Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

Todesstrafe als Instrument der politischen Unterdrückung

114. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: 13. bis 20. April 2026

Allgemeine Lage:

Die Menschenrechtslage im Iran bleibt im Berichtszeitraum äußerst kritisch und ist geprägt von einer beispiellosen Welle staatlicher Repression. Diese manifestiert sich in systematischen Hinrichtungen, willkürlichen Massenverhaftungen und der anhaltenden digitalen Isolation der Bevölkerung. Seit Beginn des Jahres hat das Regime die Todesstrafe gezielt als Instrument der politischen Unterdrückung eingesetzt. Allein zwischen dem 30. März und dem 1. April 2026 wurden mindestens vier Dissidenten im Geheimen hingerichtet, während sieben weitere Protestierende – darunter auch Minderjährige – ohne faire Verfahren dem Tod durch Erhängen ausgesetzt sind. Der Justizminister Gholamhossein Mohseni Ejei beschleunigt dabei bewusst die Verfahren gegen politische Gegner, um die Hinrichtungen und die Einziehung ihres Vermögens als „legitime Selbstverteidigung“ zu rechtfertigen. Gleichzeitig hält die totale Internetsperre an. Seit 52 Tagen ist die Bevölkerung vom weltweiten Netz abgeschnitten. Dadurch ist nicht nur die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen unmöglich, es wird auch der wirtschaftliche und soziale Kollaps des Landes beschleunigt.

Die 20-jährige Faezeh Mosta’an wurde in der Nacht des 8. Januar 2026 in ihrer Heimatstadt Hashtgerd in der Provinz Alborz erschossen. Sie hatte einen Schulabschluss in Modedesign. Ihre Familie versteckte die Leiche zwei Tage lang in ihrem Haus, um zu verhindern, dass die Islamische Republik sie für eine Beerdigung wegnehmen konnte.

Azarnush Khorassani, ein achtjähriges Mädchen aus Mashhad, wurde am Freitag, dem 9. Januar, in der Provinz Razavi Khorasan auf der Straße von einer Kugel getroffen und erlag noch auf dem Weg ins Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Emad Schusch wurde am Mittwoch, dem 18. April 2004, in Lahijan durch vier Schüsse getötet. Er arbeitete als Barista und war im Jahr 2023 während der „Frau-Leben-Freiheit”-Bewegung festgenommen worden. Auch sein Bruder Ali Schusch wurde bei den Protesten im Jahr 2023 getötet.

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

Die beiden zum Tode verurteilten politischen Gefangenen Hamed Walidi und Nima (Mohammad) Massoum-Schahi wurden am 20. April ohne Benachrichtigung ihrer Familien und Anwälte hingerichtet. Die Anklage lautete „Spionage für Israel“. Die IGFM hat erfahren, dass beide stark unter Druck gesetzt worden sind, um sie zu einem Geständnis zu bringen. Sie wurden bereits am Sonntag, dem 19. April 2026, aus dem Zentralgefängnis von Karadsch (Provinz Alborz) an einen unbekannten Ort verlegt und nur wenige Stunden später hingerichtet.

Dem 22-jährigen Amir-Mohammad Mojallal Chobari droht die Todesstrafe. Ihm wird unter anderem „versuchter vorsätzlicher Mord durch den Versuch, Sicherheitskräfte zu überfahren“ vorgeworfen. Er wurde am 2. Januar 2026 in Teheran festgenommen. Amir-Mohammads Vater ist Arbeiter, seine Mutter Hausfrau. Zuvor hatte der Anwalt in diesem Fall von der Familie 6.000 Euro Honorar verlangt, um die Erteilung eines Hinrichtungsbefehls zu verhindern. Die Eltern konnten jedoch nur 1.000 Euro aufbringen. Seitdem hat der Anwalt nicht mehr reagiert. Amir-Mohammad wird seit seiner Festnahme im Rajaei-Shahr-Gefängnis in Karadsch (Provinz Alborz) festgehalten.

Die 22.jährige Aida Azimi Jozani aus Fardis, Karadsch, verließ am 28. Dezember 2025 um 19 Uhr ein Café in Teheran und wurde von mehreren Beamten in Zivil festgenommen. Nach einmonatiger Suche erfuhr die Familie, dass Aida sich in Shahr-e Rey (Provinz Teheran) in Quarantäne befindet. Obwohl vor einigen Tagen eine Kaution für ihre Freilassung hinterlegt wurde, gibt es immer noch keine Nachrichten von ihr.

Benyamin Naghdi, der am 3. Januar 2026 festgenommen wurde, sah sich kurz nach seiner Festnahme mit der Veröffentlichung eines Videos konfrontiert, in dem seine „Geständnisse“ in den staatlichen Medien gezeigt wurden. Geständnisse, die laut Informationen der IGFM unter Missachtung grundlegender Rechte und unter katastrophalen Haftbedingungen erzwungen wurden. Benyamin Naghdi droht die Todesstrafe.

Weitere Menschenrechtsverletzungen inmitten des Krieges

Der Internet-Blackout verschärft die ohnehin prekären Lebensbedingungen, lähmt den Handel und isoliert die Bürger in einer Zeit, in der Zuverlässigkeit und Transparenz überlebenswichtig wären. Laut NetBlocks ist der Iran bereits seit 52 Tagen von einem Totalausfall betroffen.

Trotz eines fragilen Waffenstillstands bleibt die Situation für die meisten Iraner:innen unsicher. Gleichzeitig führt das Regime Massenverhaftungen ohne Ankündigung oder faires Verfahren durch. Seit Kriegsbeginn wurden Hunderte Menschen unter vagen Vorwürfen wie „Spionage” oder „Zusammenarbeit mit ausländischen Akteuren” inhaftiert. Die Kombination aus digitaler Isolation, Kriegsrepression und willkürlichen Festnahmen zeigt einen Staat, der jeden Widerstand mit aller Härte zum Schweigen bringen will.

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Armin Monsaref

Anfang Februar 2026 wurde Armin Monsaref als junger politischer Denker und Analyst in seinem Elternhaus in Sardasht (West-Aserbaidschan) festgenommen. Seine veröffentlichten Analysen und Arbeiten erreichten ein breites Publikum aus unterschiedlichen Regionen Irans, darunter auch kurdisch geprägte Gebiete. Momentan sind keine Informationen über Armins Aufenthaltsort bekannt.

Navid Zarrehbin Irani

Navid Zarrehbin Irani wurde am 16. Januar 2026 von Sicherheitskräften der Islamischen Regierung in seinem Wohnhaus in Maschhad festgenommen. Seit der Festnahme hat seine Familie keine Informationen über seinen Aufenthaltsort. Ihm und anderen Bahá’ís, die grade verhaftet wurden, droht jetzt die Hinrichtung, ohne einen fairen Prozess.

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