Zwanzig Jahre Gefängnis für kubanischen Bürgerrechtler?

IGFM: Konstruierte Verkehrsunfälle bringen Oppositionelle zum Schweigen

José Daniel Ferrer, Vorsitzender der größten kubanischen Oppositionsgruppe UNPACU. Bild: Tracey Eaton.

Frankfurt am Main / Santiago de Cuba (15. August 2018) – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fordert die sofortige Freilassung von José Daniel Ferrer García. Ferrer, der Vorsitzende der größten kubanischen Oppositionsgruppe UNPACU (Unión Patriótica de Cuba), ist seit dem 3. August in Santiago de Cuba in Polizeihaft. Wie die IGFM berichtet, war er zuvor in einen Verkehrsunfall mit dem Staatsicherheitsbeamten Dainier Suárez Pagán verwickelt. Ein gemeinsam mit Ferrer verhafteter Oppositioneller wurde am 11. August aus der Haft entlassen.

Pagán ist für sein gewaltsames Vorgehen gegen Menschenrechtsaktivisten in Kuba bekannt. Ferrer wird „versuchter Mord“ vorgeworfen, da er Pagán angeblich absichtlich angefahren haben soll. Nach Aussagen von zwei Zeugen, soll dieser den „Unfall“ jedoch inszeniert haben. „Falls die Anklage bestätigt wird, drohen dem Bürgerrechtler 20 Jahre Haft. Es wäre nicht das erste Mal, das auf Kuba Regimekritiker durch gefälschte ‚Beweise‘ weggesperrt werden“, kritisiert der Vorstandssprecher der IGFM, Martin Lessenthin.

Kein Kontakt zu Familie und Anwalt

Der Kontakt zu seiner Familie und seinem Anwalt wird Ferrer verweigert. Ein Termin für den Beginn des Prozesses gaben die Behörden nicht bekannt. José Daniel Ferrer wurde bereits im Jahr 2003 aufgrund seines Einsatzes für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit und seiner Unterstützung des Varela-Projekts zu 25 Jahren Haft verurteilt. 2011 kam er nach einer internationalen Kampagne von Menschenrechtsorganisation für seine Freilassung vorzeitig auf freien Fuß, steht aber unverändert im Visier der Staatsmacht.

Tod von Oswaldo Payá bis heute nicht aufgeklärt

Mitglieder von politische Oppositions- und Menschenrechtsgruppen werden nach Beobachtung der IGFM in Kuba immer wieder unter falschen Anschuldigungen verhaftet und verurteilt. Inszenierte Verkehrsunfälle sind eine perfide Methode, um einen Grund für die Verhaftung von bestimmten Aktivisten zu produzieren, so die IGFM weiter. International bekannt wurde dieses Vorgehen der kubanischen Staatssicherheit durch den Tod von Oswaldo Payá. Er war einer der bekanntesten kubanischen Bürgerrechtler und Initiator des Proyecto Varela. Wiederholt wurde er in mysteriöse Verkehrsunfälle verwickelt und kam schließlich im Juli 2012 bei einem Autounfall ums Leben, nachdem sein Wagen, laut Zeugenaussagen, vorher von einem anderen Auto von der Straße gedrängt worden war. Eine unabhängige Untersuchung des tödlichen Autounfalls ließen die kubanischen Behörden nicht zu.

Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, sich gegenüber Kuba für die sofortige und bedingungslose Freilassung von José Daniel Ferrer García einzusetzen.

 

Update (17. August 2018)

Daniel Ferrer wurde am 16. August unter Auflagen aus der Haft entlassen. Der Vorwurf des versuchten Mordes wurde nicht zurück genommen. Damit könnte er jederzeit wieder verhaftet werden.

[mehr Infos zur Menschenrechtslage in Kuba ...]


Hilfe für den Notfall: Hilfsangebote und Notadressen
Scharia, das islamische Recht im Überblick
Die Opfer des Islamischen Staates (IS) brauchen Hilfe. So hilft die IGFM.
Veranstaltungen
China darf Flüchtlinge aus Nordkorea nicht abschieben