Gefängnisstrafen wegen Dalai-Lama-Fotos

Tenzin Dhargay (auf dem Bild zu sehen) und Rigtse werden nach zwei Jahren Isolationshaft zu drei bzw. drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Tibet: Gefängnisstrafen für Mönche aufgrund Dalai Lama-Fotos
IGFM fordert sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen in Tibet
Lhasa / Frankfurt am Main, 15. September 2022 – Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, unterbindet die Volksrepublik China in Tibet weiterhin jegliche kritische Äußerung zur menschenrechtlichen Situation. So wurden kürzlich die Mönche Tenzin Dhargay und Rigtse nach zwei Jahren Isolationshaft zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie Bilder des Dalai Lama und Informationen zur Lage in ihrer Heimat über ihre Mobiltelefone teilten. Das Volksgericht des Bezirks Sershul verurteilte Tenzin Dhargay zu drei Jahren und sechs Monaten und Rigtse zu drei Jahren Gefängnis. Die IGFM kritisiert dies aufs Schärfste und fordert die Freilassung aller politischen Gefangenen in Tibet.
Die Tibeter finden sich mit der Besetzung ihres Landes und der Auslöschung ihrer Kultur durch die Volksrepublik China nicht ab, sondern äußern weiterhin friedlich ihre Kritik und fordern die Einhaltung der Menschenrechte. „Oft sind es Mönche, wie im Falle von Tenzin Dhargay und Rigtse, die trotz drohender Repressionen ihre Meinung äußern und sich somit mutig gegen China stellen. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das der Volksrepublik China seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Kritiker werden verfolgt, verleumdet, verhaftet und mittels Scheinprozesse weggesperrt“, so die IGFM.
Keine „friedliche Befreiung“ durch China
Tenzin Dhargay war im September 2020 verhaftet worden, nachdem ein Foto des Dalai Lama und Informationen über die politische Lage in Tibet auf seinem Telefon gefunden worden waren. Nach Informationen der IGFM war er sehr besorgt über die katastrophale Lage in Tibet. Auf seinem persönlichen WeChat-Account gab er unter dem Kontonamen „Dalai´s Follower“ Informationen und Fotos zu Tibet weiter. Anlässlich des 70. Jahrestag der so genannten „friedlichen Befreiung Tibets“ im letzten Jahr hatte Dhargay die Darstellung der chinesischen Regierung über die Besetzung Tibets in Frage gestellt. Er betonte, dass es in Tibet keine solche Befreiung gegeben habe. Zusammen mit ihm war der Mönch Rigtse festgenommen worden. Über den Hintergrund seiner Festnahme gibt es jedoch keine näheren Informationen.
Fälle werden mit äußerster Geheimhaltung behandelt
Die Mönchen Dhargay und Rigtse stammen aus dem Dorf Bharong im Bezirk Sershul in der Autonomen Tibetischen Präfektur Kardze, die wiederum in der Provinz Sichuan liegt. Viele Dorfbewohner leisten seit langem auf verschiedene Weise Widerstand gegen die chinesische Propaganda und Einschüchterungstaktik. Wie die China-Experten der IGFM berichten, wurden die beiden Fälle von den chinesischen Behörden bislang mit äußerster Geheimhaltung behandelt. Selbst ihre Familienangehörigen wissen bisher nicht, in welchem Gefängnis die beiden Männer einsitzen. Die chinesischen Behörden haben gewarnt, dass jedem, der Informationen über die Inhaftierung der Mönche weitergibt, die Sozialversicherung und andere staatliche Leistungen aberkannt werden.