inhaftierte Anhänger der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong Opfer von Organraub sind, daneben aber auch Uiguren und andere Gefangene.

Zum Tode Verurteilte
Die Volksrepublik China hat im Jahr 2005 zugegeben, dass Hingerichteten Organe entnommen werden, obwohl diese Praxis internationales Recht verletzt. Chinesische Menschenrechtler berichten, dass Todeskandidaten gezwungen wurden, Organspende-Formulare zu unterzeichnen. Nach verschiedenen Schätzungen werden in der Volksrepublik jedes Jahr mehrere Tausend Menschen hingerichtet – die genaue Zahl ist ein Staatsgeheimnis. Die zum Tode Verurteilten wurden früher vor allem durch Kopfschuss hingerichtet, später oft durch eine Giftinjektion. Um die Qualität der Organe sicher zustellen, soll heute die Hinrichtung zumindest teilweise durch die Organentnahme vollstreckt werden. In der Volksrepublik China kann die Todesstrafe auch für eine Reihe von Delikten verhängt werden, die international nicht als Kapitalverbrechen betrachtet werden. In sehr vielen Fällen verhängten chinesische Gerichte Todesurteile auf der Grundlage von Geständnissen, die unter Folter erzwungen wurden.

Flüchtlinge & Armutsopfer
Vor allem Flüchtlinge aus Eritrea, dem Sudan und Äthiopien, die über Ägypten nach Israel oder Europa gelangen wollen, werden in der Sinai Region häufig Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen, unter anderem auch Organraub.

 

Wie ist die Beweislage?

Harry Wu, ehemaliger Lagerhäftling und IGFM-Kuratoriumsmitglied, berichtete als Erster über die Organentnahme bei Hingerichteten. Er verstarb am 26. April 2016.

Die chinesischen Behörden blockieren den Zugang zu Informationen und Nachforschungen vor Ort konsequent. Gerichtlich verwertbare Beweise zu erhalten, ist daher sehr schwierig. Es gibt aber eine Fülle von überzeugenden Indizien, die belegen, dass in der Volksrepublik China in großem Umfang Menschen wegen ihrer Organe getötet werden. Der Ausgangspunkt für alle Recherchen war und ist die völlig unklare Herkunft von Tausenden von „Spender“-Organen.

In der Volksrepublik China gibt es kulturell bedingt eine Aversion gegen Organspende. Dennoch ist die Volksrepublik China nach den USA das Land mit den meisten Organtransplantationen pro Jahr. Woher kommen die Spenderorgane? Die chinesischen Behörden und Transplantationseinrichtungen verweigern nähere Informationen.

In Mitteleuropa sind die Wartezeiten auf ein passendes Spenderorgan oft sehr lang, obwohl es in Mitteleuropa eine Spenderkultur, ein ausgereiftes Verteilsystem und eine exzellente Infrastruktur gibt. Es gibt in China keine zentrale Datenbank, die eine rasche Zuordnung von Spenderorganen ermöglichen könnte, und es gibt keine Infrastruktur wie in Mitteleuropa, die den sofortigen Transport eines Spenderorgans, z.B. eines Unfallopfers, zu einem Patienten ermöglichen könnte. Eine sehr schnelle, reibungslose Koordination ist für Spenderorgane aber zwingend notwendig. Diese Koordination ist eine erhebliche logistische Herausforderung, denn jeder Empfänger kann nur ein Organ erhalten, dessen Gewebemerkmale für ihn passen. Warum sind die Wartezeiten auf passende Organe so unerklärlich viel kürzer als in Europa? Warum können in der Volksrepublik Transplantationen von Fremd-„Spendern“ auf den Tag genau im Voraus geplant werden? Für die Volksrepublik hat sich der Begriff „Tötung auf Bestellung“ eingebürgert.

Die Befragung von zahlreichen ehemaligen Gefangenen hat starke Hinweise dafür erbracht, dass in der Volksrepublik eine große Zahl von politischen Gefangenen aus dem einzigen Grund getötet wurde, um ihre Organe verwerten zu können.  

Der ehemalige Staatssekretär David Kilgour (r.) und der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas (l.) suchen seit 2006 systematisch nach Beweisen für die Tötung von tausenden von Häftlingen für den Organhandel.

Aktuellste Untersuchung

Die umfangreichste Untersuchung zu diesem Thema ist ein Bericht kanadischen ehemaligen Abgeordneten und Staatssekretärs David Kilgour, des kanadischen Anwalts David Matas und des US-amerikanischen Journalisten Ethan Gutmann. Der Bericht wurde am 29. Juni 2016 in Brüssel zusammen mit Abgeordneten des Europäischen Parlaments vorgestellt.

[zum Bericht von Kilgour, Matas und Gutmann, 680 Seiten, in Englisch …]

 

Internationale Verurteilungen

Resolution des US-Repräsentantenhauses
Am 13. Juni 2016 verurteilte das US-Repräsentantenhaus in einer Resolution die Praxis der staatlich unterstützten, erzwungenen Organentnahme und die Verfolgung der Meditationsschule Falun Gong in China. Gleichzeitig forderten die US-Abgeordneten Transparenz und ein unabhängige Untersuchung des Transplantationsmissbrauchs in der Volkrepublik.

[zur Resolution des US-Repräsentantenhauses …]

 

Entschließung des Europäischen Parlaments zu Organentnahmen in China
Man-Yan Ng, Vorstandsmitglied der IGFM, kommentiert: Die Resolution des Europäischen Parlaments vom 12. Dezember 2013 verurteilt deutlich und nachdrücklich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nämlich den systematischen, vom Staat gebilligten Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden und anderen Gewissensgefangenen in der Volksrepublik China. Es ist ein historischer Schritt; das Europäische Parlament hat bei dieser Kritik die Führung übernommen. Viele nationale Parlamente in Europa sind ebenfalls dabei, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Diese Resolution ist ein deutliches Signal an die regierende Kommunistische Partei Chinas: Die Internationale Gemeinschaft wird bei diesen ungeheuerlichen Verbrechen nicht länger wegschauen.

[zur Entschließung des Europäischen Parlaments ...]

 

Transplantationstourismus - Organe auf Bestellung

Wenn in China ohne nennenswerte Wartezeiten wie auf Bestellung passende Organe zur Verfügung stehen, ist dies für viele zahlungskräftige Patienten eine attraktive Alternative zu den langen Wartezeiten auf Transplantationen außerhalb Chinas.

Organhandel ist weltweit verboten, seit 2007 offiziell auch in der Volksrepublik China. Die chinesischen Behörden haben aber bislang keinerlei Maßnahmen ergriffen, um dieses Verbot durchzusetzen. Eine Reihe chinesischer Transplantationszentren werben weiter mit extrem kurzen Wartezeiten. Einige dieser Einrichtungen sind staatlich, u.a. im Besitz des chinesischen Militärs.

Einige Staaten haben eigene Regelungen erlassen, um der völlig intransparenten Organbeschaffung in China zu begegnen. Seit 2008 ist Transplantationstourismus in Israel generell verboten. Seit 2010 ist auf Initiative der „Japanischen Gesellschaft für Transplantationen“ der Transplantationstourismus in die Volksrepublik China verboten.

Forderungen der IGFM

Internationale Untersuchungs-Mission ...
in die Volksrepublik China, um die Herkunft mehrerer zehntausend Spenderorgane und die mutmaßliche Ermordung tausender politischer Gefangener zu klären.

Beendigung der Zusammenarbeit ...
von deutschen und europäischen Kliniken, Forschungszentren und Pharmaunternehmen mit chinesischen Transplantationsinstitutionen. Beendigung der Ausbildung chinesischer Transplantationsmediziner in Deutschland.

Keine Kostenübernahme ...
durch deutsche und europäische Krankenversicherungen für Kosten im Zusammenhang mit Transplantationen in der Volksrepublik China.

Gesetzliche Regelungen ...
die verhindern, dass deutsche und europäische Patienten am Transplantationstourismus in die Volksrepublik China teilnehmen.

Transparenz ...
der chinesischen Behörden und Institutionen.

Ein auf Freiwilligkeit basierendes Organspende-System ...

in der Volksrepublik China inklusive einer landesweiten Datenbank. Vorbild dafür kann die europäische Lösung Eurotransplant sein.

 

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit

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