Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
70 Hinrichtungen im Oktober und Verschärfung der digitalen Kontrolle
292. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 5. Oktober bis 27. Oktober 2026
Allgemeine Lage
Der Iran ist nach wie vor von Hinrichtungen, staatlicher Repression und einer schweren Wirtschaftskrise geprägt. Wie die IGFM erfahren hat, wurden im Oktober 70 Menschen hingerichtet – darunter politische Gefangene und Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten festgenommen worden waren. Zugleich drohte die Islamische Republik damit, im Falle neuer US-amerikanischer oder israelischer Angriffe Unterseekabel im Persischen Golf ins Visier zu nehmen. Dies könnte den Internetzugang in der Region zusätzlich beeinträchtigen. Die wirtschaftliche Lage verschärft den Alltag vieler Menschen: Steigende Preise und sinkende Kaufkraft machen es zahlreichen Familien schwer, ihre grundlegenden Ausgaben zu decken. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Iran vom 5. bis zum 27. Oktober 2026.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Der 22-jährige Arshia Barari aus der Provinz Zanjan war Student, Leistungssportler und Meister im Fitness- und Karate. Er wurde am 8. Januar 2026 während der Volksproteste in Zanjan getötet, als er Verwundeten half. Schwer verwundet lag er mehrere Stunden auf der Straße, bevor er seinen Verletzungen erlag.
Die 47-jährige Mutter zweier Kinder, Azam Hassani, wurde am 8. Januar 2026 von Agenten der Islamischen Republik erschossen.
Alireza Seydi, ein 16-jähriger kurdischer Jugendlicher, wurde am Abend des 8. Januar 2026 vor einem Regierungsgebäude angeschossen und schwer verletzt. Er erlag auf dem Weg ins Krankenhaus seinen inneren Verletzungen. Seine Beerdigung und die 40-Tage-Zeremonie in Abdanan wurden zum Schauplatz weitreichender regierungsfeindlicher Proteste: Seine Schwester zerwühlte symbolisch ihre Haare, und die Anwesenden weigerten sich, das Begräbnisgebet zu sprechen. Die Regimebeamten setzten die Familie erfolglos unter Druck, ihn zum „Märtyrer der Regierung" zu erklären.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtungen:
Der Anwalt Amirsalar Davoudi, der sich am 11. Oktober 2026 zum Revolutionsgericht in Isfahan begeben hatte, um Mahshid Keshani zu verteidigen, wurde festgenommen. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Amirsalar hatte jahrelang politisch und ideologisch Angeklagte verteidigt und eine Reihe von zum Tode Verurteilten sowie Demonstranten vom 8. und 9. Januar 2026 vertreten – darunter Ali Reza Sepahi und Ali Reza Raisi, die beide hingerichtet wurden. Er hatte die Hochzeit von Ali Reza Sepahi und Mahshid Keshani bekannt gegeben und um ein Treffen gebeten.
Der 16-jährige Sportler Amirarsalan Hosseinabad aus Markazi in der Provinz Arak wurde während der Proteste im Januar dieses Jahres festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Bei seiner Festnahme und während seiner Haft wurde er schwer gefoltert.
Am 15. Oktober 2026 wurden die 20-jährige Sarina Zaeri, der 21-jährige Barbod Sepehri und die 19-jährige Arshia Jaberi in Schiras in der Provinz Fars festgenommen. Seit mehr als 50 Tagen sind die drei Bahai-Bürger inhaftiert – erst im Surosh Gefängnis und nun im Adelabad-Gefängnis in Schiras. Die Bemühungen ihrer Familien, ihre Freilassung gegen Kaution zu erwirken, blieben bislang erfolglos.
Weitere Menschenrechtsverletzungen:
Wie die IGFM erfahren hat haben hochrangige Behörden im Iran in einem offiziellen, verbindlichen Schreiben betont, dass im Falle eines neuen Krieges der Zugang der Nutzer im Iran zum Internet unverzüglich gesperrt werden muss. Würde diese Entscheidung umgesetzt werden, befürchtet die IGFM, dass es zu ähnlichen Situationen bezüglich der weitreichenden Internetbeschränkungen kommen würde wie während des 12-tägigen Krieges, der Proteste im Dezember 2023 und des 40-tägigen Krieges.
Die Internet- und Telekommunikationsanbieter im Iran haben ab Freitag, dem 23. Oktober 2026 eine Preiserhöhung für Anrufe, SMS und mobile Datenpakete um bis zu 40 Prozent angekündigt. Die neuen Tarife werden schrittweise über alle Vertriebskanäle eingeführt. Der Anbieter „Irancell" kündigte zusätzlich eine Preiserhöhung von 40 Prozent für seinen Festnetz-Internetdienst an.
Die Internetpreise wurden im vergangenen Jahr bereits in zwei Schritten erhöht. Im Dezember 2025 wurden die Tarife um 20 Prozent und im März des vergangenen Jahres um 18 Prozent erhöht.
Diese erneute Erhöhung der Internetpreise erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das iranische Internetnetz als eines der qualitativ schlechtesten und instabilsten weltweit gilt.
Der am 22. Oktober 2026 von Freedom House veröffentlichte jährliche Bericht „Internet Freedom 2026" stellt fest, dass der Iran auf der 100-Punkte-Skala für Internetfreiheit vom 13. auf den 9. Platz zurückgefallen ist und nun neben China und Myanmar als eines der Länder mit den repressivsten Internetbedingungen weltweit gilt.








