Zum Inhalt springen

Menschenrechte verteidigen beginnt mit Hinsehen.

Aktuelle Fälle
IGFM Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte
Jetzt Spenden

Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

Vier Jahre „Frau, Leben, Freiheit“: Das Regime verfolgt weiter 

257. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: 7. September 2026 bis 22. September  

Allgemeine Lage: 

Die Lage im Iran ist weiterhin von den Folgen des anhaltenden Krieges, wirtschaftlicher Not und zunehmendem Druck auf die Bevölkerung beeinflusst. Nachdem die militärischen Auseinandersetzungen zuletzt weniger direkt geführt wurden, warnte die Militärführung der Islamischen Republik am 21. September vor einer möglichen Wiederaufnahme von US-amerikanischen Angriffen und kündigte für diesen Fall Gegenmaßnahmen an. Für viele Menschen bedeutet die anhaltende Kriegsgefahr zusätzlichen Stress und Unsicherheit im Alltag. Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Belastung: Die Inflation bleibt auf einem sehr hohen Niveau, die Landeswährung hat weiter an Wert verloren und es kommt zu Engpässen bei Benzin und Strom.

Seit Mitte September richtet sich der staatliche Druck zudem verstärkt gegen politisch aktive Iraner im Ausland. Über die neu eingerichtete Online-Plattform „Alaj" können Informationen zu im Ausland lebenden iranischen Aktivisten und Regierungskritikern gesammelt werden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) sieht darin einen weiteren Anlass zur Sorge über den zunehmenden Druck auf politisch aktive Iraner, auch außerhalb des Landes. Für die iranische Bevölkerung innerhalb und außerhalb des Landes bedeutet dies eine Ausweitung der staatlichen Überwachung und ein zusätzliches Gefühl der Unsicherheit. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Iran vom 7. bis zum 22. September 2026. 

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle

Amirhossein Nobkht war 21 Jahre alt, stammte aus Baqershahr bei Teheran und arbeitete als Tätowierer und Sportler. Am 8. Januar 2026 wurde er von einem Schrotgeschoss getroffen und ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde er wegen seiner Tattoos mit den Motiven „Schah", „Krone" und „Iran" gefoltert: Die Haut wurde an den Stellen, an denen er Tattoos hatte, aufgerissen, seine Nase und sein Kinn zerschlagen und er verlor das Bewusstsein. Schließlich wurde er im Krankenhaus „Haft-Tir" in Teheran erschossen. 

Der 18-jährige Amir Hossein Eshghi wurde am Mittwoch, dem 8. Januar 2026, in der Nähe der Polizeistation Yaftaabad in Teheran von hinten von einer Kugel getroffen. Als sein 14-jähriger Bruder Arian die Schüsse hörte, ging er aus dem Haus und wurde ebenfalls getötet. Die beiden wurden in einem zweistöckigen Grab nebeneinander beigesetzt. 

Ein Rückblick auf 2022:

Die 17-jährige Nika Shakermi wurde am 20. September 2022 in Teheran von Terroristen der Islamischen Republik entführt und ermordet, als sie auf die Straße gegangen war, um gegen die kinderfeindliche Regierung zu demonstrieren. 

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

In einer Audiobotschaft aus dem Gefängnis „Vakilabad" in Mashhad (Provinz Razavi Khorasn), die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, gab Najmeh Amini, eine der bei den Protesten im Januar 2026 Festgenommenen, bekannt, dass sie von der Justiz zum Tode verurteilt worden sei. Die Gerichtsverhandlung zu den Anklagepunkten gegen Najmeh Amini fand im August 2026 vor dem Revolutionsgericht in Maschhad statt. Sie wurde wegen "Versammlung, Aufruhr und Beleidigung der Heiligen und der Imame" angeklagt.  

Das Todesurteil gegen Ali Rahimi Rigi, der im Januar 2026 in Lordegan (Provinz Tschahar Mahal und Bachtiyari) bei den Protesten festgenommen wurde, wurde im Berufungsverfahren bestätigt. Den veröffentlichten Informationen zufolge wurde ihm während des Verfahrens der Zugang zu einem Anwalt verwehrt. Er soll die Anklagepunkte gestanden haben, um seine Freunde und Angehörigen zu schützen. Dem 31-Jährigen wirdKriegsführung" und „Untergrabung der öffentlichen Ordnung" vorgeworfen 

Omidreza Heidari, ein 19-jähriger Student aus Provinz Isfahan, ist aufgrund erfundener Anschuldigungen von der Todesstrafe bedroht. Er wurde am 10. Februar 2026 im Zuge der nationalen Revolution „Löwe und Sonne" bei einem Überfall von in Zivil gekleideten Schlägern des Regimes festgenommen und eine Zeit lang in verschiedenen Haftanstalten festgehalten.  

Weitere Menschenrechtsverletzungen: 

Am 20. September 2026 durchsuchten Mitarbeiter der Geheimdienstbehörde gleichzeitig die Wohnungen von fünf Mitgliedern einer Baháʼí-Familie sowie einen mit ihnen in Verbindung stehenden Arbeitsplatz in Schiraz, Provinz Fars. Im Zuge dieser Aktion wurden zahlreiche persönliche Gegenstände und elektronische Geräte der Geschwister Mina, Mahshid, Mahboobe, Pejman und Parham Zareh beschlagnahmt. Zudem wurden Naznin Nikosarast, die Ehefrau von Pejman Zareh, sowie Mina, Mahshid, Mahboobe und Parham Zareh in die als „Pelak 100" bezeichnete Haftanstalt des Geheimdienstes in Schiraz vorgeführt. Dies ist der fünfte Angriff auf Bahá'í-Häuser, der bisher bekannt wurde. 

Golshan Fathi, eine zivilgesellschaftliche Aktivistin, berichtete, dass alle ihre Mobilfunkanschlüsse gesperrt wurden und die Nutzung ihrer nationalen Identifikationsnummer für den Kauf einer neuen SIM-Karte eingeschränkt wurde. Zudem wurde ihr der Zugang zu einer Reihe von offiziellen Plattformen und alltäglichen Dienstleistungen unterbunden sowie die Nutzung eines Telefonanschlusses eingeschränkt, der einer Person gehört und ihr mit deren Einverständnis zur Verfügung gestellt worden war. 

Die Bürgerrechtlerin betonte auf ihrem Account im sozialen Netzwerk X, dass solche Einschränkungen das normale Leben und das bürgerliche Engagement beeinträchtigten, und forderte die zuständigen Behörden auf, die rechtlichen Grundlagen, die gegen sie erhobenen Vorwürfe sowie die für diese Entscheidungen verantwortliche Stelle transparent offenzulegen. 

Sie ist eine von vielen ehemaligen politischen Gefangenen, die über ihren eingeschränkten Alltag berichten – selbst nachdem ihre Haftzeit beendet ist. Einige andere Häftlinge berichteten, dass sie auf einer schwarzen Liste von Unternehmen stünden, was sie daran hindere, eine Arbeit zu finden und ein Einkommen zu haben. 

Der 21. September 2026 ist der vierte Jahrestag eines der blutigsten Tage der „Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung. Dutzende Demonstranten wurden – darunter Hadith Najafi, Sarina Ismailzadeh, Ghazaleh Chelabi und Hananeh Kia – von Regierungskräften getötet. 

In einem kürzlich veröffentlichten Bericht über die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit" stuft Amnesty International die blutige Unterdrückung der Demonstranten während der Mahsa-Bewegung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. 

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Parsa Najafi

Parsa Najafi ist Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Bahá’í im Iran und wurde am 6. Juni 2026 in der Stadt Isfahan ohne Anklage festgenommen. Seitdem sitzt er im Gefängnis Dastgerd in Isfahan und erhält keinen anwaltlichen Beistand.

Pejman Zareh

Pejman Zareh, Angehöriger der Bahá'í-Gemeinschaft im Iran, sitzt seit dem 14. März 2026 ohne Anklage in Haft. Fordern Sie mit uns seine Freilassung und den Zugang zu dringend notwendiger medizinischer Versorgung.

Elke Zimmer übernimmt politische Patenschaft

Todesstrafe abgewendet, doch weiterhin in Haft: Die baden-württembergische Landtagsabgeordnete Elke Zimmer (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt die iranische Arbeitsrechtsaktivistin Sharifeh Mohammadi gemeinsam mit der IGFM. Mit der Übernahme einer politischen Patenschaft setzt die Politikerin ein klares Zeichen gegen die drakonische Justiz des iranischen Regimes und fordert die sofortige Freilassung der im Lakan-Gefängnis inhaftierten Mutter.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben