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Hilfe für den Notfall – Inobhutnahme und Notschlafstellen2018-12-10T11:37:00+00:00

Inobhutnahme und Notschlafstellen

Was ist eine Inobhutnahme?

Eine Inobhutnahme ist eine Maßnahme der Jugendämter zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die sich in einer akuten Krise oder dringenden Gefahr befinden. Die Betroffenen können dann, wenn es nötig sein sollte, in einer sicheren Umgebung (Obhut) vorübergehend aufgenommen und untergebracht werden. Das Ziel einer Inobhutnahme ist normalerweise neben der unmittelbaren Hilfe im Fall einer Krise auch eine Beratung, die Klärung wichtiger Fragen, Vermittlung, Unterstützung und falls erforderlich die Vorbereitung und Einleitung weiterer Hilfsangebote.

Anlässe für die Inobhutnahme können unter anderem folgende Gründe sein: drohende Gewalt, Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung, Überforderung der Eltern, schwerwiegende Beziehungsprobleme, Integrationsprobleme im Heim oder in der Pflegefamilie, Kriminalität, Suchtprobleme, aber auch Probleme in der Schule.

Die Jugendämter nehmen Minderjährige auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative Anderer, etwa von der Polizei oder von Erziehern, in Obhut. Die Unterbringung erfolgt in einer Jugendschutzstelle oder in einer Bereitschaftspflegefamilie. Sie kann auch in einer anderen betreuten Wohnform oder in einzelnen Fällen auch in einem Heim erfolgen. Das Jugendamt hat darüber hinaus die Aufgabe, die Situation, die zu der Inobhutnahme geführt hat, zusammen mit der oder dem Betroffenen zu klären und wenn möglich zu lösen.

Jugendschutzstellen nehmen rund um die Uhr Jugendliche auf, die sich in einer akuten persönlichen Krise befinden und deren Rückkehr in die Familie, Pflegefamilie, Heim oder eine andere Einrichtung der Jugendhilfe zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht möglich oder aus pädagogischen Gründen nicht sinnvoll ist. Jugendschutzstellen befinden sich in der Regel in öffentlicher Trägerschaft, z.B. der Gemeinde.

Dauer und Kosten der Inobhutnahme

Die Inobhutnahme erfolgt meist für kurze Zeit, bis eine andere, längerfristige Lösung gefunden ist. Über die Dauer entscheidet das Vormundschaftsgericht einvernehmlich mit den Eltern und dem Kind. Liegt eine Gefährdung des Wohles des Kindes vor, entscheidet das Vormundschaftsgericht alleine über Dauer und Vorgehen, auch gegen den Willen der Eltern.

Für die Dauer der Inobhutnahme hat das Jugendamt für das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen zu sorgen und den notwendigen Unterhalt und die Krankenhilfe sicherzustellen. Das Kind bzw. der Jugendliche und seine Eltern sind zu einem zumutbaren Kostenbeitrag heranzuziehen. Grundsätzlich übernimmt der Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Kosten zunächst einmal unabhängig davon, ob dem Jugendlichen und seinen Eltern die Aufbringung der Mittel aus ihrem Einkommen oder Vermögen zuzumuten ist und ein Kostenbeitrag erhoben werden kann. Bei Kindern und Jugendlichen ist das in aller Regel nicht der Fall.

Die Inobhutnahme kann je nach Situation und Alter auf mehrere Arten beendet werden: z.B. durch die Unterbringung in einer anderen Betreuungseinrichtung. Sie kann aber auch beendet werden, indem die oder der Minderjährige im Einvernehmen durch seine Eltern abgeholt wird und das Jugendamt anschließend hilft, die Ursache für das Eingreifen dauerhaft zu beheben. Etwa durch Hilfe bei der Fürsorge für das Kind.

Für ausländische Kinder und Jugendliche, die unbegleitet nach Deutschland kommen und deren Erziehungsberechtigte sich nicht im Inland aufhalten, wird durch das Jugendamt umgehend ein Vormund oder Pfleger bestellt, der zum Wohle des Kindes handeln soll.

Anlaufstellen in der Nähe

Auf der folgenden Seite finden sich die Adressen und Kontaktdaten der einzelnen Jugendämter: www.socialnet.de/…

Im Notfall

Außerhalb der üblichen Dienstzeiten sind viele Jugendämter oder andere mit dieser Aufgabe betraute Stellen für den Notfall durch einen Bereitschaftsdienst erreichbar. Die jeweils aktuellen Telefonnummern sind den Polizeidienststellen vor Ort bekannt.

Die Telefonnummern der örtlichen Polizeidienstellen finden sich in jedem Telefonbuch oder über die Telefonauskunft (z.B. 11833). Zur Not 110 wählen.

www.polizei.de

Notschlafstellen

Von der Inobhutnahme zu unterscheiden sind die Notschlafstellen. Diese sind Anlaufstellen für Jugendliche und junge Volljährige. Sie werden in teilbetreuten Wohngruppen, der Notschlafstelle, untergebracht und nach Abklärung des Jugendhilfebedarfs in weiterführende Hilfeformen oder in die Selbständigkeit begleitet. Dazu kann auch eine eigene Wohnung gehören. Das Jugendamt ist verpflichtet, verschiedene Möglichkeiten der Hilfe zu prüfen. Kann das Jugendamt selbst keine Hilfsmöglichkeiten bereitstellen, muss es das hilfesuchende Kind, den Jugendlichen oder den jungen Erwachsenen an andere Beratungsstellen oder aber an andere Institutionen weitervermitteln. Zu den möglichen Maßnahmen kann auch die Finanzierung eines eigenen Zimmers oder einer eigenen Wohnung gehören, um dem jungen Erwachsenen ein anderes soziales Umfeld und z.B. einen Schul- oder Ausbildungsplatz zu ermöglichen.

Die Adressen der Notschlafstellen erhält man z.B. beim Jugendamt, den allgemeinen sozialen Diensten der Stadt oder Gemeinde. Ein Anruf bei der Stadtverwaltung genügt dafür. In jedem Fall sind die Hilfsangebote vor Ort der Polizei bekannt. Die Polizeidienststellen sind rund um die Uhr besetzt.

Rechtlicher Hintergrund

Die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen ist im Sozialgesetzbuch, Buch VIII § 42 geregelt. Den Wortlaut von § 42 SGB-VIII finden sie hier:

www.gesetze-im-internet.de/…

Weitere Hilfsangebote für den Notfall