FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 8 – September 2025
Syrien – Religiöse Minderheiten weiterhin bedroht

Den Ärmsten helfen – Solidarität zeigen
Es ist ein Schicksal inmitten eines von Krieg und Terror erschütterten Landes: Der elfjährige syrische Schüler Jamal D. hat in seinem zarten Alter schon öfter Einschneidendes erlebt, darunter mehrfach Binnenflucht und schwere Erkrankungen seiner Eltern: „Die Familie geriet zeitweise in extreme Armut. Dabei hatte für die christlichen Eheleute alles hoffnungsvoll angefangen: Die Frau studierte noch Jura, als sie heirateten. Kriegsbedingt musste sie das Studium abbrechen. Trotz dieser Widrigkeiten hielt die Familie durch.“ Dies berichtet der Mitbegründer der Blauen Maristen aus dem syrischen Aleppo, der Arzt Dr. Nabil Antaki, in einer E-Mail an die IGFM.
Mit letzter Kraft betreute die krebskranke Mutter ihre Kinder beim Lernen, die sich nach jeder Vertreibung neu in den Schulstoff einarbeiten mussten. Schließlich halfen die Blauen Maristen Jamal D. und seinen Geschwistern im Rahmen ihres Bildungsprojekts mit speziellem Nachhilfeunterricht, und sie erzielten hervorragende schulische Leistungen. „Heute sind sie ein Beweis für die transformative Kraft der Bildungsförderung, die Menschen befähigt, selbst angesichts der größten Herausforderungen erfolgreich zu sein“, berichtet Dr. Antaki weiter.
Die Blauen Maristen sind eine humanitär engagierte Gruppe im syrischen Aleppo, bestehend aus katholischen Ordensbrüdern und ihnen verbundenen Laien. Kurz nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien 2011 kam die Zusammenarbeit mit der IGFM durch gemeinsame Freunde zustande. Die Initiative unterhält Nothilfe-, Bildungs- und Entwicklungsprojekte, etwa um bedürftige Familien mit Milchpulver für ihre Säuglinge zu versorgen, oder betagten und kranken Menschen mit Medikamenten und einer warmen Mahlzeit am Tag beizustehen.
Die Sicherheitslage ist insbesondere für Angehörige religiöser Minderheiten beunruhigend: Im März 2025, drei Monate nach Übernahme der Macht durch Dschihad-Rebellen unter der Führung der Hay‘at Tahrir al-Sham (Komitee zur Befreiung der Levante), kam es zu ersten Massakern an der Küste Syriens, denen Hunderte Alawiten zum Opfer fielen. Am 22. Juni 2025 richtete sich eine islamistische Gruppe gegen die Christen: Mindestens 22 Menschen kamen bei einem Terrorangriff auf die Mar-Elias-Kirche in Damaskus ums Leben. „Die Christen leben nun in großer Angst und fragen sich, ob diesem Anschlag nicht weitere in anderen Städten des Landes folgen werden“, schrieb Antaki kurz nach der Bluttat an die IGFM. Am 15. Juli erschossen Mitglieder der Syrischen Streitkräfte drusische Zivilisten in der Provinzhauptstadt as-Suwaida – angeblich, um in Auseinandersetzungen mit Beduinen einzugreifen.
Anfängliche Befürchtungen wurden auf diese Weise zur grausamen Wirklichkeit. Die IGFM möchte Angehörigen der religiösen Minderheiten in Syrien, insbesondere der großen Zahl von Christen zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Die Blauen Maristen kennen mehr als 100 Schulkinder wie Jamal, denen schon mit 100 Euro für ein Jahr zur Fortsetzung ihrer Schulbildung geholfen werden kann. Wir bitten um ihre Unterstützung.
Dieser Artikel wurde publiziert in der September 2025-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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