Alexej Lipzer

Politischer Gefangener in Russland

Der Rechtsanwalt Alexej Lipzer wurde am 13. Oktober 2023 von den russischen Behörden festgenommen. Als ehemaligem Anwalt des verstorbenen Oppositionsführers Alexey Nawalny wird ihm die Teilnahme an einer „extremistischen Organisation“ vorgeworfen. Am 17. Januar 2025 wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt. Foto Alexej: Alexandra Astakhova/Mediazone.

Ehemaliger Rechtsanwalt des verstorbenen Alexei Nawalny wegen „Extremismus" zu fünf Jahren Haft verurteilt 

Politischer Pate: Europaabgeordneter Dr. Sergey Lagodinsky (Die Grünen/EFA)

Alexej Lipzer
Geburtsdatum: 12. Dezember 1986

Festnahme: 13. Oktober 2023

Inhaftiert in: Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 der Stadt Wladimir, Region Wladimir

Vorwurf: vermeintliche „Teilnahme an den Aktivitäten einer extremistischen Gemeinschaft“

Urteil: 5 Jahre Gefängnis

Alexej Lipzer ist ein Rechtsanwalt der städtischen Moskauer Anwaltskammer (MGKA) „Dalet". Von März 2021 bis Juli 2022 war er einer der Anwälte des 2024 verstorbenen Oppositionspolitiker Alexei Nawalny und vertrat dessen Interessen  während Nawalnys Haft in der Justizvollzugskolonie Nr. 2 und später Nr. 6. Er legte vor Gericht und anderen Instanzen Beschwerde gegen die Haftbedingungen von Nawalny ein, darunter die medizinische Unterversorgung. Gemeinsam mit zwei anderen Rechtsanwälten Nawalnys, Wadim Kobsew und Igor Sergunin, wurde Alexej Lipzer am 13. Oktober 2023 festgenommen und inhaftiert. Den Anwälten wird angeblicher „Extremismus" vorgeworfen.

Am 17. Januar 2025 wurde er zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der zuvor völlig gesunde Lipzer erkrankte in der Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 im moskaunahen Wladimir an lebensgefährlichem Bluthochdruck. Im Dezember 2025 wurde er ins über 4.300 km von Moskau entfernte Abakan verbannt. Eine unabhängige ärztliche Überprüfung wird ihm verweigert. Seine Ehefrau Ljudmilla Lipzer bittet in einem Appell in der „Nowaja Gazeta", Erbarmen mit ihrem Mann zu zeigen und ihn entsprechend der bestehenden Gesetzesordnung in die Nähe ihres Wohnortes Samara zu verlegen.

Festnahme und Inhaftierung

Im Zuge seiner Verhaftung am 13. Oktober 2023 wurden die Privat- und Büroräume von Alexej Lipzer durchsucht und technische Geräte, Klienten-Dossiers, sowie Dokumente und Geld beschlagnahmt. Nach den Hausdurchsuchungen wurde der Rechtsanwalt in das Gebäude des Ermittlungsausschusses der Russischen Föderation gebracht und als Verdächtiger befragt. Alexej wird, nach Art. 2 Abs. 282.1 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation, die „Teilnahme an den Aktivitäten einer extremistischen Gemeinschaft" vorgeworfen. Das Strafverfahren gegen den Anwalt wird damit unmittelbar mit den Strafsachen gegen Alexey Nawalny verbunden. Am 16. November 2023 wurden die verhafteten Anwälte von dem Föderalen Finanzüberwachungsdienst der Russischen Föderation (Rosfinmonitoring) in die Liste der Terroristen und Extremisten aufgenommen.  

Nach der willkürlichen Festnahme befanden sich Alexej Lipzer und seine Anwaltskollegen in Untersuchungshaft. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Moskauer Untersuchungshaftanstalt Nr. 4 des Föderalen Dienst für die Strafvollstreckung (FSIN) wurden alle drei Inhaftierten in der Nacht des 18. Oktobers 2023 in die sogenannte „Kreml Zentrale" (Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 des FSIN) überführt. Seit Juni 2024 ist bekannt, dass sich Alexej nach einer erneuten Überführung in der Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 der Stadt Wladimir, Region Wladimir befindet. 

Am 28. Mai 2024 wurde eine Verlängerung der Untersuchungshaft angeordnet. Am 17. Januar 2025 wurde Lipzer vom Bezirksgericht Petuschinski in der Region Wladimir zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren verurteilt. 

Gesundheit verschlechtert sich in Haft

Die Gesundheit von Alexei hat sich seit seiner Inhaftierung deutlich verschlechtert. In den letzten Monaten klagte er über starke Schmerzen im Hals, Kopfschmerzen, Nasenbluten und Sehstörungen. Sein Hautton ist fahl und am ganzen Körper sind Blutkapseln gerissen. Durch den extremen Stress der Gefangenschaft hat Alexei einen zu hohen Blutdruck entwickelt (zuletzt 209/104 mit einem Puls von 150), was einen Schlaganfall oder eine Herzattacke begünstigen kann.  
Erst im April 2025 wurde er in das Gefängniskrankenhaus verlegt, welches allerdings nicht über das medizinische Equipment verfügt, das für eine ausführliche und angemessene Untersuchung nötig wäre. Alexei wurde von einem HNO-Arzt aus Moskau begutachtet, der seinen Kehlkopf untersuchte und einen CT-Scan des Halses anordnete. Allerdings sind solche Untersuchungen in diesem Gefängniskrankenhaus nicht möglich.   

Stand: Februar 2026

Pressemitteilung anlässlich seiner Verlegung und des zweiten Todestags von Nawalny

Ein Foto aus glücklichen Tagen, das Hochzeitsbild

Sergej Lagodinsky setzt sich als politischer Pate für Lipzers Freiheit ein und veröffentlichte dieses Video am 16. September 2025 (Link zu Instagram)

So können Sie Alexej helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Alexej Lipzer.

Липцеру Алексею Евгеньевичу, 1986 г. р.

600021, г. Владимир, ул. 9 января, д. 5а,
ФКУ СИЗО-1 УФСИН России по Владимирской области

Lipzer Alexei, geboren 1986,600021, Wladimir, ul. 9 Januar, d. 5a, Untersuchungshaftanstalt Nr. 1 der Stadt Wladimir der Föderalen Strafvollzugsbehörde Russlands für die Region Wladimir

Wichtig: Damit der Brief zugestellt werden kann, muss die Adresse auf Russisch geschrieben werden!

Seit der Festnahme darf der Vater eines minderjährigen Kindes nicht mehr als Anwalt praktizieren, verdient kein Einkommen und seine Bankkonten sind gesperrt. Die Rechtsverteidigung für Alexej Lipzer wird so gut wie kostenfrei von zwei Anwaltskollegen übernommen. Allerdings steht seine Familie nun gänzlich mittellos da, weil ihnen jegliche Möglichkeit genommen wurde, ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Bitte unterstützen Sie die Angehörigen von Alexej Lipzer mit einer Spende!

Verwendungszweck für Ihre Spende: Russland (35)

Jetzt für Alexej und seine Familie spenden!

Schreiben Sie dem Botschafter und fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der Gefangenen.

Tatjana Moskalkowa, die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtsbeauftragte“)

Smolenskij Bulvar, d. 19, Str. 2

119121 Moskau

Russland

Boris Michel (Delegationsleiter des IKRK in der Russischen Föderation)

Grokhol’skiy Pereulok, 13/1

129090 Moskau

Russland

Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland

S. E. Herr Sergej J. Netschajew

Botschaft der Russischen Föderation

Unter den Linden 63-65

10117 Berlin

E-Mail: info@russische-botschaft.de

Sehr geehrter Herr Botschafter/ Sehr geehrter Herr … / Sehr geehrte Frau …,

mit diesem Schreiben möchten wir unseren entschiedenen Protest gegen die kürzlich verhängte Verurteilung der Anwälte von Alexey Nawalny – Herrn Wadim Kobsew, Herrn Alexej Lipzer und Herrn Igor Sergunin – zum Ausdruck bringen. Die ausgesprochenen Urteile, die langjährige Haftstrafen in einem Straflager vorsehen, stellen einen klaren Missbrauch des Justizsystems und eine schwerwiegende Verletzung grundlegender Menschenrechte dar.

Die Anwälte wurden mit dem Vorwurf verurteilt, an einer angeblich extremistischen Vereinigung beteiligt gewesen zu sein. Diese Anschuldigungen sind offensichtlich politisch motiviert und dienen dem Zweck, oppositionelle Stimmen gegen den Kreml zu unterdrücken. Die Anwälte haben jedoch lediglich ihre berufliche Verantwortung wahrgenommen, indem sie ihren Mandanten verteidigt und dessen Rechte gewahrt haben.

Besonders beunruhigend ist der Umstand, dass das Urteil ausgerechnet am Jahrestag der Rückkehr von Alexej Nawalny nach Russland verkündet wurde. Dieser Zeitpunkt verdeutlicht die Repressionen und die willkürliche Auslegung des Rechts durch den russischen Staat. Die Verfahren wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt, und es kam zu zahlreichen Schikanen gegenüber den Prozessbeobachtern.

Wir fordern die sofortige Aufhebung der Urteile und die umgehende Freilassung der Anwälte. Eine unabhängige und faire Überprüfung der Verfahren muss gewährleistet werden. Die Rechte und Freiheiten der betroffenen Personen müssen in vollem Umfang respektiert und geschützt werden.

Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, wachsam zu bleiben und Druck auf die russischen Behörden auszuüben, um diese gravierenden Ungerechtigkeiten zu beenden.

Hochachtungsvoll

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