Rechte sind auch Verpflichtung

Eröffnung durch Amtsgerichtsdirektor Mirko Schulte. Die Aula der Lahntalschule in Marburg-Biedenkopf war überfüllt. Über 120 interessierte Zuhörer waren zu der abendlichen Diskussionsveranstaltung am 18. Mai erschienen.

Die IGFM veranstaltete am 18. Mai 2016 zusammen mit dem Fliedner-Verein Butzbach e.V. eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem Thema „Verfassungsstaat und Menschenrechte in Zeiten von Krieg, Terror Flucht – Selbstverständlichkeit, Privileg, Verpflichtung?“ in der Aula der Lahntalschule in Marburg-Biedenkopf. 

Eingeladen waren die Mitglieder und Förderer der IGFM sowie juristisch und politisch interessierte Bürger aus der Region. Über 120 Gäste nahmen die Gelegenheit zum Anlass, sich mit diesem so wichtigen Thema auseinanderzusetzen. Neben zahlreichen Mitgliedern des Fliedner-Verein Butzbach e.V. waren u.a. auch zwei Klassen der Lahntalschule anwesend. Es zeigte sich, dass die Schüler hoch interessiert waren und sich für dieses Thema einsetzen möchten. Referent war der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Heck, der sich bereits im Rahmen des IGFM-Patenschafts-Programms erfolgreich für die Freilassung des iranischen Pastor Saeed Abedini engagiert hatte. Abedini war als politischer Gefangener letztes Jahr nach über drei Jahren Haft freigekommen. Außerdem sprach Houshang Asadi, Autor, Journalist und Opfer der iranischen Willkürjustiz. Die Moderation der Veranstaltung lag in den Händen von Birgit Heimrich, Lokalredakteurin der Hinterländer Anzeigers.

Das Grundgesetz als verbindliches Prinzip 

Krieg, Terror und massenhafte Flucht und Vertreibung in der Welt rufen uns Deutschen derzeit ins Bewusstsein, dass Verfolgung, Folter und Todesstrafe im Willkürstaat der Nationalsozialisten, aber auch bis zum Fall der Mauer in der DDR, zur Tagesordnung gehörten. Mit der aktuellen Flüchtlingswelle werden wir daran erinnert, dass Frieden und Freiheit in einem Staat keine Selbstverständlichkeit sind. Hinter Jahrzehnten Frieden in Deutschland steht ein Grundgesetz, das die Menschenwürde, die Freiheit des Einzelnen und den Schutz vor staatlicher Verfolgung garantiert. Wir erfahren, dass das, was für uns selbstverständlich Deutschland ausmacht, nur deshalb funktioniert, weil unsere Verfassung als verbindliches Prinzip über jeder Ideologie und Religion steht. Und weil sie von jedem erwartet, sich an die Spielregeln für das Miteinander zu halten und unsere Verfassung zu leben – egal wie lange man bereits in unserem Land ist.

Menschenrechte sind universell gültig

Dieses Grundgesetz zu leben, es durchzusetzen und zu verteidigen, setzt Ehrlichkeit und Klarheit voraus – mit sich selbst und anderen. Dazu gehört, dass Grund- und Menschenrechte nur komplett, universell und ausnahmslos für jeden gelten. Genauso verlangt unsere Verfassung aber von jedem Besonnenheit und Klugheit, Respekt, Reflektiertheit und Verantwortung für dasjenige, was hinter ihrem Schutz steht. Sie fordert beständigen Einsatz für Menschenrechte, die als wichtigste gemeinsame Idee der Menschheit keine Grenzen kennen und für das friedliche Leben der Völker überlebenswichtig sind. Warum aber ist das nicht überall selbstverständlich? 

Zum Thema referierten:

Mirko Schulte, Direktor des Amtsgerichts Biedenkopf, Marburg

Herr Schulte ist Vorsitzender des Fliedner-Vereins Butzbach e.V. und führte in die Veranstaltung ein.

Dr. Stefan Heck, MdB der CDU, Marburg

Welche Staaten verurteilen ihre Bürger zur Todesstrafe und vollstrecken diese unnachgiebig? Mit welchen Mitteln setzen sich der Bundestag und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland dort für die Abschaffung der Todesstrafe und für Menschenrechte ein?

Houshang Asadi, Autor, Journalist und Opfer der iranischen Willkürjustiz, Teheran/Paris

Wie fühlt es sich an, als normaler Bürger und Journalist für seine Meinung und berufliche
Arbeit zum Tode verurteilt, ins Gefängnis geworfen und dort jahrelang gefoltert zu werden
– mit der täglichen Aussicht, dort zu sterben?

[Interview mit Houshang Asadi…]
[zu Menschenrechten im Iran…]

Todesstrafe und Menschenrechte

Der Bundestagsabgeordnete Stefan Heck referierte über „Todesstrafe und Menschenrechte“. Heck erläuterte, welche Staaten überhaupt Menschen zum Tode verurteilen und die Todesstrafe dann auch vollstrecken. Darüber hinaus erklärte er, wie sich der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung in diesen Ländern für die Abschaffung der Todesstrafe und für die Menschenrechte einsetzen.

Die tägliche Aussicht, zu sterben

Nachdem Heck die theoretischen Grundlagen für den weiteren Abend gelegt hatte, sprach Houshang Asadi über sein Leben in Unfreiheit in seinem Heimatland Iran. Wie fühlt es sich an, als normaler Bürger und Journalist für seine Meinung und berufliche Arbeit zum Tode verurteilt, ins Gefängnis geworfen und dort jahrelang gefoltert zu werden – mit der täglichen Aussicht, dort zu sterben? Asadi, der Folter am eigenen Leib erfahren musste, antwortete auf diese Fragen und hinterließ hierbei einen bleibenden Eindruck bei den gespannten Zuhörern.

Diskussion als Mehrwert für alle Beteiligten

Anschließend fand eine von der Journalistin Birgit Heimrich moderierte Diskussionsrunde statt, in der das Publikum die Möglichkeit hatte, Heck und Asadi Fragen zu stellen. Hieraus entwickelte sich ein lebhafter und spannender Austausch. Viele neue Erkenntnisse und interessante Schlüsse konnten gezogen werden. Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung, fanden sich noch viele Gäste aus dem Publikum am IGFM-Infostand ein, um sich an der Menschenrechtsarbeit der IGFM durch Unterschriften, Spenden und Informationsaustausch zu beteiligen.

Amon Polierer

 

 

 

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