V. l. n. r.: Sabri Alkan, Stellvertretender Vorsitzender der ADO (Assyrisch Demokratischen Organisation), Süleyman Ates, Alevit und Beauftragter für Bildung und Wiederaufbau in Nordsyrien, Kamal Sido, Nahost-Referent der GfbV, Adnan Hassan, Sprecher des „Rat der syrischen Jesiden“, Vasilis Pavegos vom Bundesverband der Griechischen Gemeinden (OEK) und Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Pressekonferenz: "Hilfe für Erdogans Opfer "

Am 1. Februar 2018 veranstaltete die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) eine Pressekonferenz in Frankfurt. Thema war der türkische Angriff auf Afrin und die Folgen für die rund 800.000 Zivilisten.

Nachfolgend veröffentlicht die IGFM einen Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd).

Frankfurt a.M. (epd). Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach Auffassung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) «einen angeblichen Verteidigungsfall inszeniert, um in der nordsyrischen Region Afrin einen Angriffskrieg zu führen». Ziel von Erdogan sei die «totale Kontrolle der Kurden» sowie die Ausschaltung der Selbstverwaltung verschiedener Ethnien und religiöser Minderheiten, sagte der IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Der Beschuss der türkischen Stadt Reyhanli sei nicht, wie von Erdogan behauptet, vom Territorium Afrins erfolgt, sagte Lessenthin. Dies hätten sogar Abgeordnete im türkischen Parlament erklärt. Auch die behauptete Präsens von IS-Kämpfern in Afrin sei «Fake News à la Erdogan». «Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis, ein Angriffskrieg verletzt den Bündnischarakter», betonte Lessenthin.

«Indem die Bundesregierung und die EU-Partner den völkerrechtswidrigen Angriffscharakter des Einmarsches vom 20. Januar ignorieren, billigen sie die Aggression Erdogans», kritisierte Lessenthin. Sie machten damit den Weg frei für die «massenhafte Vernichtung von Kurden und anderen Minderheiten» und entfesselten neue Flüchtlingsströme, die auch Europa erreichen werden.

Kamal Sido, Nahost-Referent der «Gesellschaft für bedrohte Völker» in Göttingen, verlangte den sofortigen Stopp der türkischen Luftangriffe auf den kurdisch-syrischen Kanton Afrin, der in etwa so groß ist wie das Saarland. Außerdem appellierte er an die Bundesregierung, keine Waffen mehr an die «radikalisierte» türkische Armee zu liefern.

In Afrin hätten vor dem 20. Januar rund 800.000 Menschen gelebt, darunter 20.000 bis 30.000 Jesiden und 20.000 Aleviten. Seit Beginn der türkischen Offensive seien rund 70 Zivilisten getötet und Hunderte Menschen verletzt worden. Das Krankenhaus in Afrin sei bereits hoffnungslos überlastet, sagte Sido.

Nach den Worten von Adnan Hassan vom «Rat der syrischen Jesiden» in Köln sind seine Glaubensgeschwister in den Grenzregionen Afrins eingekesselt zwischen islamistischen Kämpfern der Freien Syrischen Armee, die in der Stadt Idlib Zuflucht gefunden hätten, und der türkischen Armee. Er könne nicht verstehen, warum die Völkergemeinschaft der Aggression tatenlos zuschaue.

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin beim Interview mit Holger Siefert vom Hessischen Rundfunk.

Der Alevit Süleyman Ates, Beauftragter für Bildung und Wiederaufbau in Nordsyrien, appellierte an Nicht-Regierungsorganisationen, Gewerkschaften und Menschen guten Willens, gegen den Krieg in Afrin auf die Straße zu gehen wie vor 50 Jahren gegen den Vietnam-Krieg. Der Bundesregierung traue er nicht mehr zu, den Nato-Bündnispartner Türkei von seinem Weg abzubringen.

Vasilis Pavegos vom Bundesverband der Griechischen Gemeinden in Köln verwies auf den «langen Arm des türkischen Staates in Deutschland». Organisationen wie die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (ditib) und die Union Europäisch-Türkischer Demokraten, die als Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP gilt, agierten in Deutschland im Sinne Erdogans.

(1.2.18)

In einem waren sich alle Gesprächspartner einig: Der von der türkischen Armee begonnene Angriffskrieg ist völkerrechtswidrig und eine "humanitäre Katastrophe für die Bevölkerung".
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