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Öffentliche Massenhinrichtungen in Nordkorea

Öffentliche Massenhinrichtungen in Nordkorea

Öffentlichen Hinrichtung, gezeichnet von einem nordkoreanischen Flüchtling.

Mitte November 2013 eilte die Nachricht um die Welt, dass 10.000 Menschen – darunter auch Kinder – gezwungen wurden, in einem Stadion mehrere Hinrichtungen mit anzusehen. Das kommunistische Regime Nordkoreas vollstreckte diese öffentlichen Hinrichtungen am 3. November in der Hafenstadt Wonsan an der Ostküste des Landes. Soweit bekannt wurden zur selben Zeit in sieben Städten in verschiedenen Regionen Nordkoreas insgesamt 80 Menschen erschossen. Zeugen berichteten, dass die Verurteilten mit verhülltem Kopf an Stangen gefesselt und dann mit Sturmgewehren beschossen wurden, „bis ihre Überreste kaum noch zu identifizieren waren“.

Die Hingerichteten wurden zum größten Teil wegen Delikten wie der angeblichen Herstellung von Pornographie oder dem Besitz südkoreanischer Unterhaltungsvideos zum Tode verurteilt. Einige waren der „Prostitution“ angeklagt. Nach Angabe nordkoreanischer Flüchtlinge sei dies oft eine Umschreibung dafür, dass die Angeklagten Landsleuten zur Flucht nach China verholfen hätten.

 

Neue Härte?

Hinrichtungen in Stadien sind selbst in Nordkorea ungewöhnlich – öffentliche Hinrichtungen sind es nicht! Ehemalige Häftlinge und Wärter berichten übereinstimmend, dass in den Arbeitslagern Nordkoreas Hinrichtungen vor den angetretenen Häftlingen alltäglich sind. Auch außerhalb der Lager sind schon früher Menschen öffentlich erschossen worden. Detaillierte Informationen dringen aber meistens erst nach einiger Zeit ins Ausland. Im Internet kursieren Videoaufnahmen von der Hinrichtung eines nach Nordkorea abgeschobenen Flüchtlings aus dem Jahr 2005. Ansonsten fehlen Fotos und Filmdokumente (fast) völlig. In dem durch jahrelange Plan- und Misswirtschaft völlig verarmten Land sind Digital- und Handykameras eine Seltenheit. Zugang zum Internet, um Bilder verschicken zu können, hat ohnehin fast niemand.

Es ist zu vermuten, dass die Hinrichtungsorte nicht zufällig gewählt wurden. Es fällt auf, dass weder in der Hauptstadt Pjöngjang mit ihren ausländischen Besuchern noch in Kaesong, wo eine Sonderwirtschaftszone ausländische Investoren locken soll, Hinrichtungen stattfanden. Offenbar ist dem nordkoreanischen Regime die Wirkung derartiger Maßnahmen auf westliche Ausländer wohl bewusst. Diejenigen Hinrichtungsorte, die bekannt sind, sind gleichzeitig Standort von Projekten, mit denen das Regime hofft, Devisen zu erwirtschaften. Die Vermutung liegt nahe, dass die harten Maßnahmen dazu dienen sollen, den eigenen Untertanen Angst einzuflößen und jede Art von ungefilterter Information oder jeden Eindruck aus anderen Ländern von ihnen fernzuhalten – denn bisher hat selbst die paranoide Abschottung des Landes nicht verhindern können, dass ausländische, vor allem südkoreanische Fernsehsendungen in Nordkorea Verbreitung fanden.

Ausländische Unterhaltungsfilme untergraben die Wirksamkeit der heimischen Propaganda, die behauptet, die unterdrückten und hungernden Nordkoreaner befänden sich in einem sozialistischen Paradies auf Erden. Der destabilisierende Einfluss solcher Filme muss daher von den Machthabern in Pjöngjang gefürchtet werden. Diese Furcht erklärt auch den im September 2013 erteilten Befehl, die Kinder im Ausland tätiger Nordkoreaner hätten in ihr Heimatland zurückzukehren: Dort nämlich sind sie den ihre Loyalität zersetzenden Einflüssen des Westens nicht mehr ausgesetzt und dienen gleichzeitig als Geisel, um Loyalität und Rückkehr der Eltern zu garantieren.