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Warum gerade Menschenrechtlern helfen?

Wang Wanxing (l.) ist ein Aktivist der chinesischen Demokratiebewegung. Aus diesem Grund hielt ihn die Volksrepublik China 13 Jahre lang in einer „psychiatrischen Anstalt“ der Polizei gefangen. Die Begründung der chinesischen Staatssicherheit: Wer eine andere Meinung als die kommunistische Partei hat, der muss psychisch krank sein. Wang kam nach langem Einsatz der IGFM und anderer frei. Ohne mutige Menschen wie ihn, gäbe es keinen Wandel. Ohne Hilfe von außen, würden er und viele andere weiterhin willkürlich gefangen und misshandelt.

Warum gerade Menschenrechtlern helfen?

Ohne Menschenrechtler keine Menschenrechte

Damit Verbesserungen möglich sind, müssen Menschen den Mut finden, Missstände öffentlich zu machen, Unrecht anzuprangern und für Freiheit, Toleranz und Gleichberechtigung einzustehen. Die persönlichen Kosten für diese Arbeit sind oft sehr hoch. Diktatorische und korrupte Regime geben ihre Allmacht und ihre Pfründe nicht freiwillig ab. Menschen, die für Meinungs- und Informationsfreiheit, für Rechtsstaatlichkeit, freie Gewerkschaften und gegen Korruption arbeiten sind daher Zielscheibe für staatliche Repressalien, willkürliche Haft, Folter und „Verschwinden“. Damit es Rechte für alle gibt, muss es Menschen geben, die den Mut haben, dieses Risiko auf sich zu nehmen. Ohne sie geht es nicht.

Menschenrechte sind die Voraussetzung für (fast) jede positive Entwicklung

Wichtiger als die Freiheitsrechte und Rechtsstaatlichkeit sind Frieden und der Kampf gegen den Hunger? Fehlende Menschenrechte sind gerade der Grund für Bürgerkriege und Hunger! Zerstörungen, Morde und das Flüchtlingsdrama in Syrien und dem Irak haben ihre Ursache darin, dass die Gruppen, die an der Macht sind oder um sie kämpfen, nicht bereit sind, die Rechte anderer Gruppen zu respektieren. Hunger, fehlende Entwicklung und Perspektivlosigkeit liegt in der Regel weniger an Naturkatastrophen, sondern an nicht funktionierenden Staaten. Durch die Missachtung grundlegender Menschenrechte bereichern sich kleine Gruppen – auf Kosten vieler.

Wo wären wir ohne Menschenrechtler?

Schlechter wird es ganz von allein, dafür braucht sich niemand anzustrengen. Wer Rechte nicht einfordert, oder niemanden hat, der sie für ihn einfordert, der bekommt sie auch nicht. Vorhandene Rechte werden schleichend abgebaut – wenn sie nicht eingefordert werden. Der Gedanke, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, erscheint uns heute selbstverständlich obwohl über Jahrhunderte die Mehrheit der Deutschen Leibeigene waren. Dass wir heute frei sind, danken wir denen, die sich unter großen Risiken für die Menschenrechte eingesetzt haben (zumindest sollten wir das). Aber auch heute wird Millionen Menschen unsere Freiheit verweigert. Zum Beispiel weil sie Frauen sind. Oder weil sie der falschen Religion (oder gar keiner) angehören. Andere haben für unsere Rechte gekämpft. Jetzt ist es an uns, anderen zu helfen.

Die Vergangenheit zeigt: Der Einsatz lohnt

Die IGFM setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1972 für Menschenrechtler ein. Viele von ihnen kamen mit Hilfe der IGFM frei. Sie berichteten der IGFM über ihre Erlebnisse: Die meisten waren und sind sich sicher, dass internationale Aufmerksamkeit ihre wichtigste, wenn nicht einzige Lebensversicherung war. Der einzige oder wichtigste Grund, warum sie nicht (weiter) gefoltert wurden und warum sie letztlich am Leben und frei sind. Für jeden einzelnen Menschen, der nicht mehr gefoltert wird, lohnt sich die Mühe!

Langfristig lohnt sich der Einsatz noch mehr – durch die Veränderung von Gesellschaften und Staaten. Die europäischen Demokratien sind das beste Beispiel dafür. Motor dieser Veränderungen waren letztlich immer Menschen, die ihre Furcht überwunden haben: Menschenrechtler.

Menschenrechtler geben ihren Landsleuten Mut – und schaffen so die Voraussetzung für Wandel

Der vielleicht wichtigste Faktor für das Weiterbestehen von Diktaturen ist ein gesellschaftliches Klima, dass ein Wandel gar nicht möglich ist, dass jeder Einsatz für Freiheit und positive Veränderung gar nicht lohnt. Es würde „doch nichts bringen“, jede Hoffnung sei „unrealistisch“, wer für Veränderungen eintrete habe „keine Chance“. Um das zu erhalten, sind Intransparenz, fehlende Rechtsstaatlichkeit, Willkür und Korruption gewollte und notwendige Bestandteile diktatorischer Systeme. Und? Stimmt es, dass es keine Chance auf Wandel gibt? Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dass selbst Regime, die als „absolut“ stabil galten nur scheinbar stabil waren. Der Weg zu positiven Veränderungen ist lang und sehr mühsam. Aber er lohnt. Und er kann zum Erfolg führen, wenn es Menschen gibt, die die bleierne Hoffnungslosigkeit überwinden.

Menschenrechtler können als Einzelpersonen sehr viel bewirken

Sehr oft sind es einzelne, denen es gelingt, Informationen über Menschrechtsverbrechen oder Korruption ans Tageslicht zu bringen. Und einzelne, die durch ihren Mut zu Symbolfiguren werden, andere begeistern und zum Nachdenken bringen. Andere sind weniger bekannt, aber dennoch ist ihre Arbeit sehr wirkungsvoll. Die Islamische Republik Iran versucht z. B. mit sehr großem Aufwand, die eigenen Bürger von unabhängigen Informationen abzuschneiden. Aber einer kleinen Zahl von Iranern gelingt es trotzdem, ihren Landsleuten zu helfen, freien Zugang zum Internet zu bekommen. Ein einzelner Mensch kann mehr erreichen als viele es für möglich halten.

2019-01-25T09:47:52+01:00Freitag, November 30, 2018|