Nicaragua: 360 Todesopfer durch Angriffe sandinistischer Milizen und kubanischer Söldner auf Demonstranten

Verschleppung, Folter und falsche Anschuldigungen gegen Regimekritiker

Studentin bei den Protesten in Managua. Bild: Flickr, Jorge Mejía peralta

Managua / Frankfurt am Main (8. August 2018) – Seit dem 18. April 2018 herrschen in Nicaragua wieder bürgerkriegsähnliche Zustände. Von diesem Zeitpunkt an verloren etwa 360 Menschen ihr Leben, darunter Kinder, Studenten, Bauern, Alte und Junge. Mehr als zweitausend Menschen wurden verletzt. Viele sind vermisst, so die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Auf Seite der sandinistischen Regierung stehen die bewaffneten Milizen der Sandinistischen Jugend, unterstützt von Polizei, Armee und Geheimdienst. Auf der anderen Seite Studenten, Demokratieaktivisten, Oppositionelle und katholische Laien. Die bewaffneten Milizen der Sandinistischen Jugend gehen in der Hauptstadt Managua und anderen Städten mit systematischer Gewalt gegen die Teilnehmer von Demonstrationen vor.

„Der Aufstand der Zivilbevölkerung hat das Ziel, Freiheit und Demokratie zurück zu erobern. Jeder, der die Aufstandsbewegung unterstützt, wird verhaftet. Die Menschen werden aus ihren Häusern geholt, ins Gefängnis gebracht, wo sie geschlagen und gefoltert werden. Man wirft ihnen Straftaten vor, die sie nicht begangen haben. Unter den Inhaftierten sind auch Minderjährige und ältere Menschen“, erklärt Dr. José Orlando Lovo, Vorsitzender der IGFM in Nicaragua.

Söldner aus Kuba und Venezuela attackieren Demonstranten

Auch außerhalb der Hauptstadt Managua breiteten sich die Unruhen aus, so in der Stadt Masaya und der Indígenas-Gemeinde Monimbo. Am 15. Juli wurden die Dörfer Diriomo, Niquinohomo und Catarina, etwa 40 km von Managua, angegriffen. Insbesondere in Masaya kam es zu schweren Zusammenstößen mit mehreren Todesopfern und zahlreichen Verhaftungen.

Dabei gelang es den Demonstranten, einige vermeintliche „Polizisten“ festzunehmen, unter denen sich von der sandinistischen Regierung angeheuerte Kubaner und Venezolaner befanden. Dies erklärt nach Auffassung der IGFM-Nicaragua die Brutalität der Angriffe auf Demonstranten. Nichtnicaraguaner hätten weniger Skrupel, auf Nicaraguaner zu schießen.

Die Katholische Kirche von Nicaragua bemüht sich bisher vergeblich um eine Mediation zwischen den Konfliktparteien. Sie wird von den Sandinisten als illoyal angesehen und wegen „Untreue zur Regierung“ als feindliche Organisation angesehen. Als sich zuvor in der Hauptstadt Managua am 14. Juli protestierende Studenten in die Kirche Divina Misericordia geflüchtet und dort verbarrikadiert hatten, wurden sie von Milizionären und „Polizisten“ beschossen. Auf Intervention von Katholischer Kirche und Menschenrechtlern wurden die Studenten evakuiert und in die Kathedrale von Managua verbracht. Zwei Studenten verstarben dort in Folge ihrer Verletzungen.

Dr. Lovo und die IGFM-Nicaragua appellieren an die Vereinten Nationen und alle demokratischen Staaten, den Terror gegen die zivile Protestbewegung nicht zu ignorieren, sondern internationalen Druck auf die sandinistische Regierung auszuüben. „Nicaragua ist heute ein Staat ohne Gesetze in den Händen derjenigen, die die Bevölkerung angreifen, Häuser niederbrennen, plündern und Angst schüren. Die Polizei steht ausschließlich im Dienst des Präsidenten Daniel Ortega und seiner Ehefrau, der Vizepräsidentin Rosario Murillo. Die Menschen bleiben in ihren Häusern, um sich zu schützen und ihr Leben zu retten,“ so Dr. Lovo.


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