Zeynab Ismaili

Zeynab Ismaili

Wegen Einsatz für den Frieden verurteilt

Die 1963 geborene Zeynab Ismaili ist Friedensaktivistin in der Vereinigung der „Kurdischen Friedensmütter“. Sie ist verheiratet und stammt aus der iranischen Provinz Kurdistan. Ismaili wurde ohne ihre Anwesenheit in einem erstinstanzlichen Verfahren zu 5 Jahren Gefängnis wegen „Mitgliedschaft in einer Oppositionsgruppe“ und einem Jahr für „Propaganda gegen das Regime“ verurteilt. Nachdem sie gegen dieses Urteil Einspruch erhoben hatte, verwarf das Islamische Revolutionsgericht von Sanandaj am 21. November 2020 die Anklage wegen „Mitgliedschaft in einer Oppositionsgruppe“ und reduzierte ihre Strafe auf ein Jahr auf Bewährung. Zeynab Ismaili ist die Mutter von Mohammad Amin Amiri, der als Mitglied der „People’s Protection Unit (YPG¹)“ im Jahr 2014 während des Kobane-Widerstands gegen den Islamischen Staat (IS) starb. Nach dem Tod ihres Sohnes im Krieg gegen die Terrormiliz trat Zeynab Ismaili der friedlichen kurdischen Frauenbewegung bei. Seitdem beteiligte sie sich an humanitären Maßnahmen der Friedensmütter in den von Kurden bewohnten Gebieten, um damit zur Versöhnung beizutragen und für Frieden zu werben.

Erste Festnahme und Verhöre

Am 27. Februar 2020 wurde Ismaili von Agenten eines iranischen Geheimdienstes in einem Dorf in Sanandaj in der Provinz Kurdistan festgenommen und in ein Internierungslager gebracht. Bei der Durchsuchung ihres Hauses beschlagnahmten die Geheimdienstler auch einige persönliche Gegenstände. Nach ihrer Festnahme wurde sie vom Geheimdienst unter Druck gesetzt, ein Mobiltelefon auszuhändigen. Obwohl Ismaili mehrfach erklärte, dass sie kein anderes Telefon besitzt außer dem, welches ihr zum Zeitpunkt ihrer Festnahme abgenommen wurde, haben die Beamten ihr gedroht, dass sie erst freigelassen werde, wenn sie das zweite Handy überreicht. Ismaili wurde so weiter festgehalten. „Daye Zeynab“ leidet an einer Magen-Darm-Krankheit und ist deshalb auf Medikamente angewiesen. Diese Medikamente wurden ihr während der Verhöre jedoch verweigert. Auch Telefonate oder Besuche ihrer Familie wurden während ihrer Inhaftierung unterbunden. Nach den Verhören wurde sie in die Strafanstalt von Sanandaj (Sanandaj Correctional Center) verlegt. Von dort aus wurde Zeynab  täglich zur Vernehmung in die Sanandaj-Geheimdiensthaftanstalt(Sanandaj Intelligence Detention Center) gebracht. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde sie am 26. März 2020 nach Zahlung einer Kaution vorübergehend freigelassen.

Friedensmütter in Kurdistan; die leidenden Mütter

Als Aktivistin der Friedensmütter besuchte Ismaili Familien, deren Kinder von türkischen, iranischen oder irakischen Sicherheitskräften getötet wurden. Die Vereinigung sucht außerdem den Kontakt zu politischen Parteien und Einzelpersonen und fordert, die Konflikte, die so viele junge Kurden das Leben kosten, zu beenden. Die Friedensmütter sind vorwiegend in der Türkei und im Irak tätig und wurden 1999 in der Türkei von kurdischen Müttern gegründet. Die Friedensmütter haben sich zum Ziel gesetzt, Frieden und Gerechtigkeit in kurdische Regionen zu bringen. In ihrer Gründungsbotschaft richteten sie sich an alle Mütter, die ein Kind verloren hatten, mit der Botschaft :“Wir strecken allen Müttern unsere Hand entgegen, damit aus den Missständen, die wir durchgemacht haben, Leben entsteht. Wir bitten Sie, unsere Hand des Friedens anzunehmen, um so schnell wie möglich dauerhaften Frieden zu erreichen.“ In den letzten Jahren üben die Sicherheitsbehörden im Iran zunehmenden Druck auf ihre kurdischen Bürger aus, indem sie wiederholt auch Mitglieder der Friedensmütter verfolgen, insbesondere in den Städten Sanandaj, Marivan und Dehgolan.
Stand: Juli 2022

¹ Die YPG ist der militärische Zweig der Partei der Demokratischen Union (einer politischen Partei im syrischen Kurdistan), die sich für die Aufrechterhaltung der Ordnung und den Schutz des Lebens der Bewohner der kurdischen Regionen Syriens einsetzt.

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