FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 10 – November - 2026

Iran: Die Mullah-Diktatur verschärft Verfolgung

Viele junge Leute unter den Opfern  

„Mein Bruder Parsa Najafi wurde am 6. Juni dieses Jahres in Isfahan im Alter von 19 Jahren festgenommen. Heute sind 123 Tage vergangen. Er ist inzwischen im Gefängnis 20 Jahre alt geworden, anstatt diesen Geburtstag mit seiner Familie und seinen Freunden zu verbringen. Am Morgen seiner Festnahme drangen Sicherheitskräfte des iranischen Geheimdienstministeriums ohne Vorankündigung in unser Elternhaus ein. Für meine Eltern war es ein Schock: Sie begannen ihren Tag wie jeden anderen, und plötzlich standen fremde Personen in unserer Wohnung. Sie durchsuchten die gesamte Wohnung und nahmen unter anderem Handys, Laptops, Bankkarten, Bargeld, Bücher und persönliche Dokumente mit.  

Der Kontakt zu Parsa ist massiv eingeschränkt. Bei einem Besuch berichtete er unserer Familie, dass erheblicher Druck auf ihn ausgeübt werde, ein falsches Geständnis abzulegen. Er wirkte sehr erschöpft und psychisch stark belastet. Gerade deshalb braucht er einen Zugang zu seinem Rechtsanwalt. Bis heute gibt es keine belastbaren Beweise für die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und keine transparenten Informationen über das Verfahren.  

Wenn ich an der Universität bin, denke ich daran, dass mein Bruder dort sein könnte, aber stattdessen im Gefängnis sitzt. Wenn ich esse oder schlafen gehe, frage ich mich, ob er genug zu essen bekommt, wo er schläft und ob er erneut unter Druck gesetzt wird. Jeden Morgen ist einer meiner ersten Gedanken, wie es wohl Parsa geht. Und meine Eltern leben auch mit dieser Angst, dass erneut jemand vor unserer Tür steht und vielleicht ein weiteres Familienmitglied festgenommen wird. Parsa und viele andere junge Bahá’í dürfen nicht vergessen werden, denn ihr Glaube ist kein Verbrechen und ihre Freiheit darf kein Privileg sein.“ So schilderte die 23-jährige Studentin Atossa Najafi das Schicksal ihres Bruders beim Pressegespräch mit der IGFM am 7. Oktober 2026. 

Der junge Mann befindet sich seit seiner Festnahme im Gefängnis Dastgerd in Ishafan. Bis zum Redaktionsschluss blieb es seinem Anwalt verwehrt, mit ihm zu sprechen oder Akteneinsicht zu erhalten. Die IGFM ist besorgt über Berichte, denen zufolge massiv Druck auf Parsa ausgeübt wird, ein falsches Geständnis abzulegen. Er soll Spionage für Israel zugeben, währenddessen er diesen Vorwurf von sich weist. Ein Gerichtsverfahren wegen entsprechender Anklage könnte mit einem Todesurteil enden.  

Mit Blick auf die interne Repression im Iran gibt es keine Entwarnung. Im Gegenteil: Unter anderem hat sich die Situation der Religionsgemeinschaft der Bahá’í dort in diesem Jahr erheblich verschärft. Die Gemeinde erleidet eine systematische staatliche Verfolgung, die inzwischen nahezu alle Lebensbereiche umfasst. Neben willkürlichen Festnahmen und langen Haftstrafen erreichen die IGFM Berichte über eine besorgniserregende Zunahme von wirtschaftlicher Entrechtung, Enteignung und gar Folter und Verschwindenlassen.  

Festnahmen, willkürliche Urteile, Hinrichtungen und gar extralegale Tötungen (Morde im staatlichen Auftrag) – mit der massenhaften Anwendung dieser Mittel bringt die Mullah-Diktatur nicht nur Andersgläubige, sondern generell Andersdenkende für immer zum Schweigen und schreckt andere ab. Die Verantwortlichen machen auch nicht Halt vor jungen Leuten, nicht einmal vor Minderjährigen. Schon die landesweiten Proteste im Januar 2026, an denen viele junge Bürgerinnen und Bürger beteiligt waren, wurden mit brutaler Gewalt niedergeschlagen. Zehntausende Personen wurden ermordet, sogar Schwerverletzte in Krankenhäusern aufgesucht und hingerichtet. 

Die IGFM dokumentiert solche Schicksale in ihren regelmäßig erscheinenden Iran-Berichten, begleitet durch zahlreiche Kurz-Videos; sie beleuchtet Hintergründe und analysiert Entwicklungen. Zudem arbeitet die IGFM weiterhin mit Paten zusammen (Abgeordnete des EU-Parlaments, des Deutschen Bundestages sowie der Landtage und andere Persönlichkeiten), die sich über ihre eigenen Netzwerke für politische Gefangene im Iran einsetzen. Wir möchten Recherchen, Übersetzungen und Dokumentationen – als Argumentationsgrundlage für die Paten und andere Aktive – so gewissenhaft wie bisher fortsetzen. Bitte unterstützen Sie uns dabei. 

Dieser Artikel wurde publiziert in der November - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

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