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China: Lea Zhou Zensur

Lea Zhou: Wege, die Zensur zu überwinden

“Freiheit ist kostbar. Dafür haben wir einen hohen Preis gezahlt”

Lea Zhou, Chefredakteurin Epoch Times Europa, auf der IGFM-Pressekonferenz am 13.10.2009

Statement bei der IGFM-Pressekonferenz vom 13.10.2009 “David gegen Goliath – Umgang mit der Zensur in China” anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2009, deren diesjähriges Gastland die VR China ist.

China hat inzwischen die meisten Internetuser, zur gleichen Zeit bleibt China das Land der größten Internetzensur. Über die Zensur in China wurde auch viel im letzten Jahr geschrieben, als die Olympischen Spiele in China stattfanden. Kurz vor dem Nationalfeiertag am 1. Oktober, als die Kommunistische Partei Chinas den 60. Jahrestag ihrer Machtübernahme feierte, erlebten die Internetuser in China die stärksten Internetsperren, die man in den letzten Jahren überhaupt erlebt hat. Auf der diesjährigen Buchmesse wird die Zensur inner-halb des Festland Chinas wohl DAS Thema bleiben.

Die Zensur macht jedoch keinen Halt vor der geografischen Grenze Chinas. Letzte Woche organisierte die Xinhua Agentur einen Weltgipfel der Medien in China. Daran ist klar zu erkennen, dass die chinesischen Machthaber eine neue Offensive gestartet haben, um sich in der Welt laut vernehmbar zu machen. Die SMG Mediengruppe in Shanghai bekommt in den nächsten fünf Jahren eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar von der China Development Bank. Mit der staatlichen Unterstützung werden Medien-Giganten aufgebaut, die die Welt erobern sollen. Die staatliche Xinhua Agentur und CCTV bauen seit Anfang dieses Jahres ihre Netzwerke in Europa und auch in anderen Teilen der Welt stark aus.

Diese aggressive Medienpolitik ist eine Reaktion auf die sozusagen “negative” Berichterstattung der westlichen Medien über die Unterdrückung der Proteste der Tibeter im März letzten Jahres und über die Olympischen Spiele. Sie ist an sich keine neue Erfindung, sondern die Fortsetzung und Erweiterung einer ähnlichen Medienpolitik der chinesischen Regierung in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Laut einem Forschungsbericht der Jamestown Foundation im Jahre 2001 hat die chinesische Regierung ihren Einfluss auf die chinesischsprachigen Medien in den USA, das Auswanderungsziel Nummer 1, syste-matisch aufgebaut. Dabei wurden vier strategische Maßnahmen eingesetzt. Wie z.B.:

  • a). Die Direkte Kontrolle von Zeitungen, Radiosendern und Fernsehsendern durch eine komplette Übernahme oder durch den Besitz von über 50% der Anteile. Es ist zu erwarten, dass mit der finanziellen Unterstützung der China Regierung man bald mehr chinesische Manager in de Vorständen der unter der Finanzkrise leidenden, internationalen Medienanstalten sehen wird.
  • b). Freie Medien wirtschaftlich an sich zu binden, um sie zu beeinflussen. Auch auf dem zweitägigen Weltgipfel der Medien in der letzten Woche, hat die chinesische Regierung es schmackhaft gemacht, dass den ausländischen Firmen erlaubt wird, in Zukunft in die Musik-, Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen in China zu investieren. Allerdings dürfen solche Produktionen nur von den chinesischen staatlichen Firmen durchgeführt werden. Trotz dieser Einschränkung fühlen sich wahrscheinlich manche Firmen wie “zu Tisch gebeten”.
  • c). Bei der damaligen Kontrolle der chinesischsprachigen Medien, die ursprünglich von Medienmacher aus Taiwan oder Hongkong gemacht worden sind, war das Aufkaufen von Sendezeiten und Werbeplatz (oder mehr) bei bestehenden unabhängigen Medien auch eine beliebte Methode. Eng damit verbunden ist die Zurverfügungstellung freier und sendefertiger Programme und Inhalte.
  • d). Ganz unauffällig aber gefährlich ist die Infiltration der Medien durch die Einschleusung von Parteimitgliedern in den Redaktionen der freien Medien, darunter die sogenannten “feindlichen Sender”, die in chinesischer Sprache über Kurzwelle nach China senden.

Nach gut 15 Jahren sind zu Beginn dieses Jahrhunderts fast alle großen und mittleren chinesischsprachigen Zeitungen “neutralisiert” bzw. rot-infiltriert worden, darunter die bekannten Zeitungen wie Ming Pao und Tsing Tao in Hong Kong, World Journal in den USA usw. Experten sprechen davon, dass 98% der chinesischen Medien im Ausland inzwischen “eingekauft” worden sind.

Die chinesische Medienlandschaft hat sich in den letzten 20 Jahren gravierend verändert. Die chinesische Regierung setzt inzwischen ihren Schwerpunkt immer mehr auf das Internet. Auf der einen Seite wird das Internet im Festland China zensiert. Auf der anderen Seite tauchen immer mehr Nachrichtenportale oder Foren auf, die von der chinesischen Regierung in irgendeiner Form kontrolliert sind.

Vor diesem Hintergrund ist unsere Zeitung “The Epoch Times” (DaJiYuan) entstanden, mit einem klaren Ziel, die Zensur zu durchbrechen und die chinesischen Leser sowohl im Ausland als auch im Inland Chinas mit unzensierten Informationen zu bedienen. Im Jahre 2000 wurde “The Epoch Times” von Auslandschinesen in den USA gegründet. Im Jahre 2001 ist die europäische Ausgabe in chinesischer Sprache in Betrieb gegangen.

Die unzensierten Informationen haben einen großen Zulauf auf unserer Internetseite gewonnen. Unsere Statistiken zeigen, dass die Internetseite von Epoch Times tagtäglich sehr stark von den chinesischen Lesern besucht wird.

Wie ist das möglich?

Schon zur Anfangszeit war es uns klar, dass unsere Webseite bestimmt vom chinesischen Firewall blockiert wird. Daher haben wir gleich am Anfang Computerspezialisten gesucht, die uns dabei helfen, Programme zu entwickeln, um die Internetblockade zu durchbrechen. Unter den Falun Gong-Praktizierenden in den USA gibt es viele erstklassige Computerspezialisten, die die Technik beherrschen, aber vor allem den starken Wunsch haben, die Information über die brutale Verfolgung von Falun Gong ins Ausland zu bringen.

In den vergangen Jahren sind mehrere solcher Programme entwickelt, die besonders userfreundlich sind. Diese winzigen Programme mit einer Größe von ca. 150 Kb lassen sich einfach per E-Mail verschicken. Der Benutzer in China braucht nur auf das Programm-Icon zu klicken ohne lange Installationsprozesse, schon kann er sich in der freien Internetwelt bewegen, ohne dass die Internetpolizei in China das merkt.

Diese Programme sind inzwischen sehr verbreitet. Inzwischen wurden diese Programme auch von den Op-positionellen in Burma und Iran entdeckt. Im Juli d. J. schreibt The Washington Post in einem Kommentar: “Das Konsortium für globale Internetfreiheit (Global Internet Freedom Consortium), eine kleine, regierung-sunabhängige Organisation, ermöglicht fast 1 000 000 Benutzern täglich den Zugang zum Internet.”

Dank der engen Zusammenarbeit mit den Software-Entwicklern des Global Internet Freedom Konsortium erreichen unsere Nachrichten eine breite Leserschaft im Festland China.

Freiheit ist kostbar. Dafür haben wir einen hohen Preis gezahlt.

Dem Regime in China ist The Epoch Times zweifellos ein Dorn im Auge. Am 8. Februar 2006 erzwangen sich in Atlanta/USA zwei bewaffnete Männer Zutritt zu der Wohnung von Dr. Peter Yuan Li, Leiter der techni-schen Abteilung unserer Zentrale in den USA. Sie schlugen ihn und fesselten ihn, verklebten ihm Mund und Augen und stahlen zwei seiner Laptops. Nach dem Überfall konnte Li sich selbst befreien. Im Krankenhaus wurden seine Gesichtswunden mit 15 Stichen genäht.

In Hongkong erscheint The Epoch Times als eine Tageszeitung, sie wird von vielen Touristen aus dem Fest-land China gelesen. Unser Büro in Hongkong musste in der Anfangszeit häufig die Druckerei wechseln, weil sie immer wieder von den chinesischen Staatssicherheitsleuten bedroht wurden. Wir waren gezwungen, eine eigene Druckerei mit gebrauchten Anlagen aufzubauen. Am 15. Februar 2006 wurden die ersten Zeitungen von unserer eigenen Druckerei gedruckt. 14 Tage später, am 28. Februar, wurde unser Büro von Schlägertypen überfallen. Die Glastür wurde zerschlagen, Computer und Maschinen zerstört.

Im September 2006 wurde Wang Lian, der technische Leiter unseres Büros in Hongkong, von den Stasi-leuten bei einem Besuch im Festland China entführt und gezwungen, als Agent für die Stasi zu arbeiten. Seine Aufgabe war, DaJiYuan in Hongkong “mit technischen Maßnahmen zu zerstören”. Nach einer inneren Quälerei von fünf Monaten hat sich Wang Lian entschieden, die Familie zurückzulassen, um der Kontrolle der Stasi zu entkommen. Er ist mit einem Touristenvisum nach Australien gereist, hat dort das politische Asyl beantragt.

Davor, im Jahre 2003, wurden alle vier Reifen meines Auto vor meiner Haustür in Berlin zerstochen, nachdem ich eine Woche lang auf der UN-Menschenrechtstagung in Genf über die Menschenrechtsverletzungen berichtet hatte. Der Täter war nicht zu finden.

Diese Schwierigkeiten haben die Entwicklung von The Epoch Times nicht verhindern können. Innerhalb dieser neun Jahre hat sich die chinesischsprachige DaJiYuan sehr schnell entwickelt. Mit einer Auflage von cirka zwei Millionen ist sie die auflagenstärkste chinesische Wochenzeitung außerhalb Chinas. Das Deckungsgebiet der chinesischen Printausgaben umfasst etwa 40 Länder. Unser Ziel ist: Wo es chinesische Leser gibt, dort gibt es DaJiYuan. Überall, wo eine regionale Ausgabe angeboten wird, wurde ein finanziell selbständiger Verlag gegründet, der die lokale Ausgabe selbständig produziert. In Ballungsgebieten wie New York, Toronto, Taiwan, Hongkong etc, erscheint DaJiYuan als Tageszeitung. Die europäische Ausgabe ist eine Wochenzeitung, sie wird in Berlin gedruckt und von dort aus an 16 europäische Länder geliefert und verteilt. In Deutschland erreicht DaJiYuan alle Groß- und Mittelstädte und sogar manche kleinen Städte, wo chinesische Immigranten leben.

So weit ich informiert bin, ist DaJiYuan die Zeitung, die immer wieder auf den Tisch des Politbüros in Peking kommt, wenn sich die Mitglieder des Politbüros über die politische Lage informieren wollen. Die Machthaber in Peking sind selbst Opfer ihrer eigenen Zensurmaßnahmen. Die Hongkong-Ausgabe von DaJiYuan erscheint auch oft in Shenzhen auf dem Schwarzmarkt.

Wenn wir heute über die starke Internetzensur und die Unterdrückung von Meinungs- und Pressefreiheit in China sprechen, möchte ich alle Menschen ermutigen, sich zusammenzuschließen, um die Blockade durchzubrechen. Nach neun Jahren Erfahrung kann ich sagen, ja, es gibt einen Weg. Er ist schmal, er ist manchmal gefährlich, aber er ist begehbar, und vor allem was am wichtigsten ist, er führt uns zu mehr Freiheit auf der Suche nach mehr Wahrheit.

Morgen (14.10.2009) um diese Uhrzeit findet eine Gerichtverhandlung im Handelsgericht in Paris statt. Viele von Ihnen haben vielleicht schon einmal gelesen, dass die Satellitenfirma Eutelsat mit ihrem Hauptsitz in Paris aus einem vorauseilenden Gehorsam die Sendesignale des freien chinesischsprachigen Fernsehsenders New Tang Dynasty (NTD-TV) aus New York kurz vor den Olympischen Spielen in Peking, im Juni letzten Jahres eingestellt hat. NTD TV hat Klage gegen Eutelsat erhoben. Ich möchte Sie darum bitten, diesem Fall mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich danke Ihnen allen ganz herzlich!

2018-12-11T13:20:06+00:00Dienstag, Oktober 23, 2018|