Peyvand Naimi

Der Bahá’í Peyvand Naimi wurde ohne Beweise festgenommen und wird unter Folter sowie Scheinhinrichtungen zu falschen Geständnissen gezwungen. Aufgrund seiner religiösen Identität droht ihm in einem unfairen Verfahren die Todesstrafe, während ihm trotz kritischen Zustands jede medizinische Hilfe verweigert wird.
Seit dem 8. Januar 2026 grundlos in Haft
Peyvand Naimi stammt aus Kerman. Vor seiner Festnahme arbeitete er als Hundeverhaltensspezialist und -trainer. Verwandte und Bekannte beschreiben ihn als freundlich, mitfühlend und sehr tierlieb. Er war zudem in seinem Bekanntenkreis als talentierter Schwimmer und Wasserballspieler bekannt. Als Mitglied der Bahá'í-Gemeinde gehörte Peyvand zur größten nicht-muslimischen religiösen Minderheit im Iran, die seit der Gründung der Islamischen Republik systematisch verfolgt wird.
Festnahme und Haft
Am 8. Januar 2026 wurde Peyvand von Sicherheitskräften an seinem Arbeitsplatz festgenommen und in ein von der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) betriebenes Haftzentrum überführt. Die Behörden warfen ihm die Beteiligung an Protesten in Kerman vor, später auch die Tötung von drei Mitgliedern der Basij-Miliz während dieser Proteste. Es wurden keine Beweise vorgelegt, die zeigen, dass Peyvand Gewalt angewendet oder befürwortet hat, ebenso wenig war er in gewalttätige oder extremistische Aktivitäten verwickelt. Die Behörden warfen ihm zudem vor, den angeblichen Tod des ehemaligen Obersten Führers Ali Khamenei gefeiert zu haben, obwohl er zu diesem Zeitpunkt inhaftiert war und keinen Zugang zu Kommunikationsmitteln oder Nachrichten hatte. Es wurden keine glaubwürdigen Beweise zur Stützung dieser Anschuldigungen öffentlich vorgelegt.
Seit seiner Festnahme wurde Peyvand wiederholt zwischen dem Gefängnis von Kerman und Haftanstalten der Islamischen Revolutionsgarden hin- und her verlegt, um weiteren Verhören und Folter unterzogen zu werden, insbesondere nachdem Ende Februar 2026 neue Anschuldigungen erhoben worden waren.
Misshandlungen in Haft
Berichten zufolge wurde er wiederholt geschlagen, dem Schlaf entzogen, langwierigen Verhören unterzogen, in Einzelhaft gehalten und ihm wurden Nahrung und Wasser vorenthalten. Berichten zufolge waren seine Hände und Füße 48 Stunden lang gefesselt, während er zusätzlich an einer Wand angebunden war.
Besonders alarmierend ist, dass Peyvand bis jetzt mindestens zwei Scheinhinrichtungen ausgesetzt war. Berichten zufolge legten die Verhörenden ihm eine Schlinge um den Hals und drohten mit einer unmittelbar bevorstehenden Hinrichtung, um ihn zu einem Geständnis zu zwingen. Bei einem Vorfall wurde der Hocker unter ihm beinahe weggetreten.
Verfolgung als Bahá'í
Angehörige, Vertreter der Bahá'í und Menschenrechtsorganisationen sind der Ansicht, dass Peyvand Naimi in erster Linie aufgrund seiner religiösen Identität als Bahá'í ins Visier der Behörden genommen wurde. Es wurden nur sehr wenige Informationen über offizielle Gerichtsverfahren gegen Peyvand Naimi veröffentlicht, was schwerwiegende Bedenken hinsichtlich eines fairen und transparenten Verfahrens aufwirft. Der Fall scheint jedoch von Sicherheits- und Justizbehörden bearbeitet zu werden, die mit den IRGC und der Justiz in der Provinz Kerman verbunden sind. Einige Verwandte, die außerhalb des Iran leben, haben öffentlich über seinen Zustand in Haft und die Folter, die er erdulden muss, gesprochen.
Medizinische Versorgung
Angehörige berichten, dass er nach der Folter und der lang andauernden Einzelhaft unter unkontrollierbarem Augenzucken, Magen-Darm-Problemen, Erschöpfung und den Folgen der schweren psychischer Belastung litt. Trotz seines Zustands haben ihm die Behörden eine angemessene medizinische Versorgung verweigert.
Verfahren und Urteilsverkündung
Peyvand wurde der unmittelbare Zugang zu einem Anwalt verweigert, und er wurde langanhaltender Einzelhaft und Verhören ausgesetzt. Das staatliche Fernsehen sendete sein erzwungenes Geständnis, noch bevor ein Gerichtsverfahren stattgefunden hatte, was gegen die menschenrechtlichen Prinzipien der Unschuldsvermutung und die Standards für ein faires Verfahren verstößt. Nach den vorliegenden Informationen zufolge gibt es keine transparenten Gerichtsverfahren und keine glaubwürdigen Beweise, die öffentlich vorgelegt wurden, die die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stützen.
Bislang wurde noch kein endgültiges Urteil öffentlich verkündet. Familienangehörige und die IGFM befürchten, dass die Behörden auf der Grundlage von durch Folter erzwungenen Geständnissen die Todesstrafe verhängen könnten.
Stand: Juli 2026


