Nordkorea: Arbeitssklaven, Staatsterror, atomare Bedrohung

Experten beim IGFM-Pressegespräch: Joo Il Kim, aus Nordkorea geflohener Hauptmann der Volksarmee (Mitte) mit Prof. Dr. Matthias Zimmer, MdB (CDU), dem Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses des Bundestages (rechts im Bild) und Martin Lessenthin, IGFM-Vorstandssprecher.

Am 20. Juli 2017 veranstaltete die IGFM in Frankfurt am Main ein Pressegespräch zum Thema Nordkorea. Zu Gast war der ehemalige nordkoreanische Hauptmann Joo Il Kim, der sich seit seiner Flucht im Jahr 2005 für Menschenrechte in seiner Heimat einsetzt und dafür die Zeitschrift „FreeNK“ gründete. Weitere Gesprächspartner waren Prof. Dr. Matthias Zimmer, der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe sowie IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Durch die Abschottung des Landes ist es schwer, Einblicke in Nordkorea zu erhalten. Doch der geflohene Hauptmann Joo Il Kim konnte aus erster Hand über das nordkoreanische Schreckensregime unter Diktator Kim Jong-un berichten: Der Großteil der Bevölkerung leidet unter Mangelernährung und schlechten Lebensbedingungen. Selbst die Arbeit im Militär ist kein Garant dafür, genug Nahrung zu erhalten. Die Regierung terrorisiert die Bevölkerung, denn die geringsten Gründe können zu Inhaftierung in Lager führen, wo den Menschen Zwangsarbeit, Folter oder Hinrichtung drohen. 2005 wagte Joo Il Kim, der damals Hauptmann in der nordkoreanischen Armee war, die gefährliche Flucht über einen Fluss zur chinesischen Grenze.

In seiner neuen Heimat London setzt sich Joo Il Kim für die Menschenrechte in Nordkorea ein. Dazu gründete er die Zeitschrift „FreeNK“, die u.a. über die Situation in Nordkorea berichtet. Die Informationen dazu erhält er von Informanten in Nordkorea selbst sowie von anderen Exil-Nordkoreanern und deren Kontaktmännern. Zu seiner zurück geblieben Familie hat er seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr.

Erst nach seiner Flucht wurde im bewusst, dass die nordkoreanische Bevölkerung einer ständigen Gehirnwäsche unterzogen wird. Schon von klein auf sind die Menschen unter dem Einfluss der Propaganda des Regimes. Der Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten.

Nach Überzeugung Kims gibt es in Nordkorea keine Untergrundgemeinden. Selbst wenn Menschen bei dem gescheiterten Fluchtversuchen nach China Kontakt zu Missionaren hatten und danach in Nordkorea Christen werden oder in geschmuggelten Bibeln lesen, tun sie das im Verborgenen und für sich alleine. Joo Il Kim hält es für äußerst unwahrscheinlich, dass mit anderen über ihren Glauben reden – aus Angst und fehlenden Vertrauen und der nordkoreanischen Sozialisation.

Augenzeugenberichte von nordkoreanischen Flüchtlingen wie Joo Il Kim (2.v.l., zusammen mit seiner Übersetzerin Jewon Wang, links im Bild) sind wichtig für die Menschenrechtsarbeit. IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (2.v.r.) und Prof. Dr. Matthias Zimmer (rechts), MdB (CDU), berichteten über nordkoreanische Sklavenarbeiter.

Von großem Interesse war das Schicksal der nordkoreanischen Arbeitssklaven in der EU. In seiner Funktion als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Menschenrechte nimmt sich Prof. Dr. Matthias Zimmer, MdB (CDU), des Themas an. Um trotz der am Boden liegenden Planwirtschaft Devisen zu erwirtschaften, setzt Diktator Kim Jong-un nordkoreanische Arbeitssklaven im Ausland ein. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen – lange Arbeitszeiten ohne Urlaub und freie Tage, abgeschottet von der lokalen Bevölkerung – müssen Nordkoreaner beispielsweise in Bauprojekten, auf Werften oder in der Landwirtschaft schuften. Doch von ihrem kargen Lohn sehen sie nur etwa zehn Prozent, der Rest fließt in die Kassen des Regimes in der Heimat. Auch im EU-Land Polen und in Krakau, der polnischen Partnerstadt von Frankfurt am Main, werden solche Arbeitssklaven eingesetzt. Um die Situation zu verändern, schrieb Prof. Dr. Zimmer bereits Briefe an die polnische Regierung und den Bürgermeister von Krakau, die jedoch nicht zu Handlungen führten. Er appellierte, die Partnerschaft der beiden Städte zu nutzen, um weiter auf die Missstände aufmerksam zu machen.

Das Interesse der Journalisten war groß. Sie hatten die seltene Gelegenheit, Fragen an einen ehemaligen nordkoreanischen Offizier zu stellen.

Während des Gesprächs wurde auch auf den Fall des kürzlich verstorbenen US-Studenten Otto Warmbier eingegangen, der zuvor in Nordkorea wegen einer Bagatelle in Haft saß, sowie die nukleare Bedrohung, die von Nordkorea ausgeht. Ein wichtiges Thema war die Situation der nordkoreanischen Flüchtlinge, die in China im Untergrund leben müssen, da sie nicht anerkannt werden. Entdecken chinesische Behörden die Nordkoreaner, so werden sie zurück nach Nordkorea deportiert, wo ihnen Arbeitslager und Folter drohen. Chinesen, die Nordkoreaner Verraten, werden dafür von staatlicher Seite belohnt. Besonders für Frauen sei die Lage dramatisch, so Vorstandssprecher Martin Lessenthin, da sie auf der Flucht von Menschenhändlern aufgegriffen und in China dann zur Prostitution gezwungen oder als Ehefrauen verkauft würden.

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Die IGFM forderte, dass die Bundesregierung und die Europäische Union Chinas aktive Unterstützung des nordkoreanischen Regimes offen kritisieren müssen. Der Schlüssel liege in Peking, wenn die Regierung aufhöre, den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un zu unterstützen sowie geflohene Nordkoreaner auszuliefern, anstatt sie nach Südkorea in die Freiheit reisen zu lassen, gebe es Hoffnung auf Besserung. Zudem muss sich die EU weiter dafür einsetzen, dass keine nordkoreanischen Arbeitssklaven in europäischen Firmen mehr ausgebeutet werden.

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