FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 10 – November - 2026

Ägypten: Bessere Zukunftsaussichten für christliche Müllsammler

 

Wenn im Herbst starker Wind aufkommt und durch die engen Gassen im Viertel Moytamadeia in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zieht, nimmt das den Menschen dort die Luft zum Atmen: Der Geruch von Fäulnis und Verwesung wird dann von den großen Müllsammelplätzen über das gesamte Areal verbreitet. Auf dem Weg über die Autobahn vom Geschäftsviertel Mohandessin Richtung Pyramiden ist auf der linken Seite eine markante Kirche der Siedlung zu sehen, die koptisch-orthodoxe Pfarrkirche von Sankt Georg (Mar Girgis): Neun von zehn Einwohnern dort sind Christen.  

Die meisten von ihnen entstammen Zabbalin-Familien, wie sie in Ägypten genannt werden: Es ist das arabische Wort für Müllmenschen. Vor neun Jahrzehnten kamen die ersten christlichen Kleinbauern in die Hauptstadt; sie verließen aus wirtschaftlicher Not ihre heimischen Dörfer in Oberägypten und erwiesen sich schließlich als Überlebenskünstler. Zunächst suchten sie aus organischen Abfällen Tierfutter für ihre Schweinezucht. Dann kam die Verarbeitung von entsorgtem Glas, Papier, Plastik, Papier und Metall hinzu. In Moytamadeia leben rund 20.000 Menschen hauptsächlich vom Abfallrecycling. Bis zu 80 Prozent des Stadtmülls wird in solchen Stadtvierteln wiederverwertet, währenddessen die meisten westlichen Metropolen weniger als ein Viertel ihres Abfalls recyceln.  

Die Schweinezucht wurde inzwischen staatlicherseits in dem Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit massiv zurückgedrängt. Das Recycling der Rohstoffe nahm daher an Bedeutung zu. So ökologisch sinnvoll diese Arbeit auch ist: Trotz der Agenda 2030 der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Zukunft unterstützt die Regierung diese Menschen keineswegs. Förderung von Arbeitsschutz und weitere Automatisierung wären nötig. Es sind überwiegend Frauen und Kinder, die in den beengten Unterkünften den Abfall per Hand sortieren. Sie leben im Schmutz sowie Gestank und sind gesundheitlich gefährdet. Ohne Schutzhandschuhe sind sie einem hohen Risiko von Verletzungen und Ansteckungen durch Keime ausgesetzt; Staub und Fäulnisdämpfe gelangen beim Sortieren in die Atemwege, während die Männer an den Maschinen chemische Gifte einatmen.  

Seit einigen Jahren unterstützt die IGFM dort die lokale christliche Initiative „Kooperative zur Entwicklung der Umwelt“ mit Zuschüssen für medizinische Versorgung chronisch erkrankter Senioren sowie in Krisenzeiten mit Lebensmittelpaketen für Familien. Vor fünf Jahren kamen noch Zuschüsse zu Lehrmaterial und Trainerlohn für Kurse zur Gesundheitsvorsorge und über Strategien zur Bewältigung alltäglicher Herausforderungen hinzu. Das Programm mit rund einem Dutzend Teilnehmerinnen pro Kurs zielt auf die Stärkung der Frauen ab, die innerhalb der gesellschaftlich ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe weitere Nachteile erfahren. Viele Mädchen und junge Frauen genießen nur eine kurze Schulbildung, beenden diese häufig sogar ohne Abschluss. Sie bleiben dann zu Hause oder arbeiten wie ihre Mütter als Sortiererinnen, andere berufliche Perspektiven sowie persönliche Weiterentwicklung bleiben ihnen in der Regel verwehrt. Für die Eltern hat das Weiterkommen ihrer Söhne Priorität, teils aus Geldnot, teils auch aus Angst vor den häufig vorkommenden Mädchen-Entführungen auf dem Weg zur Ausbildungs- oder Arbeitsstätte.  

Die Initiative wandte sich am 29. September 2026 wegen der Wiederaufnahme der Kurse an die IGFM: „Die meisten Menschen in Moytamadeia leben in einem Kreislauf der Unwissenheit. Die nachfolgenden Generationen müssen folglich unter denselben Bedingungen leben wie die vorhergehenden. Deshalb glauben wir, dass es unsere Aufgabe ist, diesen Kreislauf zu durchbrechen und den neuen Generationen den Weg zu ebnen, damit sie Licht am Ende des Tunnels sehen können. Vor allem Frauen leiden unter den üblichen Lebensumständen. Wir wollen ihre Sichtweise auf sich selbst sowie auf ihr Leben verändern und ihnen den Wert des Lernens nahe bringen, was ihnen und ihren Kindern zugutekommen wird.“ Der nachhaltige Erfolg der ersten Trainings zog eine rege Nachfrage nach sich. „Die Teilnehmerinnen sind alle begeistert davon. Bei vielen Gelegenheiten fragen uns Frauen, wann wieder Kurse beginnen. Wir haben bereits eine Warteliste, da sich so viele von ihnen bereits verbindlich angemeldet haben.“ 

Daher wird die IGFM weiteren Frauen die Teilnahme ermöglichen und ihnen damit eine bessere Lebensperspektive erschließen. Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Spende die Fortsetzung der Kurse. Pro Teilnehmerin entstehen dabei rund 150,- Euro Kosten. 

Dieser Artikel wurde publiziert in der November - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

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