Venezuela – Forum

Carlos Julio Rojas, Javier Tarazona, Martha Tineo Rodríguez & Víctor Capozzi. Fotos: privat.
Politische Gefangene in Venezuela / Presos políticos en Venezuela
Eine institutionalisierte menschliche Tragödie / Una tragedia humana institucionalizada
Termin: 21. Oktober 2026 10:00 Venezuela | 15:00 Deutschland
Ort: Teams (Anmeldung über presse[@]igfm.de)
Sprache: Spanisch
Fecha: 21 de octubre de 2026 10:00 Venezuela | 15:00 Alemania
Lugar: Teams (Inscripción a través de presse[@]igfm.de)
Idioma: Español
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen,
die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) hat die Ehre, Sie zum internationalen Forum „Politische Gefangene in Venezuela: Eine institutionalisierte menschliche Tragödie" einzuladen. Die Veranstaltung bringt Menschenrechtsexperten, (ehemalige) politische Gefangene sowie Angehörige von Personen zusammen, die aus politischen Gründen ihrer Freiheit beraubt wurden.
Das Treffen beleuchtet diese Realität aus einer humanitären, rechtlichen und persönlichen Perspektive und stellt die Opfer und ihre Familien in den Mittelpunkt. Hinter jeder willkürlichen Verhaftung verbirgt sich eine Geschichte von Trennung, Ungewissheit und Leid. Das Fehlen von Informationen über den Aufenthaltsort, den Gesundheitszustand oder die rechtliche Situation einer inhaftierten Person verschiebt die Strafe weit über die reine Inhaftierung hinaus und macht Angehörige zu Opfern anhaltender institutioneller Gewalt.
Diese menschliche Tragödie besitzt zudem eine tiefgreifende rechtliche Dimension. Der Freiheitsentzug aus politischen Gründen verletzt Grundrechte wie die persönliche Freiheit, ein ordnungsgemäßes Verfahren, das Recht auf Verteidigung, die physische und psychische Unversehrtheit sowie den Zugang zu Justiz. Wenn diese Festnahmen mit Isolationshaft, Verschleppung, Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung einhergehen, werden nicht nur die individuellen Grundrechte verletzt: Es werden auch die Grundlagen des Rechtsstaats untergraben und ein System der Einschüchterung der Gesellschaft etabliert.
Auf die Schwere der Lage wies auch die Internationale Unabhängige Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für Venezuela erneut hin. In ihrem Bericht vom 16. September 2026 kam die Kommission zu dem Schluss, dass trotz einiger Freilassungen und des Rückgangs bestimmter Formen der Unterdrückung die institutionellen Strukturen, Gesetze und Praktiken, die schwere Menschenrechtsverletzungen ermöglicht haben, im Wesentlichen unverändert bestehen bleiben. Die Vereinten Nationen wiesen darauf hin, dass zwischen 379 und 500 Personen weiterhin aus politischen Gründen inhaftiert sein könnten, und dokumentierten 64 neue Fälle von Folter und Misshandlungen nach dem 3. Januar 2026. Die Kommission dokumentierte zudem besonders grausame Praktiken gegenüber Personen, die aus politischen Gründen inhaftiert wurden. Diese Schlussfolgerungen zeigen, dass der Abbau bestimmter Formen der Unterdrückung weder mit der Zerschlagung des Apparats gleichzusetzen ist, der diese erst ermöglicht hat, noch eine dauerhafte Verbesserung der Menschenrechtslage garantiert.
Hinzu kommt, dass zahlreiche Freilassungen nicht zur vollständigen Wiedererlangung der Freiheit geführt haben. Einige Personen unterliegen weiterhin Strafverfahren, Überwachung, Mobilitätseinschränkungen oder anderen Kontrollmaßnahmen, so dass die Unsicherheit und das Leid der Opfer und ihrer Familien nicht endet.
Angesichts dieser Realität bietet das Forum den Raum für eine ausführliche Analyse anhand der Aussagen von Personen, welche die politische Haft und deren Folgen am eigenen Leib erfahren haben. Ihre Aussagen verdeutlichen, dass sich diese Verletzungen nicht auf Zahlen oder Akten reduzieren lassen: Jeder einzelne Fall steht für ein zwischenzeitig unterbrochenes Leben, eine betroffene Familie und eine noch offene Schuld in Bezug auf Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und Garantien gegen eine Wiederholung.
Es sprechen:
- Martha Tineo Rodríguez: Anwältin, Spezialistin für Menschenrechte und Kriminalistik, Aktivistin und Koordinatorin von Justicia, Encuentro y Perdón.
- Javier Tarazona: Doktor der Erziehungswissenschaften, Universitätsprofessor, Menschenrechtsaktivist, Direktor von Fundaredes und (ehemaliger) politischer Gefangener.
- Carlos Julio Rojas: Journalist, Aktivist für Bürgerrechte, Menschenrechtsverteidiger und (ehemaliger) politischer Gefangener.
- Víctor Capozzi: Ingenieur, Menschenrechtsaktivist, Angehöriger des politischen Gefangenen Juan Marrufo und Regionalkoordinator in der Verwaltung der politischen Partei Vente Venezuela in Carabobo.
- Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM.
- Moderation: Paulina Facchin Arp, Anwältin, Menschenrechtsaktivistin und IGFM-Expertin für Lateinamerika.
Die IGFM lädt Vertreter von Medien, Menschenrechtsorganisationen, akademischen Einrichtungen, politischen Entscheidungsträgern und Mitglieder der Zivilgesellschaft zur Teilnahme an diesem Treffen ein. Den Opfern zuzuhören, ihre Zeugnisse zu bewahren und Verantwortlichkeiten einzufordern, ist eine Pflicht gegenüber denjenigen, die weiterhin willkürlich ihrer Freiheit beraubt sind, sowie gegenüber den Familien, die weiterhin Wahrheit und Gerechtigkeit einfordern.
Der Zugangslink für Microsoft Teams wird den angemeldeten Personen zugesandt.
Wir danken Ihnen für Ihre Teilnahme.
Mit herzlichen Grüßen aus Frankfurt am Main,
Valerio Krüger
Sprecher des Vorstands der IGFM




