Wie schreibe ich einen Appellbrief?

Appellbriefe sind ein wirksames, erprobtes Mittel, um politischen Gefangenen zu helfen. Und: Appellbriefe zu schreiben ist einfach – machen Sie mit! Das Bild stammt übrigens aus dem TV-Clip  “Typewriter” von Andreas Roth.  

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Mit ein wenig Übung ... 

schreiben sich Appellbriefe schnell und einfach. Es gibt dabei einige wenige Regeln, die beachtet werden sollten:

 

1. Bleiben Sie immer höflich,

damit Ihr Brief nicht direkt in den Papierkorb wandert. Ihr Ziel ist es, einem Gefangenen zu helfen, nicht Ihrem Zorn freien Lauf zu lassen.

 

2. Fassen Sie sich kurz.

Zu lange Briefe werden oft gar nicht bearbeitet, geschweige denn übersetzt. Eine Seite sollte in der Regel die Obergrenze sein.

 

3. Schreiben Sie nur zur Sache selbst ...

und vermeiden Sie Angriffe auf weltanschaulicher Ebene. Ihr Brief wird mehr Wirkung zeigen, wenn der Empfänger nicht das Gefühl erhält, dass Sie die betreffende Regierung aus ideologischen Gründen ablehnen. Lassen Sie keinen Zweifel daran, dass Ihre Sorge allein dem politischen Gefangenen und international anerkannten Rechtsstandards gilt. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte finden Sie hier.

 

4. Unterstreichen Sie, dass Sie dem Land nicht prinzipiell ablehnend gegenüber stehen.

Versuchen Sie vielmehr den Empfänger bei seinem Selbstwert und Stolz zu berühren. Schreiben Sie respektvoll und lassen Sie einfließen, dass das Land oder die Kultur ansonsten z.B. für Toleranz bekannt sei.

 

5. Schreiben Sie, wer Sie sind.

Anonyme Briefe haben keinerlei Wirkung. Tragen Sie einen akademischen Grad oder sind Sie in einer Position, die Ihre Seriosität unterstreicht? Nennen Sie sie in Ihrem Adresskopf oder auch im Text selbst.

 

6. Individuelle Anschreiben ...

sind sehr viel wirkungsvoller als kopierte Standartbriefe. Wenn Sie also einen vorgeschlagenen Appellbrief auf unserer Homepage benutzen, dann kopieren Sie ihn einfach in Ihr Textverarbeitungsprogramm und variieren ihn wenn möglich ein wenig. Je mehr individuelle Briefe eine Behörde erreichen, um so stärker haben die Empfänger den Eindruck, dass sich viele verschiedene Menschen unabhängig von einander für den Fall interessieren.

 

7. Haben Sie ein besonderes Interesse

oder eine besondere Verbindung zu dem betreffenden Land? Haben Sie es zum Beispiel als Tourist besucht? Erwähnen Sie es, denn vor allem die Sorge vor sinkenden Einnahmen aus der Tourismus-Branche, hat sich schon manches Mal als wirksame Waffe für die Menschenrechte erwiesen.

 

8. Stellen Sie den Fall in knappen Informationen dar.

Vermutlich ist der Empfänger des Briefes nicht unmittelbar für die Verhaftung des betroffenen Gefangenen verantwortlich. Es ist sehr gut möglich, dass der Leser den Fall überhaupt nicht kennt. Gehen Sie auch davon aus, dass der Empfänger Ihres Briefes einer Diskussion über das Schicksal eines politischen Gefangenen positiv gegenüber stehen kann. Versetzen Sie sich in die Lage des Lesers. Vermeiden Sie daher auch jeden Sarkasmus.

 

9. Schreiben Sie in Deutsch ... 

oder je nach Empfänger auch in gutem Englisch, Französisch oder einer anderen Weltsprache. Wenn Sie Ihren Brief in eine wenig verbreitete Fremdsprache übersetzten lassen, wird der Empfänger vermuten, sie seien ein Anhänger der politischen Opposition.


10. Schicken Sie eine Kopie ... 

Ihres Briefes mit einem kurzen Anschreiben an die Botschaft des betreffenden Landes. Sie können die Wirkung Ihres Briefes auch dadurch erhöhen, dass Sie sie parallel an verschiedene Empfänger schicken. Sie können das auf dem Brief durch einen Hinweis deutlich machen (Empfänger: ...)


11. Haken Sie nach.

Gerade bei Langzeitgefangenen macht es Sinn, mehrfach nachzufragen. Auch wenn Sie keine Antwort erhalten sollten - die Empfänger registrieren sehr genau, ob das Interesse für einen politischen Gefangenen nachlässt oder weiter wach bleibt.

 

12. Bei ausländischen Empfängern ... 

ist es besonders wirkungsvoll, wenn Sie Zeitungsberichte mit in den Brief legen, um zu zeigen, wie stark ein Thema in der Öffentlichkeit bekannt ist. Aber: Verschicken Sie keine Interviews von Menschenrechtlern in deren Heimatländer - dadurch schaden Sie den Betroffenen erheblich!

 

13. Schreiben von Appellbriefen kann auch Spaß machen.

Denken Sie beim Schreiben an die Person, der Sie helfen. Denken Sie an die enorme Zahl von Gefangenen, die durch Briefaktionen von Misshandlungen verschont blieben oder vorzeitig aus der Haft entlassen wurden. Viel Spaß beim Schreiben!

Beispiele, Textvorschläge und Fälle finden Sie unter der Rubrik "Appelle".

 

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