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Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Diesen Geburtstagskuchen hat die willkürlich im Iran gefangen gehaltene Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh nicht erhalten. Er hat aber mit dazu beigetragen, dass sich ihre Haftbedingungen besserten und sie schließlich freikam. Über alle Unterstützung hat sie sich sehr gefreut. Inzwischen braucht sie erneut Hilfe, denn sie hat nicht aufgehört, sich mutig für Menschen einzusetzen, die in der Islamischen Republik verfolgt werden. Mehr Infos zu Nasrin Sotoudeh…

Post an Gefangene hilft!

Politischen Gefangenen zu schreiben, ist eine einfache und wirkungsvolle Hilfe. Die Kosten und der Zeitaufwand sind gering, und die Gewissheit, einem Menschen in Not geholfen zu haben, ist sehr befriedigend. Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, weil die Post dem Gefängnispersonal und den Behörden zeigt, dass die Gefangenen im Ausland wahrgenommen werden.
Viele Gefangene haben nach Ihrer Freilassung berichtet, wie sehr ihnen die ins Gefängnis geschickten Briefe geholfen haben und wie sie daraus Hoffnung und Zuversicht schöpfen konnten – selbst wenn sie die Verfasser nicht kannten und die Sprache nicht beherrschten.

In vielen Ländern möchten die Machthaber bei den Gefangenen ein Gefühl der Hilflosigkeit und Einsamkeit erzeugen, um ihren Widerstand zu brechen. Jede Post von außen hilft den Opfern daher, diese Situation besser zu bewältigen und gibt ihnen das Gefühl, nicht völlig vergessen zu sein.

Post an Gefangene hilft selbst dann, wenn der Häftling sie nie erhält, denn seine Behandlung im Gefängnis hängt ganz entscheidend vom Verhalten der Wärter ab. Bekommt ein Insasse häufiger Post aus dem Ausland, so handelt es sich in den Augen des Gefängnispersonals um eine wichtige Person, die später möglicherweise einflussreich werden könnte. Deshalb: Schreiben sie Inhaftierten ins Gefängnis!

Eine Postkarte genügt!

Andere Wege, Gefangenen zu helfen: Politische Patenschaften

Einige Tipps und Antworten auf Fragen zum Thema „Wie schreibe ich einem Gefangenen“:

Sie können auf Deutsch schreiben, selbst dann, wenn der Gefangene vermutlich kein Deutsch versteht. Schreiben Sie besser auf Deutsch als überhaupt nicht – die Gefangenen freuen sich über jede Zuwendung und auch auf Deutsch stellt Ihre Post einen Schutz für den Gefangenen dar. Falls der oder die Gefangene möglicherweise Englisch oder eine andere Weltsprache verstehen, empfehlen wir, in dieser Sprache zu schreiben. Beherrschen Sie die Muttersprache des Gefangenen? Schreiben Sie ihm ruhig in dieser Sprache. Die Post für den Gefangenen ist dadurch auch für die Beamten transparenter, die diese kontrollieren.

Sofern bekannt, finden Sie den Haftort und die Haftadresse der Gefangenen auf den Portrait-Seiten der IGFM zu den politischen Gefangenen. Falls die genaue Haftadresse nicht auffindbar ist, Sie aber die Stadt und den Namen des Gefängnisses oder Lagers kennen, wird Ihre Postkarte oder Ihr Brief ankommen. In vielen Ländern haben Straßen weder Namen noch Nummern – selbst in wohlhabenden Wohnvierteln.

Zum Patenschaftsprojekt der IGFM

Pakete an Gefangene können sehr problematisch sein. Wenn die Gefangenen Päckchen oder Pakete erhalten dürfen, dann gibt es in der Regel nicht nur Vorschriften zum Inhalt, sondern vor allem auch zur Anzahl der Pakete pro Monat. Wird ihr Paket durchgelassen, verweigert man dem politischen Gefangenen möglicherweise ein für ihn wesentlich wichtigeres Paket von seinen Angehörigen. Darüber hinaus müssen manche Gefangenen bei Haftantritt angeben, wer ihnen Pakete schicken darf. Ihr Paket würde möglicherweise zurückgewiesen oder beschlagnahmt, ohne sein Ziel zu erreichen. Die Angehörigen wissen meistens am besten, was der Gefangene benötigt. Sie selbst leiden durch die Haft oft auch materiell, denn noch immer sind die meisten politischen Gefangenen Männer, die vor ihrer Verhaftung den Lebensunterhalt ihrer Familien bestritten haben. Auch die Ehefrauen und Kinder der Gefangenen sind oft auf Unterstützung angewiesen. Falls die Kontaktdaten von Angehörigen bekannt sein sollten und die Angehörigen es wünschen, kann ein Paket an die Familie sinnvoller sein als an die Gefangenen selbst. Ohne Absprache mit den Angehörigen oder wenigstens genaueren Informationen zur Situation des Gefangenen rät die IGFM von Paketen eher ab.

Ein größeres Problem ist darüber hinaus Diebstahl durch Gefängnispersonal. Falls Sie etwas schicken, das für das Gefängnispersonal uninteressant ist, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass der oder die Gefangene das Paket erhält. Um Diebstahl vorzubeugen kann das Paket eine Packliste enthalten, im Begleitbrief kann der Inhalt erwähnt werden. Alle Briefe und Pakete sollten nummeriert werden. Eine Garantie, dass ein politischer Gefangener seine Post erhält, hat man leider nie. In vielen Haftanstalten ist zudem der Empfang bestimmter Güter verboten. Dazu gehören oft Bücher und andere Drucksachen.

Individuelle Anschreiben sind sehr viel wirkungsvoller als kopierte Standartbriefe. Je mehr individuelle Briefe einen Gefangenen erreichen, umso stärker hat das Gefängnispersonal den Eindruck, dass sich viele verschiedene Menschen unabhängig voneinander für einen Gefangenen interessieren. Generell gilt aber: Besser vorgedruckte Postkarten als keine Post!

Oft ist unklar, ob Postkarten und Briefe politischen Gefangenen überhaupt ausgehändigt werden. Selbst wenn Sie Ihren Brief oder Ihre Postkarte als Einschreiben mit Rückantwort verschicken und eine Empfangsbestätigung (der Gefängnispoststelle) erhalten, bedeutet das nicht, dass Ihr Schreiben den Gefangenen tatsächlich erreicht hat.

Außerdem haben politische Gefangene oft nur eine eingeschränkte Schreiberlaubnis oder dürfen überhaupt nicht schreiben. Andere haben keine Möglichkeit zu schreiben, weil ihnen Schreibzeug und Briefmarken fehlen. Selbst wenn Gefangene Ihren Brief erhalten haben und antworten konnten, kann die Antwort trotzdem von den Behörden beschlagnahmt worden oder bei der Post “verloren” gegangen sein. Erhalten Sie dennoch eine Antwort – vom Gefangenen, einer Behörde oder einem Dritten – dann leiten Sie diese oder eine Kopie bitte an die IGFM weiter. Bitte schicken Sie auch die Empfangsbestätigung an die IGFM, denn sie ist für die IGFM ein Hinweis darauf, dass der Betreffende noch unter der Haftadresse erreichbar ist. “Verschwindenlassen” in der Haft oder häufige Verlegungen, um den Kontakt zu einem Gefangenen zu erschweren, sind leider noch immer bedeutende Probleme.

Gewinnen Sie andere – Freunde, Verwandte, Bekannte, Gemeindemitglieder, Kollegen, Kommilitonen, Nachbarn … – ebenfalls an politische Gefangene zu schreiben. Je mehr Menschen sich beteiligen, umso größer ist die Wirkung.

Politischen Gefangenen zu schreiben kann sehr erfüllend sein – machen Sie mit!

Denken Sie beim Schreiben an die Person, der Sie helfen. Denken Sie an die enorme Zahl von Gefangenen, die durch Briefe von Misshandlungen verschont blieben, andere Hafterleichterungen erhalten haben oder – im  im besten Fall – aus der Haft entlassen wurden. In manchen Fällen, in denen Gefangene die Möglichkeit hatten zu antworten, sind durch solche Briefe dauerhafte Freundschaften gewachsen.

Weitere Informationen zu politischen Gefangenen und dem Patenschaftsprojekt der IGFM

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