Frauen- und Kinderrechtsverletzungen in Nordkorea
Frankfurt am Main, 20. Januar 2020 – Die in Südkorea ansässige Menschenrechtsorganisation PSCORE engagiert sich für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und für Flüchtlinge aus dem totalitären Staat. IGFM-Mitarbeiterin Dooyoung Kim sprach mit Bada Nam, Generalsekretär von PSCORE (People for Successful COrean REunification), über die Situation von Frauen und Kindern in Nordkorea.
1. Was sind Ihrer Meinung nach einige der größten Hindernisse, wenn es um die Förderung der nordkoreanischen Kinder- und Frauenrechte geht?
Während der Sitzungen der „Universal Periodic Review“, des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen und anderer Konferenzen zum Thema Menschenrechte hat die nordkoreanische Regierung immer wieder behauptet, dass sie aktiv an der Verbesserung der Rechte von Frauen und Kindern arbeitet und dass ihre Rechte garantiert sind. Sie lügen in gewissem Maße, aber das größere Problem ist, dass die nordkoreanische Regierung wirklich davon überzeugt ist, dass die Situation der Frauen- und Kinderrechte nicht ernst ist und dass sie vorgibt, dass diese Rechte geschützt werden. Das zeigt deutlich, dass das öffentliche Bewusstsein für die Menschenrechte, insbesondere für die Rechte der Frauen und Kinder, in Nordkorea minimal ist.
Als zum Beispiel die Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes ins Nordkoreanische übersetzt werden musste, war es am schwierigsten, bestimmte Grundbegriffe wie „Kindesmissbrauch“ zu erklären, da diese Begriffe in der nordkoreanischen Sprache nicht existieren. Daher erfordert die Übersetzung dieser Begriffe für Nordkorea viele Erklärungen. Dies ist ein wirksamer Beweis für Nordkoreas geringes Bewusstsein für elementare Menschenrechte. Das erklärt, warum die Bemühungen, die die nordkoreanische Regierung angeblich unternimmt, unangemessen erscheinen.
Der gesellschaftliche Status von Frauen und Kindern in Nordkorea ist aufgrund der hierarchischen Gesellschaft und der Militärkultur des Landes sehr niedrig. Wenn Frauen und Kinder versuchen, ihre Stimme zu erheben und Bedenken über ihre Rechte zu äußern, werden sie entweder unbeantwortet gelassen oder abgelehnt. Das entmutigt sie, ihre Stimme zu erheben. Das ist die Wurzel des Problems.
2. Was denken Sie über die nordkoreanischen Flüchtlinge und die Verletzung ihrer Menschenrechte, mit denen sie in China konfrontiert sind?
Zahlreiche nordkoreanische Frauen werden nach China verschleppt. Einige Frauen sind sich sogar darüber bewusst, dass sie gehandelt oder verkauft werden, aber sie nehmen es in Kauf, da sie glauben, dass es immer noch besser ist, als in Nordkorea zu leben. Dies ist eines der Beispiele, die zeigen, wie schlimm die Lebens- und Menschenrechtsbedingungen in Nordkorea sind.
Menschenhändler in China nutzen die Verzweiflung und Verletzlichkeit dieser Frauen aus, was auch auf die Menschenrechtsverletzungen in China hinweist. Im vergangenen Jahr half PSCORE nordkoreanischen Flüchtlingen, die verhaftet und in chinesischen Gefängnissen inhaftiert waren, und organisierte Kampagnen, um das internationale Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen. Aber nordkoreanischen Flüchtlingen bei der Flucht und der Ansiedlung in anderen Ländern zu helfen, ist sehr schwierig, da es keine festen Regeln gibt, wie man ihnen erfolgreich helfen kann. Jeder Fall ist anders und hängt sehr von Zufällen ab. Auf jeden Fall hat PSCORE konsequent in diesem Bereich gearbeitet, und wir werden dies auch weiterhin tun.
3. Das Hauptziel von PSCORE ist die erfolgreiche Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea. Wie sind die Menschenrechte mit der erfolgreichen Wiedervereinigung verknüpft?
Wiedervereinigung wird in Korea sehr unterschiedlich definiert. Das gilt besonders für die Sichtweise der Regierungen und ihrer Bürger. In Südkorea konzentriert man sich vor allem auf die politischen und wirtschaftlichen Vorteile, die durch die Wiedervereinigung entstehen können. Sie sprechen über die Verwendung oder den Handel mit Seltenen Erden aus Nordkorea, den Bau von Eisenbahnen zwischen den beiden Ländern oder darüber, wie die Wiedervereinigung Korea zu einem stärkeren und reicheren Land machen wird. Aber wenn ich mit den nordkoreanischen Flüchtlingen spreche, die sich in Südkorea niedergelassen haben, stimmen sie nicht unbedingt mit diesen Ideen überein.
Wir von PSCORE, glauben, dass die erfolgreiche Wiedervereinigung diejenige ist, die die Priorität auf den Schutz der Menschenrechte setzt. Die politischen Konfliktlösungen oder wirtschaftlichen Vorteile sind auch wichtig, aber auf die Wiedervereinigung hinzuarbeiten und dabei nur wirtschaftliche Aspekte zu priorisieren, wird bei Missachtung von Menschenrechtsfragen später zu ernsthaften Konsequenzen führen.
4. Die südkoreanische Regierung bemüht sich ständig, die innerkoreanischen Beziehungen zu verbessern. Der nordkoreanischen Regierung gegenüber bleiben die Menschenrechtsprobleme jedoch unerwähnt. Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?
Die Menschenrechte sollen im Wesentlichen auf allen Ebenen gestärkt werden, weshalb der Begriff selbst immer im Plural vorkommt. Deshalb ist es wichtig, dass alle Menschenrechte gemeinsam gefördert werden. Die derzeitige Situation ist jedoch politisch kompliziert. Die nordkoreanische Regierung blockiert grundsätzlich, wenn Menschenrechtsfragen auf den Tisch kommen. Ich verstehe daher, warum sich die südkoreanische Regierung eher auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Verbesserungen in Nordkorea konzentriert, ohne jemals die Notwendigkeit zu erwähnen, die politischen und bürgerlichen Rechte der nordkoreanischen Bürger zu fördern. Dies sollte mit dem Kernziel der Förderung und Gewährleistung aller Menschenrechte geschehen.
Die nordkoreanische Regierung ist letztendlich dafür verantwortlich, auf diese Bedenken zu reagieren, aber die südkoreanische Regierung sollte über Menschenrechtsverletzungen sprechen und mehr Anstrengungen zur Förderung der Menschenrechte in Nordkorea unternehmen.
5. Welche Empfehlungen haben Sie für die internationale Gemeinschaft, um die Rechte von Frauen und Kindern in Nordkorea zu fördern und zu schützen?
Ein größerer Informationsfluss sowie Verbindungen mit der Außenwelt sind der Schlüssel zur Förderung und zum Schutz der Rechte von Frauen und Kindern in Nordkorea. Die nordkoreanische Gesellschaft ist aufgrund ihrer Militarisierung und der langjährigen Propaganda der Regierung seit langem gewalttätig. Dies verschlimmert die Verletzungen der Frauen- und Kinderrechte, da sie die verletzlichsten Teile der Bevölkerung ausmachen.
Die Situation hat sich in letzter Zeit verändert. Südkoreanische Spielfilme und Fernsehserien wurden illegal nach Nordkorea gebracht. Nordkoreaner können daher sehen, wie Frauen in anderen Ländern behandelt werden. Außerdem hatten die meisten Eltern früher 5 bis 8 Kinder, aber heute entscheiden sie sich vor allem wegen der finanziellen Schwierigkeiten für lediglich 1 oder 2 Kinder. Dementsprechend erhält jedes Kind mehr Betreuung und Aufmerksamkeit als früher. Im Falle von Streitigkeiten versuchte man, sich auf eine finanzielle Entschädigung für eventuelle Schäden zu einigen, was zu einer geringeren Anzahl von Gewalt in der Gesellschaft führte. Südkorea hat diese Phase bereits vor 20 bis 30 Jahren durchlaufen.
Daher ist es wichtig, dass die internationale Gemeinschaft den Zustrom von Informationen fördert und erleichtert, die entscheidend dazu beitragen, dass die nordkoreanische Öffentlichkeit einen Einblick in die Außenwelt erhält und zu sozialen Verbesserungen führt.

Links: Bada Nam, Generalsekretär von PSCORE
Rechts: Dooyoung Kim, Forschungs- und Kommunikationspraktikantin der IGFM