Unrecht schützt Unrecht

Die Rechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony setzt sich vor Gericht für Blasphemie-Opfer und deren Familien ein, die vor radikalem Mob versteckt und geschützt werden müssen. Bildrechte: IGFM
Vorwurf der Blasphemie – die scharfe Waffe der radikalen Islamisten
„Ich setze mich als Anwältin vor Gericht für Blasphemie-Opfer ein und mit der VOICE-Society für deren Familien, die vor radikalem Mob versteckt und geschützt werden müssen. Ich sehe mich jeden Tag damit konfrontiert, dass Angehörige religiöser Minderheiten in Pakistan verfolgt, verletzt, getötet, sabotiert, verkauft und misshandelt werden, und ich versuche zu helfen. Das ist meine Arbeit, mein Leben. Doch wie lange lässt man mich noch leben, um helfen zu können?“ Rechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony, IGFM-Jahresversammlung, März 2020
„In meinem Land Pakistan habe ich nie wirklich eine Heimat gefunden, denn Pakistan hat seinen Minderheiten nie das Gefühl der Zugehörigkeit gegeben, der Sicherheit und einer vielversprechenden Zukunft unserer Kinder. Zuhause haben meine Familie und meine Mitarbeiter kein anderes Thema mehr als unsere Fälle von Gotteslästerung, Vergewaltigung und erzwungener Bekehrung. Jeden Monat gibt es Gewalt gegen Minderheiten. In ganz Pakistan werden die strengen Blasphemie-Gesetze missbraucht, um Eigentum zu beschlagnahmen, Rache zu nehmen, die Opposition zum Schweigen zu bringen und religiöse Minderheiten zu diskriminieren.
Seit der Freilassung von Asia Bibi gab es nur einen Christen – Pervaiz Masih -, der freigesprochen wurde. Asif Masih, ein armer, geistig behinderter 17jähriger, ist das beste Beispiel für diese schlimmste Situation aller Zeiten. Sogar das Oberste Gericht zögerte, ihn trotz aller Beweise seiner Unschuld zu entlassen aus Angst vor Islamisten, aus Angst vor Unruhen und Protesten“.
Auf die Frage, was sich konkret seit der Freilassung von Asia Bibi verändert habe, sagte sie, dass das Prozessrecht bzw. die Verfahrensordnung für Verfahren, in denen Blasphemie verhandelt werde, verschärft worden seien. Verteidigern wurden Rechte beschnitten, sie würden von Staatsanwälten und Richtern wie Komplizen behandelt. Die Freilassung nach erwiesener Unschuld und Freispruch würde an Bedingungen geknüpft.
„Grundsätzlich wird vor der Befassung mit dem Fall eine Rechnung erstellt, die der Angeklagte, der wegen des Vorwurfs der Blasphemie in Untersuchungshaft sitzt, zu begleichen hat, quasi ein Eintrittsgeld für die Behandlung des Falls. Das Zahlungslimit wird dabei so knapp bemessen, dass die Verteidigung es schwer hat, die Mittel rechtzeitig aufzubringen. Die Mehrheit der betroffenen Familien ist arm, und der Verteidiger leiht sich das Geld. Sollte ein Angeklagter freigesprochen werden, kann der Richter eine Sicherheit verlangen für den Fall, dass die gegnerische Seite in Berufung geht. Aber auch hier ist die Zeit knapp bemessen. Sollte er nicht zahlen (oder auch nicht zahlen können) wird er weggesperrt. Um sich gegenüber öffentlichen Kampagnen nicht entschuldigen zu müssen, schickt man den Freigesprochenen nicht in ein Gefängnis, sondern in eine psychiatrische Anstalt, wo er aus anderen Gründen für einen unbestimmt langen Zeitraum festgehalten werden kann, auf den die Verteidigung nur sehr schwer Einfluss nehmen kann.“
Christen in Pakistan protestieren gegen Unterdrückung. Angehörige religiöser Minderheiten in Pakistan werden verfolgt, verletzt, getötet, sabotiert, verkauft und misshandelt. Aneeqa Maria Anthony setzt sich vor Gericht für Blasphemie-Opfer und deren Familien ein.
Aktuelle Blasphemie-Fälle, die Anneeqa Anthony vor Gericht vertritt, sind Patras Masih, seit 2018 im Gefängnis, verhandelt in Lahore. Der Fall von Sunny Waqas, seit 2019 im Gefängnis, verhandelt in Bahawalnagar/Punjab, und Nauman Ashgar, seit 2019 im Gefängnis, ebenfalls verhandelt in Bahawalnagar/Punjab. In allen drei Fällen sieht sie nur eine geringe Chance auf Freilassung, weil der Druck von Islamisten zu groß ist und die Richter daher eher vertagen, statt zu entscheiden.
Wofür wird das gespendete Geld verwendet?
In allen drei Fällen sind die Familien der Angeklagten an einem sicheren Ort untergebracht, wo sie vor Radikalen, die sie töten wollen, sicher sind. Sie müssen vollversorgt werden, denn niemand von ihnen kann arbeiten, um zum Unterhalt beizutragen; auch ihre Kinder können nicht zur Schule gehen. Für jede der drei Familien sind monatlich etwa 200 € für Miete und Versorgung aufzubringen, also 600 € im Monat bzw. 7.200 € im Jahr. Die Familie von Patras Masih wird so schon seit zwei Jahren versteckt und versorgt. Diesen Betrag kann VOICE nicht ohne fremde Hilfe aufbringen.
Wir bitten Sie daher um Mithilfe.
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