Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Zwischen Repression, Gewalt und wachsender Verzweiflung
86. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 16. März bis 23. März 2026
Im Zeitraum vom 16. bis 23. März 2026 bleibt die Lage im Iran von den Auswirkungen des andauernden militärischen Konflikts sowie von verstärkten innenpolitischen Repressionsmaßnahmen geprägt. Die iranischen Behörden halten an einem weitreichenden Internet-Blackout fest, der seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen immer wieder verschärft wurde. In vielen Teilen des Landes ist der Zugang zum Internet stark eingeschränkt oder vollständig unterbrochen. Dadurch wird die Kommunikation der Bevölkerung erheblich beeinträchtigt und eine unabhängige Berichterstattung über die tatsächliche Lage weiter erschwert.
Parallel dazu setzen die Behörden ihre harte Justizpraxis auch während des Krieges fort. Berichten zufolge wurden im aktuellen Berichtszeitraum drei junge Männer hingerichtet, denen im Zusammenhang mit Vorwürfen zur nationalen Sicherheit Straftaten zur Last gelegt wurden. Die IGFM kritisiert, dass die Verfahren nicht den internationalen Rechtsstandards entsprochen haben und unter Bedingungen stattfanden, die weder Transparenz noch eine wirksame Verteidigung ermöglichten.
Die gleichzeitige Fortführung von Internetbeschränkungen und Hinrichtungen unter Kriegsbedingungen verdeutlicht die weiterhin äußerst besorgniserregende Menschenrechtslage im Iran.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Der Jurastudent Danial Diani, wurde am 8. Januar 2026, in seiner Heimatstadt Kerman von Agenten der Islamischen Republik ermordet, weil er an Protesten teilgenommen hatte. Am 8. und 9. Januar 2026 gingen Millionen Menschen landesweit auf die Straßen, nachdem der iranische Kronprinz Reza Pahlavi einen Aufruf verbreitet hatte, von Zuhause mit Sprechchören gegen das Regime zu protestieren. Doch die Menschen blieben nicht zuhause und überall bildeten sich Protestmärsche.
Die 17-jährige Tabassom Salehi wurde am 9. Januar bei den landesweiten Protesten von den Streitkräften der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) getötet. Um ihre Leiche zurückzubekommen, wurde die Mutter dazu genötigt, zu sagen, dass sich ihre Tochter selbst umgebracht hätte. Die Familie brachte sie anschließend nach Arak und konnte sie dort beerdigen. Am 20. März wäre sie 18 Jahre alt geworden.
Die 16-jährige Sevda Akrami Fard, Schülerin der 10. Klasse aus Karadsch in der Provinz Alborz, wurde am 9. Januar in Malard durch einen Schuss ins Herz getötet. Den Angehörigen wurde nicht gestattet, einen Grabstein zu errichten. Aufgrund der Internetblockaden und der tausenden Getöteten und Verletzten erreichen Meldungen wie diese die Öffentlichkeit erst mit viel Verzögerung.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die 18-jährige Camelia Nazari aus Schiras, wurde am 10. Januar 2026 vor ihrem Wohnhaus von Sicherheitskräften festgenommen und befindet sich seitdem im Adolabad-Gefängnis in Haft. Die Behörden haben bislang keine klare Erklärung zum Grund der Festnahme oder zum Stand des Verfahrens abgegeben.
Der 1998 geborene Ringer Sina Shams wurde am 14. Februar gegen 20 Uhr nach einer Razzia im Haus seines Vaters am Shohada-Platz in Teheran festgenommen. Er wurde aus dem Badezimmer gezerrt, geschlagen und abgeführt. Auch sein Vater wurde bei der Razzia verletzt und das Eigentum der Familie beschlagnahmt.
Am Freitag, dem 18. März, wurde Awat Sargoli, ein Bürger aus Mahabad in der Provinz West-Aserbaidschan, von bewaffneten Einheiten festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Laut Berichten erfolgte die Festnahme ohne richterlichen Haftbefehl. Zum Zeitpunkt der Berichterstellung liegen keine Informationen über die Gründe für die Festnahme oder den Ort vor, an dem er festgehalten wird.
Neujahr im Iran und weitere Menschenrechtsverletzungen durch das Regime
Das neue Jahr im Iran (Nowruz) begann mit massiven Menschenrechtsverletzungen im Land. Doch auch im letzten Sonnen-Kalenderjahr (März 2025 bis März 2026) kam es zu zehntausenden gewalttätigen Vorfällen, wie die Nachrichtenagentur HRANA kürzlich berichtete
Laut HRANA wurden von März 2025 bis März 2026 mindestens 78.126 Personen allein aufgrund von Meinungsäußerungen festgenommen, davon mindestens 228 ohne richterlichen Haftbefehl. Darüber hinaus gab es 250 Fälle von körperlicher Gewalt, 126 Gerichtsverfahren, 75 Hausdurchsuchungen, 15 Fälle, in denen Veröffentlichungen für strafbar erklärt wurden, 26 Fälle von Internetfilterung, einen Fall von Beschlagnahmung eines Hauses und von Eigentum, 793 Protestversammlungen, 11.744 Vorladungen vor Sicherheits- und Justizbehörden sowie 74 Fälle, in denen Haftstrafen vollstreckt wurden. Von März 2025 bis März 2026 wurden mindestens 2.488 Menschen hingerichtet, darunter 63 Frauen und zwei jugendliche Straftäter. Davon fanden 13 Hinrichtungen öffentlich statt.
Im gleichen Zeitraum wurden 130 Personen, darunter zehn Frauen und ein jugendlicher Straftäter, zum Tode verurteilt, von denen vier zu einer öffentlichen Hinrichtung verurteilt wurden. Drei junge Männer wurden bereits hingerichtet. Es sei auch darauf hingewiesen, dass in diesem Zeitraum die ursprünglichen Todesurteile gegen weitere 45 Personen vom Obersten Gerichtshof bestätigt wurden.
Die erneute Internetblockade im Iran dauert nun bereits seit dem 28. Februar an, nunmehr also 25 Tage. Mit einer Dauer von über 552 Stunden zählt er zu den längsten, die jemals in einem Land verzeichnet wurden. Die internationale Internetverbindung bleibt für die breite Öffentlichkeit weiterhin so gut wie unzugänglich, während die Behörden eine selektive Whitelist für den weltweiten Zugang aufrechterhalten.








