Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Zwischen Hinrichtungen, Haft und staatlicher Gewalt
217.Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 22. Juli 2026 bis 10. August 2026
Allgemeine Lage:
In den vergangenen Wochen haben die iranischen Behörden erneut deutlich gemacht, wie sie die aktuelle politische Lage für eine Ausweitung staatlicher Repression nutzen. Festnahmen, Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die Verfolgung kritischer Stimmen gehen weiter. Gleichzeitig erreicht die Zahl der Hinrichtungen ein alarmierendes Ausmaß. Laut Angaben vieler Medien und NGOs wurden im Juli mindestens 71 Menschen hingerichtet, darunter sechs Personen im Zusammenhang mit den Protesten. Weitere Hinrichtungen wurden Anfang August gemeldet. Damit bleibt die Todesstrafe eines der wichtigsten Mittel der iranischen Justiz gegen die eigene Bevölkerung. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über die Entwicklungen vom 22. Juli bis zum 10. August 2026.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Sara Saeedi, eine 39-jährige Mutter zweier Töchter aus Mashhad in der Provinz Razavi-Khorasan, wurde am 9. Januar 2026 im Stadtteil Imamiyeh durch einen direkten Schuss in Kopf und Gesicht von Regimekräften getötet. Ihrer Familie wurde der Leichnam nach drei Tagen gegen Geld und mit der Auflage, keine Beerdigungszeremonie abzuhalten, übergeben. Auf ihrer Sterbeurkunde wurde „Zusammenstoß mit landwirtschaftlichen Maschinen“ als Todesursache angegeben.
Karim Heydari wurde am 8. Januar 2026 bei Protesten vor der Provinzverwaltung von Bandar Ganaveh in der Provinz Bushehr erschossen. Der 31-Jährige war verheiratet und Vater einer zweijährigen Tochter. Ein Verwandter von Karim berichtete auf Instagram, dass nach dessen Mord die Bankkonten und SIM-Karten seiner Familie gesperrt worden seien. Seine Angehörigen seien gezwungen worden, ihr Geschäft zu schließen. Anschließend hätten die Behörden sogar das Nummernschild ihres Autos unter Verschluss genommen.
Nazanin Zahra Salehi, ein 13-jähriges Mädchen aus der Provinz Kermanshah, wurde am Abend des 9. Januar 2026 während der Volksproteste durch einen direkten Schuss von Regierungskräften getötet.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Am 28. Juli 2026 wurden Abolfazl Sepahi und Amirhossein Safari, die während der Proteste im Januar 2026 auf dem Alikhani-Platz in Isfahan festgenommen worden waren, öffentlich hingerichtet. Die beiden wurden in einem als „Isfahan-Ali-Khan-Platz"-Fall bekannten Verfahren vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Vor einiger Zeit wurden bereits Erfan Esfandiari und Gol Mohammad Mohammadi, zwei weitere Angeklagte in diesem Fall, hingerichtet.
Mohammad Javad Mohammadzadeh Tavasani, ein Student aus Rasht, wurde im Zusammenhang mit den Protesten im Januar 2026 festgenommen. Er wird seit fast sechs Monaten ohne gerichtliche Entscheidung im Azbarem-Gefängnis in Lahijan festgehalten. Sein Fall wird derzeit bei der Staatsanwaltschaft in Lahijan verhandelt. Ihm wird unter anderem „Handlungen gegen das System", „Zusammenarbeit mit ausländischen Medien und feindlichen Gruppen oder Regierungen" sowie „Zusammenarbeit mit dem zionistischen Regime" zur Last gelegt.
Sima Sabto, eine verheiratete Frau und Mutter zweier Töchter im Alter von 19 und 24 Jahren, wurde am 23. Juni 2026 von Angehörigen der Islamischen Republik in ihrer Wohnung in Schiraz festgenommen. Die Baháʼí-Bürgerin wurde nach ihrer Festnahme mehrfach verhört und wegen Propaganda gegen das Regime angeklagt.
Am selben Tag wurde auch Nahid Falahati, eine weitere Baha’i-Bürgerin, in Shiraz von den Kräften der Revolutionsgarden (IRGC) festgenommen und in das Adel-Abad-Gefängnis überführt.
Ebenfalls am 23. Juni 2026 wurde Saeed Hasani in Shiraz von Agenten der Revolutionsgarden der Islamischen Republik festgenommen. Sie durchsuchten seine Wohnung und beschlagnahmten einige seiner persönlichen Gegenstände. Anschließend wurde er in das Adel-Abad-Gefängnis der Stadt überführt und dort in Einzelhaft genommen. Der 37-jährige Bahá’í aus Shiraz war bereits zuvor wegen seiner Aktivitäten festgenommen worden und musste sich einem Gerichtsverfahren stellen. Er wurde im Juni 2016 festgenommen und nach einigen Monaten gegen Kaution freigelassen.
Weitere Vorfälle aus dem Iran:
Monate nach den landesweiten Protesten im Januar 2026 befinden sich noch immer mindestens 159 der während der Demonstrationen in Yazd festgenommenen Personen in Haft. Ermittlungen deuten darauf hin, dass einigen von ihnen Haftstrafen von sieben bis fünfzehn Jahren drohen, während Dutzende weitere noch ohne rechtskräftiges Urteil auf eine Entscheidung warten. Für einige von ihnen, darunter auch eine Reihe junger Häftlinge, gelten Kontaktbeschränkungen und ihre Familien dürfen sie nicht besuchen.
Diese Vorgehensweise, die Verfahren in der Schwebe zu halten und die Gefangenen in Ungewissheit zu lassen, setzt sie und ihre Familien täglich einem großen Stress aus. Übereilte Hinrichtungen ohne Zugang zu einem fairen Verfahren und/oder einem Rechtsbeistand können die Anspannung für die Gefangenen und ihre Familien noch verschärfen.
Die IGFM hat zudem erfahren, dass zwischen dem 11. Juli und dem 1. August 2026 mindestens 23 Gewerbebetriebe in verschiedenen Städten geschlossen wurden. Drei Cafés in Mashhad, Bojnurd und Birjand wurden geschlossen -unter anderem wegen der Nichteinhaltung der Hijab-Pflicht.
Dem Regime gelingt es weiterhin nicht, Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und vertrauenswürdige Wirtschaftslage für die Bevölkerung zu schaffen. Durch die Durchsetzung der Propagandavorschriften gegenüber kleinen Unternehmen und die Einschränkung des Internets ist es für Iraner – insbesondere in kleineren Städten – jedoch extrem schwierig geworden, einen stabilen Lebensunterhalt zu verdienen. Die tägliche Inflation, ständige Bedrohungen durch das Regime und die mangelnde Strom- und Wasserversorgung zeigen, wie das islamische Regime das Leben einer ganzen Nation erschwert.









