Überarbeitete Lehrbücher in Saudi-Arabien: Regierung dämonisiert weiterhin Christen, Juden, nicht-wahhabitische Moslems und andere "Ungläubige"

Von: IGFM

Der Verstand einer neuen Generation wird vergiftet

 


Riad / Washington / Frankfurt/M. (25. Mai 2006) ? Saudi-Arabien gilt noch immer als Bündnispartner der freien Welt aber es gehört zu den Staaten, die rigoros Christen und andere religiöse Minderheiten verfolgen. Darüber hat die Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wiederholt hingewiesen. Saudi-Arabien begeht aber auch fortwährend Menschenrechtsverletzungen durch die Anwendung der Scharia (islamische Rechtsordnung), stellt das Existenzrecht Israels in Frage, unterstützt militante islamistische Organisationen und gewährt Menschenrechtsverletzern Zuflucht. Diese Politik wird Jugendlichen bereits in der Schule eingeimpft.

Jetzt hat das ?Center for Religious Freedom? in Washington eine Studie veröffentlicht, die aktuelle Lehrbücher des saudischen Bildungsministeriums analysiert. Die Lehrbücher, die für den Islam-Unterricht genutzt werden, verbreiten eine Ideologie, die sich hasserfüllt gegen alle richtet, die sich nicht zum islamischen Wahhabitentum bekennen. Die Studie mit dem Titel ?Saudi-Arabiens Lehrplan der Intoleranz? wurde in Zusammenarbeit mit dem ?Institute for Gulf Affairs? erstellt. (Das Original finden Sie unter: www.freedomhouse.org/religion/pdfdocs/KSAtextbooks.pdf )

Die Studie analysierte 12 aktuelle religiöse Lehrbücher des saudischen Bildungsministeriums, die in den saudi-Arabischen Schulen benutzt werden. Die Bücher wurden von dem ?Institut for Gulf Affairs? mit Sitz in Washington von Lehrern, Verwaltungsbeamten und Familien mit Kindern eingesammelt. Freedom House hat sie dann von zwei unabhängigen Arabischen Übersetzern übersetzen lassen.

?Was in den öffentlichen Schulen in Saudi-Arabien über die Beziehung von Moslems zu anderen Religionen gelehrt wird, wird den Verstand einer neuen Generation von Saudis vergiften?, sagt Nina Shea, Leiter des Center for Religious Freedom und Hauptautorin der Studie. ?Welche Veränderungen im saudischen Bildungssystem auch vorgenommen wurden, es muss definitiv noch mehr gemacht werden.?

Das Ergebnis der Studie widerlegt die Angaben von früheren saudischen Regierungssprechern, die behaupteten, dass das Lehrmaterial komplett neu überarbeitet worden sei. Vor über einem Jahr sagte der Sprecher der saudischen Botschaft Adel al-Jubeir: ?Wir haben unsere Lehrpläne überprüft und wir haben Inhalte entfernt, die Menschen anderer Glaubensgemeinschaften gegenüber intolerant sind.? Der neue saudische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Prinz Turki al-Faisal behauptete während einer landesweiten Vortragsreise in diesem Jahr: ?Wir haben aus alten Textbüchern das entfernt, was vielleicht als intolerant wahrgenommen wurde.? Letzte Woche am 18. Mai sagte der saudische Außenminister, Prinz Saud Al-Faisal: ??das ganze Bildungssystem wird von oben bis unten verändert und umgeformt. Lehrbücher sind nur eine der Maßnahmen, die Saudi-Arabien veranlasst hat.?

Jedoch zeigt die Studie, dass diese Lehrbücher:

* schiitische und sufische Moslems verleumden und ihre Praktiken und ihren Glaube als ketzerisch bezeichnen und sie ?Polytheisten? nennen;
* Moslems dazu aufrufen, Christen und Juden, Polytheisten und andere ?Ungläubige?, inklusive nicht-wahhabitische Moslems, zu hassen, unpassenderweise aber auch dazu aufrufen, sie nicht ?ungerecht? zu behandeln;
* berüchtigte Fälschungen wie ?The Protocols of the Elders of Zion? als historisches Faktum betrachten und lehren;
* andere Verschwörungstheorien lehren, welche Freimaurer, Lions Clubs und Rotary Clubs beschuldigen, Muslime zu unterdrücken;
* lehren, dass ?Juden und Christen Feinde der muslimischen Gläubigen sind? und dass ?der Konflikt? der beiden Reiche immerwährend sei;
* Schüler und Studenten dazu anweisen, Ungläubige weder ?zu grüßen?, ?zu imitieren?, ihnen ?Loyalität zu zeigen?, sie ?zu respektieren?, ihnen ?zu helfen? oder ?höflich zu ihnen zu sein?;
* versichern, dass die Verbreitung des Islam durch den Jiihad eine ?religiöse Pflicht? ist;
* aussagen, dass der ?Kampf zwischen Moslems und Juden? bis zum Jüngsten Tag andauern wird und dass die Moslems am Ende gegen die Juden siegen werden;
* eine Karte vom Mittleren Osten beinhalten, auf der Israel mit den Grenzen vor 1967 dargestellt ist und als ?Palästina: besetzt 1948? bezeichnet wird.

Die islamische Wahhabi-Schule ist Grundlage der saudischen staatlichen politischen Ideologie und der Kern des Lehrplans. Laut der saudischen Botschaft in Washington hat das saudische Bildungssystem 25.000 Schulen, die mehr als 5 Millionen Schüler unterrichten. Saudi-Arabien hat außerdem Akademien in 19 Hauptstädten der Welt, auch in der Nähe von Washington, die die gleichen religiösen Texte benutzt. Darüber hinaus verteilt Saudi-Arabien die religiösen Texte an islamische Schulen und Koranschulen in der ganzen Welt, mit denen es nicht direkt zusammenarbeitet.

Wegen der Verschlossenheit der saudischen Gesellschaft hat das Center keinen umfassenden Bericht über die komplette Reform des Bildungssystems erstellt. Die Studie wurde als Antwort auf die Besorgnis darüber erarbeitet, ob die saudische Regierung die intoleranten Teile der Lehrbücher entfernt hat und es drängt die amerikanische Regierung sehr, Bewusstsein zu schaffen über das andauernde Lehren von Hass und Intoleranz in Saudi-Arabien.

?Saudi-Arabien entrechtet Frauen und treibt weltweit die Durchsetzung der Scharia voran. Neben der Volksrepublik China und Kuba gehört Saudi-Arabien dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen an. Die Studie des Center for Religious Freedom über saudische Lehrbücher dokumentiert, dass Saudi-Arabien ein Fall für den Menschenrechtsrat wäre, keineswegs aber geeignet ist, an der Wahrung der Menschenrechte mitzuwirken? erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen  Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt.


Auf der Website des Centers ist die Studie mit Ausschnitten der Originaltextbücher mit englischer Übersetzung veröffentlicht: www.freedomhouse.org/religion


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