/Asia Bibi ist frei und durfte Pakistan verlassen!

Asia Bibi ist frei und durfte Pakistan verlassen!

Asia Bibi ist frei und durfte Pakistan verlassen!

Zusammenfassung

Die Christin Asia Bibi ist die erste Frau, die in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurde. Am 19. Juni 2009 nahmen pakistanische Behörden sie im Dorf Itanwali in der Provinz Punjab fest, unter dem Vorwurf, sie habe als ,,Ungläubige‘‘ das Trinkwasser ihrer muslimischen Feldarbeiterinnen verunreinigt und in einer Auseinandersetzung den Propheten Mohammed beleidigt. Asia Bibi selbst bestreitet dies bis heute. Nach neun Jahren Haftstrafe – acht davon in einer Todeszelle – wurde sie schließlich am 31. Oktober 2018 aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen. Sicher war sie dennoch nicht: Seit dem Urteil demonstrierten tausende Extremisten gewaltsam gegen ihren Freispruch und forderten zu Gewalttaten gegen die Christin und ihre Familie auf. Aus diesem Grund wurde die Ausreise Bibis durch die Regierung erst einmal gestoppt. Ein Appell an das Oberste Gericht gegen die Freilassung wurde jedoch nicht gewährt. Nach Aussagen des pakistanischen Außenministeriums ist Asia Bibi nun in Kanada angekommen.

Todesurteil wegen angeblicher Blasphemie

Asia Bibi gehört zur kleinen christlichen Minderheit in Pakistan, die rund 2% der Bevölkerung ausmacht. Vor ihrer Festnahme arbeitete die Mutter von fünf Kindern – drei davon aus einer früheren Ehe ihres Mannes Ashiq Masih als Tagelöhnerin in einer Obstplantage. Als sie einige Tage nach dem Vorfall von wütenden Einwohnern verfolgt und misshandelt wurde, nahm die Polizei sie am 19. Juni 2009 in ,,Schutzhaft‘‘. Einige Monate später erhob die Justiz Anklage wegen Blasphemie und verurteilte Asia Bibi am 8. November 2010 durch das Oberste Gericht in Lahore aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode durch Erhängen. Das Gericht stand dabei unter massivem Druck durch Islamisten. Das umstrittene Gesetz sieht die Todesstrafe für jeden vor, der den Propheten Mohammed beleidigt.

Drohungen und Morde durch Islamisten

In der Vergangenheit bedrohten islamische Eiferer vielfach Richter und Anwälte in Blasphemie-Verfahren mit dem Tod. In einigen Fällen sind Richter, die die Angeklagten wegen erwiesener Unschuld freisprachen, von Islamisten umgebracht worden. Ein Imam setzte im Jahr 2010 eine Kopfprämie von umgerechnet 4.870 Euro für Asia Bibis Tötung aus.

2011 wurden zwei pakistanische Politiker, welche sich für die Freilassung Asia Bibis einsetzten und die Änderung des Blasphemiegesetztes gefordert hatten, umgebracht. Am 4. Januar 2011 wurde der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, von seinem Leibwächter ermordert. Als Motiv gab er die kritische Haltung des Gouverneurs zum Blasphemiegesetz an. Der Mörder, welcher inzwischen hingerichtet wurde, gilt in vielen Teilen der Bevölkerung trotz des Mordes an Taseer als Märtyrer. Einige Monate später, am 2. März 2011, wurde der pakistanische Minister für religiöse Minderheiten, Shahbaz Bhatti, auf offener Straße ermordet. Er war der einzige Christ in der pakistanischen Regierung. Zu dem Mord bekannte sich eine Gruppe der radikal-islamischen Taliban aus der Provinz Punjab.

In einem an Papst Franziskus gerichteten Brief vom Januar 2014 berichtete Asia Bibi von den unmenschlichen Zuständen im Gefängnis in Lahore und der Trennung von ihrer Familie welche aufgrund von Morddrohungen durch Extremisten untertauchen musste. Zudem waren die Sicherheitsmaßnahmen nicht ausreichend, da sie als Blasphemieangeklagte innerhalb des Gefängnisses durch Mithäftlinge und religiöse Fanatiker bedroht wurde.

Nach internationaler Aufruhr und Protesten ließ das Oberste Gerichts Pakistans am 22. Juli 2015 eine Berufung gegen das Urteil des Lahore High Court zu und setzte die Todesstrafe bis zu einer endgültigen Entscheidung durch das Oberste Gericht aus.

In Haft trotz Freispruch

Am 31. Oktober 2018 wurde Asia Bibis Todesurteil mit der Begründung aufgehoben, die Vorwürfe seien juristisch schwach. Trotz des Freispruchs war es Asia Bibi nicht erlaubt Pakistan zu verlassen und es war lange Zeit unklar, wo sich die Christin genau aufhielt. Das bestätigte das langjährige IGFM-Mitglied, Aneeqa Anthony (Lahore). Seit der Entscheidung kam es immer wieder zu massiven Protesten von Islamisten, darunter viele Anhänger der radikalislamischen Partei Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP), in zahlreichen Städten des Landes. Islamische Verbände hatten die Regierung dazu genötigt, eine weitere Revision des eigentlichen letztinstanzlichen Urteils zuzulassen.

Die IGFM sorgt sich um andere Pakistaner, die wegen angeblicher Beleidigung Mohammeds inhaftiert sind.  Lynchmorde bei Blasphemie-Vorwürfen sind in Pakistan keine Seltenheit, weshalb die IGFM die pakistanische Regierung des mehrheitlich muslimischen Landes dazu aufruft, die Sicherheit der Gefangenen zu gewährleisten. Von den 173 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.

Das pakistanische Blasphemiegesetz

In Pakistan verbietet dieses umstrittene Gesetz unter Androhung der Todesstrafe abwertende Äußerungen über den Islam. Insbesondere in den 1980er Jahren wurde das Gesetz massiv verschärft und die Islamisierung des Landes weiter vorangetrieben. Seit 1991 wurden etwa 200 Christen wegen des Verdachts auf Gotteslästerung angeklagt. Die Mehrheit der Opfer des Blasphemiegesetzes sind Muslime und Hindus. Die Zahl der christlichen Opfer ist aber bedeutend höher als ihrem Bevölkerungsanteil entsprechen würde. Die IGFM und viele andere Beobachter gehen davon aus, dass das Gesetz in der Regel als Mittel bei persönlichen Auseinandersetzungen benutzt wird. Durch die Artikel 295-B und -C des pakistanischen Strafgesetzbuches ist Blasphemie gegen den Islam mit lebenslanger Haft und der Todesstrafe zu bestrafen:

Artikel 295-B, Schändung etc. von Ausgaben des Heiligen Korans
Wer auch immer eine Ausgabe des Heiligen Korans oder einen Auszug daraus willentlich schändet, beschädigt oder entweiht oder in irgendeiner herabwürdigenden Weise oder für irgendeinen ungesetzlichen Zweck verwendet, wird mit lebenslanger Haft bestraft.

Artikel 295-C, Verwendung herabsetzender Bemerkungen etc. mit Bezug auf den Heiligen Propheten
Wer auch immer mit Worten, entweder gesprochen oder geschrieben, oder durch sichtbare Darstellung oder jegliche Unterstellung, Anspielung oder versteckte Andeutung, direkt oder indirekt, den heiligen Namen des Heiligen Propheten Mohammad (Friede sei auf ihm) schändet, wird mit dem Tod bestraft oder lebenslanger Haft, und wird außerdem zu einer Geldstrafe verpflichtet.

Die IGFM kritisiert dieses Gesetz, und sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Menschenrechte und den auch von Pakistan ratifizierten Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Trotz internationaler Verpflichtungen sind Verurteilungen wegen Blasphemie an der Tagesordnung. Es liegen jedoch keine Informationen über eine tatsächliche Vollstreckung der Todesstrafe vor. Todesfälle durch Ausschreitungen extremistischer Muslime sind aber keine Seltenheit.