FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 10 – November 2025
Irak – Die Flüchtlingslager sollen schließen

Doch viele Jesiden haben keine Heimat mehr, in die sie zurückkehren können
„Ich heiße Zeri. Es schmerzt mich sehr, wenn ich die leeren Zelte nebenan sehe. Viele Familien sind bereits in ihre Heimat zurückgekehrt, aber ich habe nicht einmal ein Stück Land, wohin ich zurückkehren könnte. Mein Mann und ich sind seit unserer Flucht aus Shingal nun schon elf Jahre hier ohne Hoffnung, unsere Heimat wiederzusehen.“
Seit dem Pogrom der IS-Terroristen an der religiösen Gemeinschaft der Jesiden im August 2014 war IGFM-Referent Khalil Al-Rasho über 25-mal für mehrere Wochen im Irak, und zu jedem Einsatz gehört das Gespräch mit den Lagerbewohnern.
Die Jesidin Zeri erzählte, dass sie wegen Krebs und anderer Krankheiten wie auch ihr Mann mehrere Operationen hinter sich hatte, die alle Rücklagen aufgebraucht haben. Fast täglich müssten sie zur Behandlung in Kliniken gehen und könnten sich die Medikamente nicht leisten. „Ich war tief berührt und gab ihr spontan 150.000 irakische Dinar (etwa 100 Euro). Sie war überglücklich und wollte sich bedanken, aber Tränen erstickten ihre Stimme“, berichtet Al-Rasho nach seiner Rückkehr Anfang Oktober. „Beim Abschied begleitete sie mich bis zur Tür und sagte einen Satz, den ich nicht vergessen werde: „Ohne Menschen wie euch, die Gutes tun, wäre ich jetzt schon unter der Erde.“
Dass Flüchtlingslager nach so langer Zeit geschlossen werden, ist legitim, aber das darf nicht zur Verwahrlosung der Lager und ihrer Bewohner führen. Die IGFM wird denen, die Hilfe benötigen, weiter beistehen: mit Fortbildungskursen, finanzieller und humanitäre Hilfe, aber auch durch Druck auf lokale und regionale Behörden, Verantwortung zu übernehmen und die Flüchtlinge im Vertrauen auf Bindungskräfte ihrer religiösen Gemeinschaft nicht ihrem Schicksal zu überlassen. Unser nächster Einsatz im Irak ist für Dezember geplant. Wir kalkulieren mit Kosten in Höhe von circa 5.000 Euro und erbitten dafür Ihre Hilfe.
Dieser Artikel wurde publiziert in der November 2025-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
Jetzt spenden
Irak (89)
Zum Spendenformular
Weitere Beiträge der November 2025-Ausgabe
Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025
In Russland sind hunderte politische Gefangene im Alter zwischen 14 und 23 Jahren in Haft. Die IGFM unterstützt mit finanzieller Hilfe für die Tätigkeit ihrer Anwälte, für Reisekosten der Eltern, um ihre Kinder in entfernten Haftanstalten besuchen zu können, für gesunde Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und für Öffentlichkeitsarbeit, damit sie nicht vergessen werden.
Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025
Die baltischen IGFM-Sektionen Litauen und Lettland, die belarusische Organisation „Nash Dom“ und die deutsche IGFM-Sektion arbeiten zusammen um Geflüchteten aus Belarus, der Ukraine und Russland zu helfen. Ausnahmslos ehrenamtlich tätige IGFM-Mitglieder stellen in Wittlich jährlich mindestens 20 Hilfstransporte zusammen.
Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025
Im Jahr 2024 stiegen die Inhaftierungen von Christen im Iran um das Sechsfache. Mit äußerster Brutalität versucht der Staatsapparat, die wachsende Gemeinschaft jener Bürger einzuschüchtern, die den Islam verlassen und Christen werden. Die IGFM lässt nichts unversucht, die Lage von Glaubens- und Gewissensgefangenen sowie politischen Häftlingen zum Besseren zu wenden.
Zeitschrift: Für die Menschenrechte10 - 2025
Seit der Niederschlagung des „Arabischen Frühlings“ 2011 unterstützt die IGFM in Syrien die humanitäre Hilfe der „Blauen Maristen“. So wird jungen Menschen die Fortsetzung ihrer Schulbildung, die für viele Familien unerschwinglich ist, ermöglicht. Bereits mit 100 Euro kann einem jungen Menschen eine Zukunftsperspektive ermöglicht werden.
