Appell: Freilassung inhaftierter Bahá‘í

Die iranischen Behörden verschärfen die Verfolgung der Bahá’í trotz der anhaltenden Gesundheitskrise während der Corona-Pandemie. Die Haftbedingungen in den Gefängnissen machen es unmöglich Hygiene-Regeln einzuhalten. Zudem ist ihr Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt.
Bahá‘í: Appell an den Präsidenten der Islamischen Republik Iran und die gesamte iranische Regierung sowie an alle Abgeordneten der Iranischen Nationalversammlung (Madschles)


Frankfurt am Main, 17.07.2020 – Deutsche Parlamentarier, Menschenrechtler und Gesundheitsexperten fordern iranische Behörden auf, willkürliche Inhaftierungen und Verurteilungen von Bahá‘í unverzüglich einzustellen
Appell an den Präsidenten der Islamischen Republik Iran und die gesamte iranische Regierung sowie an alle Abgeordneten der
Iranischen Nationalversammlung (Madschles)
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,
die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sowie die aufgelisteten deutschen Parlamentarier, Menschenrechtler und Gesundheitsexperten appellieren dringend an Sie, die in Ihrem Land inhaftierten Bahá’í unverzüglich aus der Haft zu entlassen und alle Anklagepunkte gegen Anhänger dieser religiösen Minderheit fallen zu lassen.
Durch die Covid-19-Pandemie, die auch in Iran immer mehr Menschen betrifft, sind Häftlinge besonders gefährdet. Sie leben in den Gefängnissen äußerst beengt und oft unter unhygienischen Umständen, sodass es ihnen in der Regel unmöglich ist, den notwendigen Sicherheitsabstand und die Hygiene-Regeln einzuhalten. Zudem ist ihr Zugang zu medizinischer Versorgung eingeschränkt. Der Ausbruch des Virus in einigen Ihrer Haftanstalten bringt unzählige Menschenleben in Gefahr.
Die iranischen Behörden verschärfen die Verfolgung der Bahá’í trotz der anhaltenden Gesundheitskrise während der Corona-Pandemie. Mindestens 77 Personen wurden in den vergangenen zwei Monaten unter haltlosen Anschuldigungen verhaftet, vor Gericht geladen, angeklagt, zu Gefängnisstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt oder inhaftiert. In einer Gerichtsverhandlung in Schiras drohte ein Justizbeamter damit, die Bahá‘í-Gemeinde in der Stadt zu „entwurzeln“. Irans staatsnahe Medien intensivieren die öffentliche Diffamierung der Bahá’í durch eine zunehmend koordinierte Verbreitung von Desinformationen über ihren Glauben, wobei sie Fernsehkanäle, Zeitungen, Radiosender, Websites und soziale Medien zur Verunglimpfung der Bahá’í nutzen.
Wir fordern die iranische Staatsgewalt auf, die einzig aufgrund ihres Glaubens inhaftierten Bahá‘í freizulassen, sie von allen Anklagepunkten freizusprechen und sie ihren Glauben frei praktizieren zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM
Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)
Unterzeichner:
Dr. Bärbel Kofler, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung
MdB Gyde Jensen, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses im Bundestag
MdB Filiz Polat
MdB Frank Heinrich
MdB Prof. Dr. Heribert Hirte
MdB Kai Gehring
MdB Margarete Bause
MdB Martin Patzelt
MdB Omid Nouripour
MdB Yasmin Fahimi
MdL Berivan Aymaz
MdL Martina Feldmayer
MdEP Klaus Buchner
MdEP Michael Bloss
Markus Löning, ehemaliger Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung
Dr. Gundula Negele, Universität Augsburg
Helmut Gabel, Pressesprecher Karamat e.V.
Prof. Dr. Ingo Hofmann
Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der GfbV
Michael Leh, Vorstand der IGFM
Dr. Shamim Rafat, Transparency for Iran e.V.
Prof. Dr. Siegfried Scharrer, Evangelische Hochschule Nürnberg
Rebecca Schönenbach, Vorsitzende Frauen für Freiheit e.V.
Dr. phil. Christin Çelebi, DGPP, Universität Potsdam
Dr. med. Claudia von Both
Dr. med. Daniela Liebscher
Dr. med. habil. Hamid Peseschkian, Leiter der Wiesbadener Akademie für Psychotherapie
Dr. med. Hans Martin Noltenius
PD Dr. Dr. med. Neysan Rafat, Universitätsmedizin Mannheim
Dr. med. Roya Schayani-Mühlschlegel, Deutsche Rentenversicherung Knappschaft Bahn See