FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 3 – April 2026
Libanon: Solidarität mit den Schwächsten in Zeiten des Krieges

Rosalie (in der Mitte) neben Penelope Boujaoude rechts und ihrer Schwester Rose-Mary; Foto: M. Koller
Die Angst vor der Zukunft ist nun in den einst mehrheitlich christlichen und prosperierenden Libanon zurückgekehrt. „Wir mussten wegen des Krieges unsere Wohnung verlassen, können aber hoffen, dass wir nur vorübergehend woanders Schutz suchen müssen. Viele Familien sind in Sammelunterkünften untergebracht; wiederum andere – insbesondere aus dem Süden – müssen befürchten, dass sie ihr Haus nie wieder sehen und am Ende vor dem Nichts stehen“, schreibt Penelope Boujaoude von der Partnerorganisation der IGFM im Libanon, Flamme de Charité, via Kurznachrichtendienst WhatsApp. Nur wenige Tage vor Ausbruch des Krieges war die IGFM noch zu Besuch bei Boujaoude und ihrem Team. „Wir waren so froh darüber, Euch nach allem wieder hier zu Besuch zu haben. Ganz lieben Dank. Unseren Familien gibt dies Hoffnung“, schrieb sie zum Abschied.
Die im Jahr 2020 gegründete Wohltätigkeitsorganisation „Flamme de Charité“ hilft rund 200 notleidenden christlichen Familien mit Zuschüssen für die Miete oder Medizin, mit Gutscheinen für den alltäglichen Bedarf oder Ausbildungsförderung. Gerade von den Christen sind fast nur noch die Verletzlichsten geblieben, die in den politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen ihre Lebensgrundlage verloren haben und durch kein soziales Netz und durch keine ausländische Macht aufgefangen werden. Viele von ihnen fühlen sich den Machenschaften der vom Iran gesteuerten Terrororganisation Hisbollah ausgeliefert. Im Jahr 2025 wurde zwar die politische Talsohle gerade durchschritten: Dem Waffenstillstand im November 2024 folgte im Frühjahr darauf nach über zweijähriger Blockade endlich die Ernennung einer reformorientierten Regierung aus Technokraten und Experten durch den christlichen Präsidenten Joseph Aoun. Aber bei unserem Besuch deutete sich aber das neuerliche Unheil bereits an.
Auf dem Weg zu einigen Familien, die unsere Partnerorganisation unterstützt, hatte sich ein Mega-Stau in der Hauptstadt Beirut gebildet: Wagenkolonnen rollten aus den von der Hisbollah kontrollierten Gebieten im Süden des Zedernstaates an. Wir erreichten endlich die Wohnung von Caroline C. in Viertel Bourj Hammoud. Die Christin versorgt mit einem spärlichen Einkommen zwei intensiv pflegebedürftige Töchter, die wegen schweren erblichen Stoffwechselstörungen (Mitochondrienerkrankungen) nicht sprechen können und die meiste Zeit auf den Rollstuhl angewiesen sind. Als wir Besucher in der Tür erscheinen, ist die Freude groß. Die jüngste Tochter juchzt laut auf und greift an die Haare und Taschen, um die Gäste ganz nah an sich heranzuziehen. Durch Penelope Boujaoude erfahren wir: „Als Fahrer verdiente der Vater bislang monatlich das, was die Familie an Medikamenten verbrauchte. Jetzt ist auch noch sein Auto defekt.“ Flamme de Charité hilft ihr bislang durch Zuschüsse für die Miete und Übernahme von Auslagen für die Schule.
Wir besuchten auch die sechsjährige Rosalie und ihre Familie. Vermittelt durch Flamme de Charité und gefördert durch die IGFM begleitet sie derzeit ein Rechtsanwalt durch ein kompliziertes Verfahren, um nachträglich noch einen Kinderausweis zu erhalten. Weil Ihre Eltern derart mit der Sicherung ihres Lebensunterhalts beschäftigt waren, hatten sie ihre behördliche Registrierung zur rechten Zeit versäumt. Sie hat aber ein Recht auf einen Ausweis. Die Staaten, die wie der Libanon der UN-Kinderrechtskonvention beigetreten sind, haben sich in Artikel 7 verpflichtet, für die Registrierung jedes Kindes bei Geburt zu sorgen. Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel Geburtskliniken zur Benachrichtigung der Behörden bzw. zur Ausstellung einer Geburtsbescheinigung angehalten werden. Nach der Sechsjährigen hat bis dato kein Amt gesucht. Ohne offizielle Papiere kann sie aber später keinen Schulabschluss machen. „Die Familie ist zuversichtlich“, fasst Penelope Boujaoude das Gespräch zusammen.
Die IGFM möchte Flamme de Charité ermöglichen, gerade jetzt kurzfristig den Notleidenden helfen zu können und für den Fall von weiteren Evakuierungen gewappnet zu sein. In den Tagen vor Redaktionsschluss kam es bereits im Viertel von Caroline C. zu einem Drohnenangriff. Wir bitten um Ihre Großzügigkeit.
Dieser Artikel wurde publiziert in der April 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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