Menschenrechtslage in Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Propaganda und Hinrichtung: Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter
114. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: 21. bis 28. April 2026
Allgemeine Lage:
Nach Einschätzung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bleibt die Menschenrechtslage im Iran seit dem 20. April 2026 äußerst kritisch. Sie ist geprägt von einer weiteren Eskalation staatlicher Kontrolle. Das Regime setzt weiterhin auf umfassende Repression, die sich insbesondere in der anhaltenden, nahezu vollständigen Abschaltung des Internets äußert. Dadurch wird die Bevölkerung systematisch von Informationen abgeschnitten und die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen massiv erschwert.
Gleichzeitig verschärft die angespannte Kriegslage in der Region die innenpolitische Situation. Parallel dazu intensiviert das Regime seine Propaganda, indem es Hinrichtungen, Verhaftungen und Gewaltmaßnahmen als notwendige Verteidigung gegen angebliche äußere Feinde darstellt und so versucht, die eigene Macht zu legitimieren und oppositionelle Stimmen zu diskreditieren/unterdrücken. Laut der Nachrichtenagentur HRANA (Human Rights Activists in Iran, mit Sitz in Fairfax, Virginia, USA) wurden seit Beginn der landesweiten Proteste im Iran 5.786 Menschen festgenommen (Dunkelziffer weitaus höher).
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle:
Der 21-jährigen Studentin Tanya Abbassi wurde am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, im Teheraner Stadtteil Niroo-Daryayi in den Hals geschossen. Die Krankenhäuser weigerten sich, sie aufzunehmen, sodass sie in den Armen ihrer Mutter starb.
Morteza Zom-Poush und Somayeh Rezaei, ein junges Paar mit einem Kind, wurden am Abend des 8. Januar 2026 auf dem Universitätsplatz in Hamadan (Provinz Hamadan) auf dem Heimweg von Regimeschergen brutal angegriffen. Die Angreifer gingen mit Schlagstöcken und Schrotflinten auf sie los. Einheiten der IRGC schossen 34 Schrotkugeln direkt in Mortezas Gesicht und schlugen ihm vor den Augen seiner Frau mit einem Schlagstock auf den Kopf. Anschließend griffen sie auch Somayeh an, 27 Schrotkugeln trafen ihren Kopf und ihr Gesicht.
Der 39-jährige Massoud Zātparvar war ein ehemaliger iranischer Bodybuilder und Weltmeister. Er wurde am 8. Januar 2026 während der landesweiten Proteste im Iran in Rasht (Provinz Gilan) von Einheiten der Islamischen Republik Iran getötet.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die Justiz der Islamischen Republik gab bekannt, dass das Todesurteil gegen Erfan Kiani vollstreckt wurde. Er war einer der Demonstranten, die während der Nationalen Revolution im Januar 2026 in Isfahan festgenommen worden waren. Über ihn wurden bislang keine Informationen veröffentlicht. In ihrer Erklärung teilte die Justiz mit, dass Erfan Kiani unter anderem die „Zerstörung und Verbrennung von öffentlichem und privatem Eigentum sowie die Verbreitung von Terror und Panik in der ganzen Stadt“ vorgeworfen werden. Seine erzwungene Aussage wurde vor einigen Tagen im iranischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.
Der 19-jährige Aamer Ramesh wurde am 26. April 2026 in Sistan und Belutschistan wegen Terrorismusvorwürfen hingerichtet – ohne dass ihm das Recht auf Verteidigung eingeräumt wurde.
Der 35-jährige Morteza Ebrahimi verschwand am Abend des 8. Januar 2026. Seit 90 Tagen gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Seine Mutter hat das Haus seitdem nicht verlassen, in der Hoffnung, dass er zurückkehrt. Die IRGC-Offiziere (Islamische Revolutionsgarde bzw. das Korps der Islamischen Revolutionsgarde) geben der Familie widersprüchliche Auskünfte und seinde Angehörigen erhalten verdächtige Anrufe.
Vahed Boroumand aus Piranschahr in der Provinz West-Aserbaidschan wurde am Samstag, dem 25. April, von den Sicherheitskräften der Islamischen Republik festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht.
Die Angehörigen der religiösen Minderheit der Bahá’í, Didar Ahmadi, Boshra Mostafavi und Elena Naemi aus Rafsanjan (Provinz Kerman) wurden am 28. April ins Gefängnis von Kerman gebracht, um ihre Haftstrafen anzutreten. Wie die IGFM erfahren hat, wurden sie am Samstag, dem 25. April 2026, festgenommen.
Weitere Menschenrechtsverletzungen inmitten des Krieges
Der Internetausfall im Iran dauert nun bereits 59 Tage an, nachdem das Land 1.392 Stunden lang fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten war. Die anhaltende Sperre hüllt die Menschenrechtsverletzungen vor Ort weiterhin in digitale Dunkelheit.
Informationen der IGFM zeigen, dass sich die wirtschaftliche Lage im Iran trotz der anhaltenden Kriegssituation und der umfassenden Internetabschaltung weiter drastisch verschlechtert hat. Hervorgehoben wird insbesondere die negative Wirkung der Kombination aus militärischer Eskalation, internationaler Isolation und staatlicher Informationskontrolle auf zentrale Wirtschaftsbereiche. Diese führt zu weitreichenden Produktionsausfällen und steigender Arbeitslosigkeit.
Gleichzeitig wird die Bevölkerung durch die anhaltende Einschränkung digitaler Kommunikations- und Handelsmöglichkeiten zusätzlich belastet. Dadurch brechen Einkommensquellen weg und wirtschaftliche Aktivitäten werden massiv eingeschränkt. Zudem bleibt die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung nur schwer nachvollziehbar, da die anhaltende Internetblockade eine unabhängige Beobachtung erheblich erschwert und somit zur Intransparenz der Lage beiträgt.













