Aleksander Skobow

Der Publizist und Dissident Aleksander Skobow wurde im April 2024 verhaftet, weil er sich in sozialen Netzwerken kritisch zum russischen Angriffskrieg äußerte. Am 21. März 2025 verurteilte ihn ein Militärgericht zu 16 Jahren Haft wegen „Rechtfertigung von Terrorismus“ und „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“. Foto: Radio Liberty

16 Jahre Haft für einen Dissidenten

Aleksander Skobow
Geburtsdatum: 4. November 1957

Festnahme: 2. April 2024

Inhaftiert in: SIZO-1 Syktywkar, Republik Komi

Vorwurf: „Rechtfertigung von Terrorismus“ und „Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung“

Urteil: 16 Jahre Haft (3 Jahre Gefängnis, anschließend Strafkolonie mit strengem Regime) sowie 3.300 Euro Geldstrafe

Aleksander Skobow wurde am 4. November 1957 geboren und stammt aus Sankt Petersburg. Er ist Historiker, politischer Publizist und war bereits in der Sowjetunion als Dissident aktiv. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde er mehrfach inhaftiert und zwangspsychiatrisch behandelt. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR blieb er ein scharfer Kritiker des russischen Autoritarismus und insbesondere der Kriege in Tschetschenien, Georgien, Syrien und der Ukraine. Auch nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 unterstützte er öffentlich die Ukraine und rief zur Beendigung der russischen Aggression auf.

Festnahme und Verfahren
Am 2. April 2024 wurde Aleksander Skobow in Sankt Petersburg festgenommen, während er sich im Haus des ehemaligen Dissidenten Julij Rybakov aufhielt. Ihm wurde vorgeworfen, in seinem Telegram-Kanal die Zerstörung der Krim-Brücke im Sommer 2023 befürwortet zu haben. In mehreren Beiträgen hatte er das Bauwerk als militärisches Ziel bezeichnet und auf die symbolische Bedeutung der Brücke für das russische Besatzungsregime hingewiesen. Die Ermittlungsbehörden leiteten daraufhin ein Strafverfahren gegen ihn wegen „Rechtfertigung von Terrorismus“ und „Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung“ ein. Aleksander Skobow wurde zunächst in Untersuchungshaft genommen und später in das SIZO-1 in Syktywkar, Republik Komi, verlegt.

Die Umstände der Festnahme am 2. April 2024 waren repressiv: Er wurde zu Boden geworfen, während er sich bei Freunden aufhielt, und noch am selben Abend verhört. Die Anklage stützte sich auf Telegram-Beiträge, in denen er die Krim-Brücke als legitimes Ziel ukrainischer Militäraktionen bezeichnete. Das Verfahren gegen ihn wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Die Verteidigung verwies auf seinen kritischen Gesundheitszustand sowie seine Verantwortung für seine hochbetagte Mutter – ohne Erfolg.

In seiner Schlussrede vor Gericht machte Aleksander Skobow deutlich, dass er den Krieg als imperiale Aggression verurteile und es als Bürgerpflicht sehe, auf der Seite der Opfer zu stehen. Er betonte:

„In einer ungerechten, verbrecherischen Aggression ist das Wort eine Waffe. Und wenn meine Worte etwas bewirken, dann ist es das Risiko wert.“

Am 21. März 2025 verurteilte ein Militärgericht in Moskau ihn zu 16 Jahren Haft – drei Jahre in einem Gefängnis, der Rest in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe in Höhe von 3.300 Euro verhängt.

Haftbedingungen und Schikane
Seit seiner Verlegung in das Gefängnis Nr. 2 in Jelez hat sich die Situation von Aleksander Skobow weiter verschlechtert. Nach Angaben seiner Unterstützer werden ihm bis zu 75 % der Geldbeträge entzogen, die ihm Angehörige überweisen. Diese Praxis wurde durch Gesetzesänderungen im Oktober 2025 ausgeweitet und erlaubt es den Behörden, Geld von den persönlichen Konten von Gefangenen zur Deckung der Haftkosten einzubehalten. Für Gefangene wie Skobow bedeutet dies, dass ihnen oft nur ein kleiner Teil des Geldes verbleibt, das sie für grundlegende Dinge wie Hygieneartikel oder zusätzliche Lebensmittel im Gefängniskiosk benötigen.

Zudem wurde der Dissident wiederholt in den sogenannten SHIZO verlegt. SHIZO („Strafisolationszelle“) ist eine Form der Einzelhaft im russischen Strafvollzug, die als Disziplinarmaßnahme eingesetzt wird und mit besonders strengen Bedingungen verbunden ist, darunter Isolation, eingeschränkter Zugang zu persönlichen Gegenständen und zusätzliche psychische Belastung. Am 13. Januar 2026 wurde Skobow für 14 Tage in den SHIZO gebracht, offiziell wegen eines zu langen Bartes. Bereits zuvor war er mehrfach aus formalen Gründen bestraft worden, unter anderem weil er sich gegenüber den Behörden als politischer Gefangener bezeichnet hatte.

Hintergrund
Aleksander Skobow gehört zu den wenigen sowjetischen Dissidenten, die auch unter dem Putin-Regime nie aufgehört haben, ihre Stimme zu erheben. In der Sowjetunion wurde er in den 1970er-Jahren aufgrund oppositioneller Flugblattaktionen zu zwangspsychiatrischer Behandlung verurteilt. Auch später, nach dem Zusammenbruch der UdSSR, engagierte er sich weiter für politische Freiheiten und soziale Gerechtigkeit. In seinen Artikeln kritisierte er nicht nur die Kriegsführung, sondern auch die systematische Repression in Russland, die Zerstörung rechtsstaatlicher Strukturen und die Gleichgültigkeit gegenüber Menschenrechten.

Alexander Skobow ist der IGFM kein Unbekannter: In der IGFM-Dokumentation „Psychiatrie als politische Waffe“, herausgegeben 1986, wird Alexander Skobow als politischer Gefangener des psychiatrischen Krankenhauses Nikolskoje im Leningrader Gebiet vorgestellt. Skobow wurde 1983 wegen seiner führenden Rolle in der Freien Gewerkschaftsbewegung in der UdSSR (SMOT) in psychiatrische Haft genommen. 

Trotz gesundheitlicher Einschränkungen – Skobow leidet unter anderem an Diabetes, Hepatitis C, Asthma und Glaukom – lehnte er eine Ausreise aus Russland stets ab. Er erklärte wiederholt, dass seine Stimme innerhalb des Landes mehr Gewicht habe. 2024 wurde er vom russischen Justizministerium als „ausländischer Agent“ gelistet, seine Texte in sozialen Netzwerken dienten als Grundlage für die Anklage.

Stand: Februar 2026

So können Sie Aleksander helfen:

Post an politische Gefangene ist ein starkes Zeichen der Solidarität. Sie zeigt den Behörden, dass der oder die Inhaftierte international bekannt ist – und nicht vergessen wird. Für die Gefangenen selbst sind Briefe oft ein Lichtblick im tristen Gefängnisalltag.

Der russische Historiker und Dissident Aleksander Skobow leidet an schweren chronischen Krankheiten und starkem Sehverlust. Umso mehr bedeutet ihm die Gewissheit, dass Menschen an ihn denken.

„Ich bleibe hier, um zu zeigen, dass nicht jeder zum Schweigen gebracht werden kann“, sagte Skobow kurz vor seiner Verhaftung.

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Aleksander Skobow.

📮 Александру Валерьевичу Скобову
167000, г. Сыктывкар, ул. Дзержинского, д. 20
ФКУ СИЗО-1 УФСИН России по Республике Коми

📮 Aleksander Walerjewitsch Skobow
167000, Syktywkar, Dsershinskogo-Str. 20
Untersuchungshaftanstalt Nr. 1, Föderaler Strafvollzugsdienst der Russischen Föderation in der Republik Komi

Wichtig: Damit der Brief zugestellt werden kann, muss die Adresse auf Russisch geschrieben werden. Schreiben Sie bitte in großer Schriftgröße, da Skobov fast erblindet ist. Freundliche, unterstützende Worte – auch ohne politischen Inhalt – sind erlaubt und hilfreich.

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Schreiben Sie dem Botschafter und fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des russischen Gefangenen.

Tatjana Moskalkowa, die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtsbeauftragte“)

Smolenskij Bulvar, d. 19, str. 2

119121 Moskau

Russland

Boris Michel (Delegationsleiter des IKRK in der Russischen Föderation)

Grokhol’skiy Pereulok, 13/1

129090 Moskau

Russland

Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland

S. E. Herr Sergej J. Netschajew

Botschaft der Russischen Föderation

Unter den Linden 63-65

10117 Berlin

E-Mail: info@russische-botschaft.de

Sehr geehrter Herr Botschafter / Sehr geehrter Herr … / Sehr geehrte Frau …,

mit diesem Schreiben protestiere ich gegen die Inhaftierung des russischen Publizisten und Dissidenten Aleksander Skobow, der im März 2025 wegen angeblicher „Rechtfertigung von Terrorismus“ zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde.

Sein „Vergehen“ bestand darin, sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu äußern – unter anderem in seinem Telegram-Kanal. Das Urteil ist politisch motiviert und stellt einen klaren Verstoß gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung (Art. 19 IPbpR) dar.

Aleksander Skobow ist schwer chronisch krank (Diabetes, Hepatitis, Asthma, Glaukom) und bereits über 66 Jahre alt. Die Haftbedingungen in einer entlegenen Strafanstalt stellen eine akute Gefährdung seiner Gesundheit dar.

Als ehemaliger sowjetischer Dissident war Skobow schon in den 1970er-Jahren Opfer politischer Repression. Heute wird er erneut verfolgt – diesmal wegen seiner Antikriegshaltung.

Ich fordere daher:

  • die sofortige Freilassung von Aleksander Skobow,

  • die Einstellung aller Verfahren gegen ihn,

  • und die Achtung seiner Grundrechte.

Bitte setzen Sie sich für eine humane und rechtsstaatliche Behandlung aller politischen Gefangenen in Russland ein.

Hochachtungsvoll

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