Iran: Pastor „Matthias” Ali-Haghnejad frei!

ENDLICH FREI! Wir freuen uns mit ihm: Pastor Abdolreza „Matthias” Ali-Haghnejad ist frei! Am 15. Dezember 2014 war er bereits wieder bei seiner Familie. Ali-Haghnejad war Muslim, trat zum Christentum über und wurde schließlich Pfarrer. Dafür wurde er viele Male bedroht, verhaftet und wegen „Abfall vom Islam” und „Kampf gegen Gott” mit dem Tod bedroht. Internationale Proteste wendeten eine Hinrichtung ab. Am 19. Oktober 2014 verurteilte ihn ein Revolutionsgericht schließlich zu sechs Jahren Haft. Jedoch wurden er und der Konvertit Reza "Silas" Rabbani im Berufungsverfahren von den Vorwürfen freigesprochen.

Verhaftung und Prozess
Als Pastor der evangelischen „Church of Iran“ wurde Abdolreza Ali-Haghnejad bereits mehrfach verhaftet, zum ersten Mal am 10. Dezember 2006. Er wurde mit sieben weiteren Christen bei einer Razzia festgenommen. Die iranische Staatssicherheit durchsuchte am frühen Morgen ihre Häuser in Teheran, Karaj, Rascht und Bandar Anzali und beschlagnahmte Bibeln, CDs, Tonbänder und evangelistische Literatur. Unter den zehn Anklagepunkten waren unter anderem Missionarstätigkeiten und Handlungen gegen die nationale Sicherheit Irans. Ali-Haghnejad wurde schließlich am 14. Dezember 2006 nach dem Verhör entlassen. Am 11. Januar 2010 wurde er in der süd-westiranischen Stadt Shiraz erneut inhaftiert und wegen Apostasie (Abfall vom Islam) angeklagt.

Im Jahr 2011 verhafteten ihn die iranischen Sicherheitskräfte weitere zwei Male. Im April 2011 geschah dies in der nördlichen Stadt Bandar Anzali. Der Pastor und andere Gemeindemitglieder feierten bei einem Hausgemeindetreffen das Abendmahl. Am 1. Mai 2011 standen die elf Christen vor einem Revolutionsgericht wegen der „Gründung einer Vereinigung mit der Absicht die nationale Sicherheit zu stören“ und dem Konsum von Alkohol. Das Revolutionsgericht ordnete nach starken internationalen Protesten schließlich am 14. Mai die Freilassung der Christen an. Sie stünden laut der iranischen Verfassung unter dem Schutz religiöser Minderheit.

Am 17. August 2011 wurde Abdolreza Ali-Haghnejad während eines pastoralen Besuchs in der Stadt Rascht erneut durch den iranischen Inlandsgeheimdienst (VEVAK) verhaftet. Das Gericht bezichtigte ihn der Blasphemie und “Aktivitäten gegen den Islam”. Ohne seine Familie über seine Verhaftung in Kenntnis zu setzen und ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt wurde der Pastor im Gefängnis festgehalten. Jeder rechtliche Beistand wurde ihm verwehrt. Das Gericht ordnete eine Kaution von umgerechnet rund 24.000 Euro an, welche die Familie letztendlich bezahlte, worauf Haghnejad am 27. August 2011 wieder auf freien Fuß kam. Die Kaution konnte nur aufgebracht werden, weil ein Verwandter seinen Grundbesitz verpfändete.

Im April 2012 nahmen die Behörden Abdolreza Ali-Haghnejad und elf seiner Gemeindemitglieder, darunter auch seine Frau Anahita, fest. Unter den gleichen Anklagepunkten wie bereits im April 2011 standen sie vor dem Revolutionsgericht in Rascht und mussten sich verteidigen. Diesmal aber ohne ihren Anwalt Mohammad Ali Dadkhah, der sie bereits bei der letzten Verhandlung verteidigt hatte. Dieser konnte auf Grund starken Nebels nicht nach Teheran fliegen und so wurde der Prozess ohne ihn geführt.

Am frühen Morgen des 5. Juli 2014 überfielen iranische Sicherheitskräfte Haghnejads Haus in Karaj und verhafteten ihn ein weiteres Mal. Sie konfiszierten Bibeln, persönliche Papiere und seinen persönlichen Computer. Nach einem zweistündigen Verhör am 3. August 2014 klagte ihn das Revolutionsgericht schließlich des „Moharebeh“ (Kampf gegen Gott) an. Haghnejad befand sich eine Woche in Einzelhaft in einer Haftanstalt des Inlandsgeheimdienstes. Der Pastor wurde gezwungen fälschlicherweise „zu gestehen“, dass seine Gemeinde in regierungsfeindliche Aktivitäten involviert sei. Am 9. Dezember 2014 wurde Abdolreza Ali-Haghnejad von einem Berufungsgericht freigesprochen.


Hintergrund
Christen sind im Iran eine religiöse Minderheit. Sie müssen zahlreiche Repressionen seitens des Regimes ertragen. So müssen christliche Gemeinden Erklärungen unterzeichnen, dass sie nicht missionieren. Außerdem werden Gottesdienstbesucher seitens der Polizei kontrolliert. Im Iran ist es einem Muslim nicht möglich auf legalem Wege aus seiner Religion auszutreten. Der Übertritt vom Islam zum Christentum kann mit dem Tode bestraft werden. Dies hat dazu geführt, dass sich ein Netz von Hauskirchen entwickelte. Bibelstunden und Gottesdienste müssen heimlich in privaten Wohnungen abgehalten werden.

[zur online Spende ...]

Hilfe für den Notfall: Hilfsangebote und Notadressen
Machen Sie mit: Petition für ein Tribunal über den Islamischen Staat (IS)
Scharia, das islamische Recht im Überblick
Die Opfer des Islamischen Staates (IS) brauchen Hilfe. So hilft die IGFM.
Veranstaltungen
China darf Flüchtlinge aus Nordkorea nicht abschieben