Fatwa des staatlichen Rechtsgutachtergremiums Ägyptens zum Abfall vom Islam

Das "Haus des Rechtsgutachtens" in Kairo ist der Sitz des staatlichen Rechtsgutachtergremiums. Bild: (c) IGFM
Das ?Haus des Rechtsgutachtens? in Kairo ist der Sitz des staatlichen Rechtsgutachtergremiums. Bild: (c) IGFM
Screenshot der Fatwa von der Seite des staatlichen "Haus des Rechtsgutachtens".
Screenshot der Fatwa von der Seite des staatlichen ?Haus des Rechtsgutachtens?.

Das für diese Fatwa verantwortliche Gremium setzt sich aus Rechtsgelehrten der sehr einflussreichen islamischen al-Azhar-Universität in Kairo zusammen. Der Vorsitzende dieses Gremiums ist der Großmufti von Ägypten, er wird vom ägyptischen Präsidenten ernannt. Seit dem 28. September 2003 übt Prof. Dr. ´Ali Gum´a (auch Ali Gomaa umschrieben) dieses Amt aus und ist damit Leiter des staatlichen "Dār al-Iftā' al-misriyyah", oft kurz "Dar al-fatwa", "(ägyptisches) Haus der Fatwa" genannt. ´Ali Gum´a gilt, gemessen an den Mehrheitsmeinungen im Nahen Osten, als äußerst liberal. Nach Ansicht ägyptischer Menschenrechtler kann er nur die von der ägyptisch-muslimischen Öffentlichkeit als "wirklich wichtig" betrachteten Fragen völlig an sich ziehen - etwas die Frage nach dem genauen Beginn des Fastenmonats Ramadan. ´Ali Gum´a hat sich an anderer Stelle gegen eine irdische Strafe für Apostaten ausgesprochen.

Die hier geforderte Todesstrafe für den Abfall vom Islam ist innerhalb des islamischen Diskurses nicht völlig unumstritten, denn eine Minderheit von muslimischen Gelehrten, vor allem im Westen, sprechen sich gegen jegliche Bestrafung des Apostaten aus. Das hier wiedergegebene Gutachten gibt die klassische Lehrmeinung wieder, die von namhaften Gelehrten nach wie vor vertreten wird. Eine der sunnitischen Rechtsschulen, die Malikiten, sowie die schiitischen Rechtsschulen vertreten die Auffassung, dass männliche Apostaten getötet werden müssten, weibliche Apostaten jedoch "nur" lebenslang eingesperrt und täglich zu den fünf Gebetszeiten ausgepeitscht werden müssten.

Thema des Rechtsgutachtens:
Muss ein [vom Islam] Abgefallener alle Pflichten [des Islams], die er als Abgefallener nicht verrichtet hat, verrichten, wenn er Buße tut [zum Islam zurückkehrt]? Falls er keine Buße tut [nicht zum Islam zurückkehrt], muss er sofort oder später getötet werden?

Nummer des Rechtsgutachtens: 20027

Datum des Rechtsgutachtens: 26.07.2004


Antwort:
"Der Begriff ´Abgefallener´ bezieht sich auf denjenigen, der eine bekannte Vorschrift der Religion [des Islams] bewusst vernachlässigt. Dies gilt für alle Abgefallenen, seien diese von Geburt an Muslime oder später zum Islam übergetreten. Dies gilt auch unabhängig davon, ob der Abgefallene [vom Islam] zu einer [vom Islam] anerkannten Religion wie Judentum oder Christentum übergetreten ist oder nicht. Die weltliche Strafe [für den Abfall vom Islam] wurde von Allahs Propheten Muhammad, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, in der authentischen Überlieferung [arab. Hadith Sahih] bei al-Bukhari und Muslim vorgeschrieben: ,Wer seine Religion [den Islam] wechselt, den tötet.'

Ich möchte kurz das erwähnen, was al-Mawardi in seinem Buch ,al-Ahkam as-Sultania' [Seite 55] geschrieben hat: ,Falls die Abgefallenen keine Zuflucht in einem Land suchen, in dem sie nichtislamisch leben können, kämpfen wir nicht gegen sie, sondern diskutieren mit ihnen. Falls sie eine Kritik [gegen den Islam] äußern, klären wir sie mit Argumenten und Beweisen auf, bis sie die Wahrheit sehen. Wir verlangen von ihnen, sich von ihrem Irrglauben abzuwenden. Falls sie Buße tun, wird dies von ihnen angenommen und sie werden [wieder] als Muslime angesehen. Danach müssen sie das Beten und Fasten, das sie während der Zeit ihres Abfalls nicht verrichtet haben, nachholen. Denn sie haben die Verpflichtung [zum Beten und Fasten] vor dem Abfall anerkannt.' Abu Hanifa sagte [jedoch], dass sie nichts nachholen müssten, da sie mit demjenigen vergleichbar seien, der vom Unglauben zum Islam übertreten sei.

Wer auf seinen Abfall vom Islam beharrt, wird getötet. Es spielt keine Rolle, ob dieser ein Mann oder eine Frau ist. Abu Hanifa sagte: ,Ich töte keine Frau, die vom Islam abfällt'. Jedoch hat Allahs Prophet, Muhammad, Allahs Segen und Heil seien auf ihm, eine Frau, Um Ruman, wegen des Abfalls vom Islam getötet.

Der Abgefallene darf nicht anerkannt [toleriert] werden, sei es durch Tribut oder Bund. Sein [tierisches] Opfer darf nicht verzehrt werden. Seine weiblichen Verwandten dürfen keine Muslime heiraten.

Bezüglich der Frage, ob ein Abgefallener vom Islam sofort oder nach drei Tagen getötet werden muss, sind sich die muslimischen Rechtsgelehrten nicht einig. Dabei gibt es zwei Meinungen: Eine Gruppe ist für die sofortige Tötung der Abgefallenen, so dass Allah sein Recht [gegen den Abgefallenen] sofort einfordert. Die andere Gruppe verleiht den Abgefallenen eine dreitägige Frist, in der Hoffnung, dass diese zum Islam zurückkehren werden.

Ali [der vierte Nachfolger Muhammads, sein Cousin und Schwiegersohn] hat al-Mustaurad al-Ajli eine dreitägige Frist verliehen. Daraufhin hat er [Ali] ihn getötet.

Die Tötung [des Abgefallenen vom Islam] wird mit einem Schwert vollzogen. Ibn Sarij, einer der Weggefährten des ash-Shafii, sagte: ,Er wird mit Holzknüppeln getötet.' Denn die Tötung mit dem Holzknüppel ist langsamer als die Tötung mit dem Schwert. Dies [die langsame Tötung] könnte ihm ermöglichen [bevor er stirbt], zum Islam zurückzukehren.

Wenn der Abgefallene schon hingerichtet ist, darf sein Leichnam nicht gewaschen werden. Man darf nicht für ihn beten. Er darf nicht auf einem muslimischen Friedhof beerdigt werden. Er darf sogar nicht auf den Friedhöfen der Polytheisten beerdigt werden. Seine Eigentümer und sein Geld werden zum Eigentum des islamischen Staates, denn weder ein Muslim noch ein Ungläubiger darf ihn beerben.
Es kann nicht behauptet werden, dass die Hinrichtung der vom Islam Abgefallenen gegen die Glaubensfreiheit gerichtet sei. Denn oft ist ein Abgefallener bereits mit der Absicht zum Islam übergetreten, ihn mit seinem späteren Abfall zu beschädigen."

Übersetzung: Daniel Hecker

Quelle:
http://www.al-eman.com/Ask/ask3.asp?id=20027&hide1=2&Next=20&select1=*&rad1=dbegin=&mbegin=&ybegin=&dend=&mend=&yend=&rad2=MOF&idser=&wordser=%C7%E1%E3%D1%CA%CF
abgerufen am 13.09.2010

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