Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Politischen Gefangenen zu schreiben, ist eine einfache und wirkungsvolle Hilfe. Kosten und Zeitaufwand sind gering, und die Gewissheit, einem Menschen in Not geholfen zu haben, ist sehr befriedigend. Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen. Die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Es ist für einen Gefangenen immer ein freudiges Ereignis, wenn er Post erhält oder wenn er erfährt, dass jemand ihm geschrieben hat - selbst dann, wenn ihm die Post nicht ausgehändigt wird.

Kann ich auf Deutsch schreiben?

Sie können auf Deutsch schreiben, selbst dann, wenn der Gefangene vermutlich kein Deutsch versteht. Schreiben Sie besser auf Deutsch als überhaupt nicht - die Gefangenen freuen sich über jede Zuwendung und auch auf Deutsch stellt Ihre Post einen Schutz für den Gefangenen dar. Falls der oder die Gefangene möglicherweise Englisch oder eine andere Weltsprache verstehen, ist zu empfehlen, in dieser Sprache zu schreiben. Beherrschen Sie die Muttersprache des Gefangenen? Schreiben Sie ihm ruhig in dieser Sprache. Die Post für den Gefangenen ist dadurch auch für die Beamten transparenter, die diese kontrollieren.

Woher bekomme ich die Adresse?

Sofern Sie die Stadt und den Namen des Gefängnisses oder Lagers kennen, wird Ihre Postkarte oder Ihr Brief ankommen. In zahlreichen Ländern haben viele Straßen weder Namen noch Nummern - selbst in wohlhabenden Wohnvierteln. Den Haftort und den Namen des Gefängnisses finden Sie, sofern er bekannt ist, in den Hintergrundinformationen der aktuellen Appelle der IGFM.

[zu den aktuellen Appellen ...]

Kann ich auch Päckchen oder Pakete schicken oder etwas in den Umschlag legen?

Pakete an Gefangene können sehr problematisch sein. Wenn die Gefangenen Päckchen oder Pakete erhalten dürfen, dann gibt es in der Regel nicht nur Vorschriften zum Inhalt, sondern vor allem auch zur Anzahl der Pakete pro Monat. Wird ihr Paket durchgelassen, verweigert man dem politischen Gefangenen möglicherweise ein für ihn wesentlich wichtigeres Paket von seinen Angehörigen. Darüber hinaus müssen manche Gefangene bei Haftantritt angeben, wer ihnen Pakete schicken darf. Ihr Paket würde möglicherweise zurückgewiesen oder beschlagnahmt, ohne sein Ziel zu erreichen.

Die Angehörigen wissen meistens am besten, was der Gefangene benötigt. Sie selbst leiden durch die Haft oft auch materiell, denn noch immer sind die meisten politischen Gefangenen Männer, die vor ihrer Verhaftung den Lebensunterhalt ihrer Familien bestritten haben. Auch die Ehefrauen und Kinder der Gefangenen sind oft auf Unterstützung angewiesen. Falls die Kontaktdaten von Angehörigen bekannt sein sollten und die Angehörigen es wünschen, kann ein Paket an sie sinnvoller sein als an den Gefangenen selbst. Ohne Absprache mit den Angehörigen oder zumindest genaueren Informationen zur Situation des Gefangenen, rät die IGFM von Paketen eher ab.

Ein größeres Problem ist darüber hinaus Diebstahl durch Gefängnispersonal. Falls Sie etwas schicken, das für das Gefängnispersonal uninteressant ist, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass der oder die Gefangene das Paket erhält. Um Diebstahl vorzubeugen kann das Paket eine Packliste enthalten, im Begleitbrief kann der Inhalt erwähnt werden. Alle Briefe und Pakete sollten nummeriert werden. Eine Garantie, dass ein politischer Gefangener seine Post erhält, hat man leider nie. In vielen Haftanstalten ist zudem der Empfang bestimmter Güter verboten. Dazu gehören oft Bücher und andere Drucksachen.

Haben auch vorgedruckte Briefe oder Postkarten einen Sinn?

Individuelle Anschreiben sind sehr viel wirkungsvoller als kopierte Standartbriefe. Je mehr individuelle Briefe einen Gefangenen erreichen, umso stärker hat das Gefängnispersonal den Eindruck, dass sich viele verschiedene Menschen unabhängig von einander für einen Gefangenen interessieren. Generell gilt aber: Besser vorgedruckte Postkarten als keine Post!

Erwarten Sie keine Antwort

Oft ist unklar, ob einem politischen Gefangenen Postkarten und Briefe vollständig oder überhaupt ausgehändigt werden. Selbst wenn Sie Ihren Brief oder Ihre Postkarte als Einschreiben mit Rückantwort verschicken und Empfangsbestätigung (der Gefängnispoststelle) erhalten, ist es keineswegs selbstverständlich, dass Ihr Schreiben den Gefangenen tatsächlich erreicht hat. Außerdem haben politische Gefangene oft nur eine eingeschränkte Schreiberlaubnis oder dürfen überhaupt nicht schreiben. Andere haben keine Möglichkeit zu schreiben, weil ihnen Schreibzeug und Briefmarken fehlen. Selbst wenn der Gefangene Ihren Brief erhalten hat und wenn er antworten konnte, so kann die Antwort trotzdem von den Behörden beschlagnahmt worden oder bei der Post "verloren" gegangen sein. Erhalten Sie dennoch eine Antwort - vom Gefangenen, einer Behörde oder einem Dritten -, dann leiten Sie diese oder eine Kopie bitte an die IGFM weiter. Bitte schicken Sie auch die Empfangsbestätigung an die IGFM, denn sie ist für die IGFM ein Hinweis darauf, dass der Betreffende noch unter der Haftadresse erreichbar ist. "Verschwindenlassen" in der Haft oder häufige Verlegungen, um den Kontakt zu einem Gefangenen zu erschweren, sind leider noch immer bedeutende Probleme.

Motivieren Sie andere ebenfalls zu schreiben

Gewinnen Sie andere - Freunde, Verwandte, Bekannte, Gemeindemitglieder, Kollegen, Kommilitonen, Nachbarn ... - ebenfalls an politische Gefangene zu schreiben. Je mehr Menschen sich beteiligen, umso größer ist die Wirkung.

Politischen Gefangenen schreiben kann sehr erfüllend sein

Denken Sie beim Schreiben an die Person, der Sie helfen. Denken Sie an die enorme Zahl von Gefangenen, die durch Briefe von Misshandlungen verschont blieben, andere Hafterleichterungen erhielten oder vorzeitig aus der Haft entlassen wurden. In manchen Fällen, in denen der Gefangene die Möglichkeit hatte zu antworten, sind durch solche Briefe dauerhafte Freundschaften gewachsen.

 

 

 

 

 

 

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