/„Ein Mädchen mit einem Buch eine weit größere Bedrohung als eine Drohne“

„Ein Mädchen mit einem Buch eine weit größere Bedrohung als eine Drohne“

„Ein Mädchen mit einem Buch eine weit größere Bedrohung als eine Drohne“

Die Mädchen aus Chibok bleiben nach sechs Monaten immer noch vermisst – Was ist unsere Antwort?

von Dr. Emmanuel Franklyne Ogbunwezeh, Afrika Referent bei der International Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), 15. Oktober 2014

Auch nach sechs Monaten bleiben die 276 von Boko Haram entführten Mädchen immer noch vermisst.

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 2014 wurde ein Albtraum Realität: Für die 276 von der Boko Haram entführten Mädchen aus Chibok, im Bundesstaat Borno, im Nordosten Nigerias.
An jenem Tag überfiel Boko Haram, die gefürchtete islamische Terrorgruppe, die für die Errichtung eines ‚Islamischen Staates‘ kämpft, ein Mädcheninternat in Chibok und kidnappte 276 Mädchen, die sich gerade auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiteten. Bis heute ist die Mehrheit der Mädchen immer noch in der Gewalt der Entführer. 60 von ihnen gelang die Flucht, doch die Restlichen müssen noch gefunden werden. Abubakar Shekau, Anführer der Boko Haram, prahlte in mehreren Videos, die an die Presse gelangten, er werde die Mädchen als Sexsklavinnen verkaufen. Mindestens bei einem der geflüchteten Mädchen wurde eine Schwangerschaft festgestellt, ein eindeutiges Indiz dafür, dass die Mädchen von der Terrorgruppe sexuell missbraucht werden.

Die ganze Welt war geschockt von der Dreistigkeit der Gräueltaten. In sozialen Medien wurde die Bewegung #BRINGBACKOURGIRLS gestartet, die viel Aufmerksamkeit für das schreckliche Schicksal der Mädchen erregte. Heute scheint es allerdings, als seien die Opfer in Vergessenheit geraten. Die populären Medien der meisten Länder haben ihre Kameras wieder eingepackt und sich anderen Krisenherden zugewandt, wie der drohenden Eroberung der Stadt Kobane durch den „Islamischen Staat“ (IS).

Boko Haram hat die Mädchen nicht einfach für Lösegeld oder als Tauschware für gefangen genommene Mitstreiter entführt. Wenn dem so wäre, hätten sie berufstätige Frauen oder sogar Regierungsbeamte als Geiseln genommen, da solche für die nigerianische Regierung einen höheren Verhandlungswert haben. Das Kidnappen von Schulmädchen hingegen ist eine natürliche Konsequenz der Philosophie der Terrorgruppe, die sich auch in ihrem Namen widerspiegelt, der übersetzt so etwas wie „westliche Bildung verboten“ bedeutet. Boko Haram sieht in der Bildung von Frauen eine große Gefahr für die Etablierung ihrer extremistischen Vision als Realität im Sozialgefüge, nicht nur in Nigeria sondern in der ganzen Subregion Westafrikas. Deshalb entführten sie Schulmädchen, um uns vor Augen zu führen, dass Bildung, besonders die von Frauen und Mädchen, die für sie Menschen zweiter Klasse sind, in ihrer Dogmatik eigentlich ganz und gar verboten ist, und dass sie bereit sind, dieses Verbot mit allen Waffen ihrer Intoleranz durchzusetzen.

Für sie und andere solcher Gruppen wie Al Qaeda, IS und Al Shabab, bedeutet ein Mädchen mit einem Buch eine weit größere Bedrohung als eine Drohne. Das ist der Grund, weswegen diese Terrormächte darum kämpfen, alle Stimmen, die Mädchen für Wissen und Bildung erheben, zum Schweigen zu bringen. Das ist der Grund, weswegen die Taliban in Pakistan den schwerverletzenden Schuss auf Malala Yousufazi, der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin, abgab. Das ist der Grund dafür, dass der systematisch jesidische Frauen und Familien niedermacht. Nirgends auf der Welt ist diese Philosophie so klar heruntergebrochen worden auf ein Statement, einen Namen, die Mission einer islamischen Terrorgruppe wie bei „Boko Haram“, einer künstlichen Kombination des Wortes ‚Buch‘ oder ‚Bildung‘ in der lokalen Sprache Hausa, die viele Menschen in Nordnigeria sprechen und des Wortes „Haram“ was auf Arabisch „Sünde“ oder „verboten“ bedeutet. Diese Überzeugung ist der Grund für einen schrecklichen, zerstörerischen Raubzug durch die Kirchen und Schulen Nord Nigerias, und der Grund für die Entführung von 276 Schulmädchen, die schon seit sechs Monaten auf ein Ende dieses Albtraums harren.

Das einzige Verbrechen dieser unschuldigen nigerianischen Mädchen war ihr Bestreben zur Schule zu gehen, um ihr Los zu verbessern – die nigerianische Gesellschaft zu verbessern. Studien zeigen, dass Frauen nicht einfach nur ein einzelner Faktor der Entwicklung sind. Sie tragen einen so großen Anteil zur gesellschaftlichen Bilanz bei, dass die Bildung der Frau nachweislich ein Faktor ist, der in den Haushalten andere Merkmale für Entwicklungsdefizite und Armut verringert. Auch extremistische Gruppen wissen, dass die Zukunft einer jeden Gesellschaft gewiss eine bessere ist, wenn gebildete Frauen Pfeiler ihrer Familien und der Gesellschaft sind.

Da extremistische Gruppen, die Religion fälschlich für ihren primitiven Drang nach totalitärer Herrschaft benutzen, sich bewusst sind, dass eine gebildete Gesellschaft natürlicherweise ein intellektuelles Klima erschafft, dass ihrem extremistischen Infantilismus entgegen wirkt; da sie sich bewusst sind, dass eine gebildete Frau ein Multiplikator einer solchen Intellektualität ist, weil sie ihre Bildung weitergibt an ihr Umfeld und ihre Kinder, deshalb sehen sie in einem Mädchen mit Schulbuch einen existenzbedrohenden Feind. Sie wissen in diesem sich bildenden Mädchen das Waterloo ihres Extremismus; sie sind besessen davon, jedem Mädchen Bücher und Chancen auf Bildung und Wissen zu entziehen. Solches erklärt, warum sie es zu ihrem obersten Ziel machten, Frauen in den Bereich der sozio-ökonomischen Abhängigkeit, der sozio-kulturellen und psychosexuellen Irrelevanz zu verbannen. Sie fürchten die gebildete Frau. Sie fürchten Mädchen mit Büchern mehr als Drohnen.

Es scheint, als führten die Terroristen den strategisch klügeren Kampf als all unsere Koalitionen und Allianzen. Sie scheinen verinnerlicht zu haben, was verschiedene ökonomische Modelle und soziologische Studien belegen; nämlich dass Frauen die Säulen von menschlichem Leben, Fortschritt und Zivilisierung sind. Aber da sie die steile Flucht zurück in primitive Mittelalterlichkeit predigen, sind sie auf die Zerstörung der größten Bastion erpicht, die zwischen ihnen und der erfolgreichen Etablierung ihres Königreiches der Rückentwicklung steht. Diese Bastion ist die gebildete Frau.

Sind wir dabei, dem Extremismus den Sieg dieses Kriegs zu erlauben?

Die Frage, die wir uns heute, sechs Monate seit dem Verschwinden der Mädchen aus Chibok in die Wälder des islamistischen Fanatismus, stellen sollten, ist: Sind wir dabei, dem Extremismus den Sieg dieses Kriegs zu erlauben? Sind wir dabei, den Mächten der Unterdrückung und Intoleranz bei der Eroberung unserer Gebiete zuzusehen? Welche Möglichkeiten haben wir zu bieten, um ihre Entwicklung einzudämmen und ihren Extremismus auf lange Sicht zu besiegen? Welches Bollwerk gegen ihren Angriff hat unsere Zivilisation aufzubieten?

In Nigeria nennt sich der islamistische Extremismus in seiner primitivsten Art „Boko Haram“ – „westliche Bildung ist Sünde“. In dieser korrupten Ideologie ist die größte Sünde eines Mädchens gebildet zu sein. Tatsächlich ist für diese Monster ein Mädchen mit Büchern das Abbild des Grauens. Im Wissen über all diese Zusammenhänge hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) den Anlass gesehen, Boko Haram im Kern zu bekämpfen, wir haben uns entschieden, ihre Existenzberechtigung zu untergraben. Wir kämpfen nicht mit konventionellen Kriegswaffen. Das ist nicht unsere Berufung. Sondern wir greifen sie direkt an ihrem stärksten Punkt an, ihrem Namen, ihrer Ideologie. Wir sind überzeugt, dass Bücher und Bildung, vor allem für Mädchen, die Antwort sind. Wir sagen, dass Bildung die Antwort aller Entwicklungsprobleme und -herausforderungen ist.

Zu diesem Zweck haben wir ein Schulsponsoren Programm für nigerianische Mädchen aufgebaut. In diesem Programm ist es möglich, mit hundert Euro im Jahr ein nigerianisches Mädchen in die Grundschule zu schicken und so sicherzugehen, dass seine Zukunft nicht von Boko Haram entschieden wird.

Unterstützen Sie uns in diesem Krieg für die Langzeitverteidigung gegen den Extremismus

Unterstützen Sie uns im Kampf gegen Boko Haram. Wagen Sie, ein nigerianisches Mädchen in die Schule zu schicken, es ist ein Schlag ins Gesicht für Boko Haram, denn es ist ihre größte Angst: Das Mädchen, das ein Buch bekommt.

Um bei der Unterstützung unseres Projekts mitzumachen, kontaktieren sie uns bitte unter afrika(at)igfm(dot)de oder info(at)igfm(dot)de, rufen sie an unter 069-420108-0 oder schicken uns ein Fax an 069-420108-33

Mehr Infos zum Patenschaftsprojekt für Mädchen

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2019-01-31T11:44:25+01:00Freitag, November 30, 2018|