Russischer Priester nach Haft frei

Russischer Priester aus Haft entlassen
IGFM: Russisch-Orthodoxe Kirche keine Unterstützung der Demokratiebewegung
Frankfurt am Main/ Khabarowsk, 9. Juni 2021 – Nach 25 Tagen Haft ist der russisch-orthodoxe Geistliche Andrei Vinarsky aus dem Gefängnis entlassen worden, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Der Erzpriester von Khabarowsk wurde aufgrund seiner Teilnahme an einer Demonstration zur Freilassung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny verhaftet und am 13. Mai verurteilt. Aufgrund seiner bürgerrechtlichen Aktivitäten ist Vinarsky bereits zum wiederholten Male verurteilt worden.
Der Vorstandsprecher der IGFM, Martin Lessenthin, kritisiert, „dass die Russisch-Orthodoxe Kirche das Engagement ihrer Geistlichen für Meinungsfreiheit und gegen Menschenrechtsverletzungen nicht demonstrativ unterstützt. Eine Kirche, die sich in einer solchen Situation versteckt und sich von ihren Geistlichen entfernt, anstatt Solidarität zu üben, macht sich zu Kumpanen derjenigen, die den Menschen ihre universellen Rechte nehmen, und dazu zählt auch die Religionsfreiheit.“
Der Erzpriester von Khabarowsk, Andrei Vinarsky, wurde nicht zum ersten Mal wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Kundgebung verhaftet und verurteilt. Erst am 10. März 2021 verurteilte ihn ein Bezirksgericht zu 20 Tagen Gefängnis, weil er an einer Demonstration zur Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs der Region Khabarowsk, Sergej Furgal, teilgenommen hatte. Der Geistliche ist in Sibirien sehr populär, sodass sich mehrere Journalisten mit sogenannten „stillen Übertragungen“ mit ihm solidarisierten. Vinarsky selbst trat aus Protest in einen Hungerstreik. Die Region Khabarowsk liegt im äußersten Osten Russlands, vor der Küste Japans.
Wie die IGFM weiter berichtet, wurde Vinarsky im März aufgrund seiner Teilnahme an den Kundgebungen aus dem Amt des Erzpriesters der St. Nikolaus Kirche von der Birobidzhan Eparchie entlassen. Die Eparchie habe auch entschieden, dass der Geistliche keine Gottesdienste leiten und predigen darf, bis er „Buße tut und aufhört, an nicht genehmigten Kundgebungen teilzunehmen“. Im Gegensatz zu Protestbewegungen wie in der DDR oder Polen, ist die Russisch-Orthodoxe Kirche leider keine Unterstützung der Zivilgesellschaft, so die Menschenrechtsorganisation.