Haleh Hosseini Ramandi

„Freiheit im Iran bedeutet Freiheit für die Welt.“
Bonn, 11. April 2026. Vortrag auf der Jahreshauptversammlung:
Haleh Hosseini Ramandi ist Frauenrechtlerin mit Wurzeln in Teheran und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Als Vorsitzende der Iranischen liberalen Frauen engagiert sie sich mit großer Entschlossenheit für die demokratische und freiheitliche Bewegung im Iran.
Im Folgenden geht es um systematische Menschenrechtsverletzungen im Iran während der Massenproteste von Dezember 2025 bis März 2026.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde eines demokratischen und freien Iran und eines friedlichen Nahen Ostens, ich bin heute hier, um über keine leichten Themen zu sprechen. Sie wissen bereits, dass wir uns in einer sehr dramatischen Lage befinden im Iran. Bei meinem heutigen Vortrag geht es um einen Bericht, den wir vor kurzem in unserem Verein, in der Arbeitsgruppe Menschenrechte, erarbeitet haben. Ich möchte Ihnen im Folgenden eine zusammenfassende Einordnung dieses Berichtes geben und die wichtigsten Ergebnisse mit Ihnen teilen.
Der vollständige Vortrag von Haleh Hosseini Ramandi als Video
Am 28. Dezember 2025 begannen koordinierte Demonstrationen in mehreren Provinzen des Iran und breiteten sich rasch landesweit aus, sodass alle 31 Provinzen und mehr als 200 Städte erreicht wurden. Die Mobilisierung umfasste Studierende, Arbeiter, Frauengruppen, Fachkräfte, Rentner sowie Mitglieder verschiedener ethnischer und religiöser Gemeinschaften. Die geografische Reichweite und die politischen Ziele unterscheiden diese Ereignisse von früheren Protestzyklen.
Die Demonstrierenden forderten öffentlich strukturelle politische Veränderungen und das Ende des Regimes. In dieser Zeit trat Prinz Reza Pahlavi als zentrale politische Führungsstimme hervor, bezeichnete die Ereignisse als nationale Revolution und rief zu koordiniertem zivilem Widerstand sowie zur Verweigerung unrechtmäßiger Befehle durch Angehörige der Streitkräfte auf. Seine Aussagen verbreiteten sich weit, bevor die digitalen Einschränkungen verschärft wurden.
Dieser Bericht basiert auf abgeglichenen Dokumentationen unabhängiger Menschenrechtsbeobachtungsstellen, investigativer Berichterstattung persischsprachiger und internationaler Medien, verifizierten Fallakten sowie Zeugenaussagen, die in gesicherten Archiven der berichtenden Organisation aufbewahrt werden. Keine einzelne Quelle bildet die alleinige Beweisgrundlage; die Ergebnisse wurden über mehrere Dokumentationskategorien hinweg bestätigt.
Die Dokumentation erfolgte unter schweren staatlich auferlegten Einschränkungen. Die Behörden setzten landesweite Internetsperren und Bandbreitendrosselungen durch. Digitale Plattformen wurden gefiltert und Kommunikationswege überwacht, was die Echtzeitübermittlung fotografischer und videobasierter Beweise einschränkte.
Familien der Getöteten oder Inhaftierten berichteten von Druck, Identitäten, Todesumstände oder Haftorte nicht zu veröffentlichen. In einigen Fällen wurden Angehörige angewiesen, Todesfälle alternativen Ursachen zuzuschreiben. Diese Praktiken behinderten die Transparenz erheblich.

Haleh Hosseini Ramandi während der Präsentation. Foto: IGFM
Muster beim Einsatz von Gewalt und bei Verhaftungsoperationen zeigten eine operative Einheitlichkeit über geografisch weit entfernte Regionen hinweg. Berichte dokumentieren den Einsatz scharfer Munition, den Einsatz von Scharfschützen, Massenverhaftungen, Misshandlungen in Haft sowie ausgestrahlte Geständnisse, die parallel in verschiedenen Provinzen stattfanden.
Die Wiederholung identischer Taktiken innerhalb sich überschneidender Zeiträume stützt die Schlussfolgerung, dass die Repression zentral koordiniert und nicht lokal zufällig war.
Unabhängige Dokumentationen bestätigen, dass mindestens 40.000 Personen in den ersten Monaten der Revolution getötet wurden. Die Verhaftungszahlen überstiegen im gleichen Zeitraum 50.000 Fälle. Unter den Inhaftierten befinden sich Männer, Frauen und Minderjährige sowie Studierende, Journalisten und gewöhnliche Zivilpersonen. Aufgrund von Internetsperren und Einschüchterung von Familien stellt die bestätigte Zahl der Todesopfer einen dokumentierten Mindestwert dar.
Das Ausmaß tödlicher Gewalt und Inhaftierungen stellt eine der größten dokumentierten Repressionswellen in der Geschichte der Islamischen Republik dar.
Sicherheitskräfte setzten scharfe Munition gegen zivile Demonstrierende ein. Dokumentierte Waffen umfassen halbautomatische Gewehre, Scharfschützengewehre, großkalibrige Feuerwaffen und Schrotflinten mit Metallgeschossen. Medizinische Dokumentationen bestätigen Schussverletzungen, die sich auf Kopf, Hals und Brust konzentrieren. Dieses anatomische Zielmuster weist auf eine gezielte tödliche Absicht hin und nicht auf wahllosen Beschuss.
Die Repression erstreckte sich auch auf medizinische Einrichtungen. Zeugenaussagen und fotografische Beweise bestätigen, dass verletzte Demonstrierende von Sicherheitskräften innerhalb von Krankenhäusern lokalisiert wurden. In dokumentierten Fällen erhielten verletzte Personen aus nächster Nähe Schüsse in den Kopf, während sie sich in medizinischer Behandlung befanden.

Zusammenfassung der Präsentation von Haleh Hosseini Ramandi
Die vorsätzliche Tötung verletzter Personen in medizinischen Einrichtungen stellt eine außergerichtliche Hinrichtung dar.
Mehrere Inhaftierte starben nach ihrer Festnahme. Offizielle Dokumentationen führten die Todesfälle auf nicht gewaltsame Ursachen zurück, doch fotografische Beweise und Zeugenaussagen dokumentieren sichtbare Verletzungen, die mit diesen Erklärungen nicht übereinstimmen. Die Muster umfassen stumpfe Gewalteinwirkungen und Hinweise auf Folter.
Verhaftungen erfolgten während Demonstrationen, durch nächtliche Hausdurchsuchungen sowie durch Vorladungen von Sicherheitsbehörden. Inhaftierte hatten keinen zeitnahen Zugang zu rechtlichem Beistand und wurden nicht über transparente Anklagen informiert. Familien blieben häufig über die Haftorte im Unklaren.
Seit dem Beginn des Kriegs wurden zusätzlich mindestens 1478 Personen im Zeitraum vom 28. Februar bis zum 25. März 2026 verhaftet. Staatliche Stellen meldeten darüber hinaus weitere Festnahmen sowie die Einstufung von hunderten Personen als „Störer der Sicherheit“ im Cyberspace. Die Vorwürfe reichen von Spionage und Informationsweitergabe bis hin zu Online-Aktivitäten, wobei in vielen Fällen bereits das Versenden von Fotos oder Videos ausreicht, um kriminalisiert zu werden.
Zusätzlich wird selbst der Zugang zu freiem Internet kriminalisiert. Betroffene werden nicht als Beschuldigte behandelt, sondern als „Spione“, „Terroristen“, „Söldner“ oder „Agenten des Feindes“ bezeichnet, während gleichzeitig die Bevölkerung zur Denunziation aufgerufen wird.
Staatlich kontrollierte Medien sendeten aufgezeichnete Geständnisse vor einer gerichtlichen Entscheidung. Sicherheitskräfte gingen zudem gezielt gegen Studierende vor, drangen in Universitäten und Wohnheime ein und verhafteten auch Minderjährige.

Haleh Hosseini Ramandi und Valerio Krüger auf der Jahreshauptversammlung 2026. Foto: IGFM
Familien wurde der Zugang zu den Leichen ihrer Angehörigen teilweise über Wochen hinweg verweigert. In einigen Fällen wurden hohe Geldforderungen für die Freigabe gestellt, während gleichzeitig Druck ausgeübt wurde, falsche Erklärungen zu den Todesumständen zu unterzeichnen.
Parallel dazu wurden Justizstrukturen instrumentalisiert. Inhaftierte wurden unter weit gefassten nationalen Sicherheitsbestimmungen angeklagt, darunter Tatbestände, die historisch mit der Todesstrafe verbunden sind. Beschleunigte Verfahren und eingeschränkter Zugang zur Verteidigung untergruben rechtsstaatliche Prinzipien.
Die dokumentierten Handlungen umfassen Mord, Inhaftierung, Folter und politische Verfolgung. Die Verantwortung erstreckt sich dabei über die unmittelbaren Täter hinaus auf Führungsebenen und politische Entscheidungsträger.
Abschließend zeigen die Ereignisse im Zeitraum der Nationalen Revolution von 2025–2026 eine landesweite, koordinierte staatliche Reaktion, geprägt von tödlicher Gewalt, Massenverhaftungen, Misshandlungen in Haft, digitaler Unterdrückung und der Einschränkung grundlegender Rechte.
Diese Entwicklungen stellen schwerwiegende Verstöße gegen internationale Menschenrechtsstandards dar und erfordern unabhängige Untersuchungen sowie wirksame Rechenschaftsmechanismen.
Freiheit im Iran bedeutet Freiheit für die Welt. Dieser Kampf ist auch unser Kampf. Wenn Iranerinnen und Iraner frei sind, wenn der Iran eines Tages wieder frei und demokratisch ist, dann gewinnen wir nicht nur einen freien Iran und einen friedlicheren Nahen Osten, sondern kommen einer friedlichen Welt einen großen Schritt näher.


