/Karikaturenstreit, Blasphemie und Beleidigung des Islams

Karikaturenstreit, Blasphemie und Beleidigung des Islams

Karikaturenstreit, Blasphemie und Beleidigung des Islams

Aufgebrachte Muslime bei einer Demonstration gegen die Muhammed-Karikaturen des dänischen Zeichners Kurt Westergaard (Quelle: shz.de)

von Dr. Petra Uphoff, Januar 2015

Mit Salman Rushdie und den „satanischen Versen“ schien 1988/89 alles anzufangen – das scheint so lange her zu sein und wurde zunächst als Einzelfall und nicht repräsentativ für eine islamische Grundhaltung eingestuft. Nach wie vor kann man „den Islam“ nicht über einen Kamm scheren oder ihm pauschal Humorlosigkeit, Karikaturfeindlichkeit, Engstirnigkeit, Barbarei und Ignoranz unterstellen.

Als Folgen von „Jyllands-Posten und Charlie Hebdo“ wachsen nicht nur in der westlichen Welt Zurückhaltung, Misstrauen und Angst gegenüber einer offenbar menschenfeindlichen Haltung einer kleinen aber leider wirksamen muslimischen Minderheit.

Der so genannte dänische Karikaturenstreit rief in Europa im Frühjahr 2006 eine ganz neue Form der Debatte über Blasphemie hervor. Eine überwiegend fremd gebliebene Religion und Kultur drang erneut in unsere Normalität ein, irritierte und schuf Unruhe. Eine blutige Dimension bekommt nun das Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo. Worum geht es bei diesem „Abstrafen von Blasphemie und Islamfeindlichkeit“, was wird als „religiöse Grundlage“ hierfür herangezogen?

Karikaturenstreit und Blasphemie-Vorwürfe in Europa

Am 30. September 2005 wurde in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ eine Serie von zwölf Karikaturen zu Mohammed (dänisch: „Muhammeds ansigt“ – etwa: „Mohammeds Angesicht“) veröffentlicht. Die Idee hierzu entstand aus der Frage zur Selbstzensur in Dänemark in Bezug auf Darstellungen oder kritische Auseinandersetzungen zum Islam.[1] Im Oktober 2005 klagten elf Vertreter islamischer Organisationen Dänemarks gegen Jyllands-Posten, sie beriefen sich auf den „Blasphemie-Paragraphen“ 140 Dänisches Strafgesetzbuch [2] und beklagten die verhöhnende und verspottende Absicht der Zeitung. Gravierende, weltweite Reaktionen setzten aber erst im folgenden Jahr ein, auch wenn es bereits im Oktober 2005 Nachdrucke in arabischen Zeitungen, Demonstrationen und Unruhen gab: Im Dezember 2005 reisten zwei Imame aus Dänemark nach Ägypten. Im Gepäck hatten sie eine 42-seitige Publikation zu den Karikaturen, die unter anderem zusätzliche, despektierliche, in Dänemark nie veröffentlichte Karikaturen enthielt. Die beiden Imame überreichten diese Publikation Vertretern der arabischen Liga sowie muslimischen Klerikern und Akademikern. Erst nach dieser Reise und einer neuerlichen dänischen Veröffentlichung zu dem Thema kam eine Welle von gewaltsamen Protesten und blutigen Unruhen ins Rollen, die seit Anfang 2006 weltweit Blasphemie-Debatten, Demonstrationen und Übergriffe hervorrief, und in deren Folge allein bis Februar 2006 etwa 140 Menschen den Tod fanden und über 800 verletzt wurden.

Zu den Auswirkungen gehörte neben diplomatischen Konflikten, Demonstrationen, gewalttätigen Ausschreitungen und einer ganz neuen Diskussion um Religions- und Meinungsfreiheit, dass dänische Produkte fortab in islamischen Ländern boykottiert wurden – dänische Unternehmen büßten dadurch einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe ein. Das Land erlebte seine größte außenpolitische Krise seit dem zweiten Weltkrieg. In Århus und Kopenhagen mussten Redaktionshäuser wegen Bombendrohungen vorübergehend evakuiert werden. Dänische und norwegische Botschaften wurden in Jakarta, Damaskus und Beirut gestürmt und verwüstet. In der Türkei erschoss ein Islamist – offenbar als Reaktion auf die Karikaturen – den Priester Andrea Santoro. Pakistanische Ärzte boykottierten Medikamente aus europäischen Staaten, und ein pakistanischer Geistlicher setzte ein Kopfgeld in Höhe von 21.000 Euro sowie einen Kleinwagen für die Ermordung des Mohammed-Karikaturisten aus.

Demonstrationen fanden unter anderem in Libanon, Libyen, Kenia, Nigeria, Malaysia, Afghanistan, Sudan und Indonesien statt, zum Teil mit Ausschreitungen und Toten. In Nord-Nigeria starben über 130 Menschen, und zahlreiche Kirchen wurden zerstört. In Ägypten erstach ein fundamentalistischer Muslim einen koptischen Christen in einer Kirche und verletzte mehrere Kirchenbesucher. Im Iran schrieb die Zeitung Hamshahri einen „Gegenwettbewerb“ von Holocaust-Karikaturen aus – um die „europäische Toleranz und Pressefreiheit auf die Probe zu stellen“. Eine ähnliche Kampagne wurde von der Arab-European League gestartet. „Ajatollah Sejjed Ali Khamenei behauptete im iranischen Fernsehen, die Zeichner der Karikaturen seien von Juden bezahlt worden. Die ganze Kampagne sei gesteuert von ,schmutzigen Zionisten’, die nicht nur die Zeitungen und Medien, sondern auch die US-Regierung ,voll unter ihrer Kontrolle’ hätten.“[3]

Gleichzeitig wurden Zeitungsverleger in Ägypten, Jordanien und Jemen verhaftet bzw. ihre Redaktionen geschlossen, weil sie die Karikaturen nachgedruckt hatten. Zugleich beklagten verschiedene arabische Medien die Instrumentalisierung der Karikaturen-Kampagne durch Extremisten und bemühten sich um eine Deeskalation. Europaweit entflammten Debatten darüber, ob die Karikaturen im Rahmen von Meinungsfreiheit erlaubt oder als beleidigend zu vermeiden seien.

Das französische Satireblatt Charlie Hebdo bezog sich in Ausgaben im Februar und März 2006 auf den Karikaturenstreit und publizierte neben Karikaturen auch Kritiken zum Islamismus als weltweite Bedrohung. Eine Klage des muslimischen Dachverbands Frankreichs gegen den Chefredakteur wegen einer Karikatur Mohammeds wurde abgewiesen. Am 2. November 2011 verübten islamische Extremisten einen Brandanschlag auf Charlie Hebdo vor seiner dritten Novemberveröffentlichung unter dem Titel „Charia Hebdo“ mit „Mohammed als Gast-Redakteur“ , die Internetseite des Magazins wurde von einer türkischen Hackergruppe gehackt und mit einer Ansicht der Wallfahrtsmoschee in Mekka blockiert. Drei Mitarbeiter wurden unter Polizeischutz gestellt. Al-Qaida setzte neben Kurt Westergaard, dem Jyllands-Posten-Redakteur Flemming Rose und anderen „Islamfeinden“ auch den Chefredakteur von Charlie Hebdo, Stéphane Charbonnier (Charb), auf seine „most-wanted-Liste“. 2012 veröffentlichte Charlie Hebdo erneut Mohammed-Karikaturen und erhielt in Folge Drohungen.[4] Charbonnier zählt seit dem 7. Januar 2015 zusammen mit anderen Zeichnern und Redakteuren zu den Mordopfern.

Am 8. Februar 2006 hatte sich Jyllands-Posten auf das weltweite, gewaltsame Echo hin in einem offenen Brief an die „Bürger der islamischen Welt“ („to the honourable Fellow Citizens of the Muslim World”) entschuldigt: es sei keine Absicht gewesen, Muslime zu beleidigen. Und auch die OIC reagierte, widerrief Aufrufe zur Ermordung der dänischen Karikaturisten und bezeichnete die gewalttätigen Proteste als unislamisch. Die Attacken, Unruhen und Proteste – oftmals seitens wenig, falsch oder gar nicht informierter Demonstranten – flammten jedoch in Folge immer wieder auf.

In Dänemark hatte der Karikaturenstreit am 12. Februar 2008 weitere Folgen: Die dänische Polizei nahm in Århus drei Personen fest, die einen Mordanschlag auf Kurt Westergaard, den prominentesten Karikaturenzeichner, geplant hatten. Das Thema wurde erneut in den Medien aufgegriffen. In den folgenden Tagen steckten in Dänemark – wie bereits 2006 – erneut Islamisten Schulen, Hauseingänge und Autos in Brand.[5] 2010 folgte ein neuer Mordversuch auf Kurt Westergaard, ein Anschlagsplan mit Maschinenpistolen auf Jyllands-Posten konnte aufgedeckt und vereitelt werden. 2013 gab es einen Anschlagsversuch auf den dänischen Islamkritiker Lars Hedegaard.

Dieser „Karikaturenstreit“ ist bis heute – zumindest in Dänemark – präsent im kollektiven Denken und Wahrnehmen und wird in verschiedenen Medien auf unterschiedliche Weise immer wieder aufgegriffen. In bald einer Dekade konnte sich die Lage nicht beruhigen, das Thema Karikaturen ist seit 2005 präsent und bleibt kontrovers. Und diese kontroversen Haltungen zu Meinungsfreiheit, Karikaturen und Blasphemie kulminierten nun am 7. Januar 2015 in Paris mit zwölf Toten und elf Verletzten bei dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo und weiteren Anschlägen, Toten und Verletzten in kurzer Folge darauf.

Mögliche Ursachen

Spekulationen über die Gründe für die weltweiten, gewalttätigen Reaktionen seit 2005 gehen stark auseinander. Manche vermuten einen Zusammenhang mit dem islamischen Abbildungsverbot Mohammeds,[6] andere verweisen auf zunehmende islamfeindliche Haltungen im Westen und die Gleichsetzung von Islam mit Terrorismus bzw. Jihad. Die ausgedrückte Frustration unter Muslimen weltweit kann mannigfaltige Ursachen haben: Die Unzufriedenheit mit dem eigenen System und der sozialen Ungerechtigkeit, dem wirtschaftlichen System, mangelnder politischer Partizipation, der Nichtteilhabe am „globalen Wandel und Wohlstand“, dem „Zusammenprall der Kulturen“. Sie könnte auch ein Ausdruck einer allgemeinen, hilflosen, oftmals sicher leicht lenkbaren Wut sein. Nicht nur in Dänemark selbst verstärkte sich in den letzten Jahren offenbar eine ausländer- und islamkritische Haltung. Die Zuwanderungs- bzw. Einbürgerungsgesetze wurden teils verschärft. Migranten beklagen einen wachsenden Rassismus, auch innerhalb der Polizei.

Für den niederländischen Schriftsteller und Kolumnisten Mohammed Benzakour hat die Wut in den arabischen Ländern nur wenig mit den Karikaturen selbst zu tun. Für ihn stehen hinter diesen gewalttätigen Reaktionen Gefühle politischer Ohnmacht, Frustration und mangelndes Selbstvertrauen der Muslime.

Beobachter des Westens sowie der islamischen Welt bewerteten die unverhältnismäßigen Proteste und Reaktionen auf die Karikaturen als künstlich entfacht, provoziert, wenn nicht gar gesteuert. Zugleich wird eine häufige „Opferhaltung“ – beispielsweise auch der islamischen Verbände in Europa – bemängelt, die eine selbstkritische Auseinandersetzung und differenzierte Stellungnahme zu solchen Geschehnissen vermissen lässt.

Vor allem die Vertreter religiöser Minderheiten des Nahen Ostens sehen als Ursache eine fundamentalistisch-islamistische Ideologie, die seit vielen Jahren von der arabischen Halbinsel aus exportiert werde. Iran hat sich den „Revolutionsexport auf die Flagge geschrieben – dazu zählt die finanzielle und materielle Förderung von fundamentalistischem Islamismus. Und Saudi-Arabien finanziert direkt oder indirekt weltweit mit großen Summen Moscheegemeinden und islamistische Organisationen, die eine Demokratie abgewandte, Frauen diskriminierende und rückschrittliche gesellschaftliche Haltung verbreiten.

Am 7. Januar 2015 zeigte sich bei den Anschlägen in Paris jedenfalls deutlich der Zusammenhang zwischen dem organisierten, weltweiten Islamismus und terroristischen Auswirkungen in westlichen Ländern.

Drohungen und Auseinandersetzungen in Deutschland und den Niederlanden

Die zunehmende Assoziation des Islams mit islamischem Fundamentalismus, Islamismus und Terrorismus scheint das Gefühl der Bedrohung und der Belästigung im westlichen Abendland zu verstärken; sie fördert die allgemeine Ablehnung eines oft als eigenwillig, expansiv und nichtintegrativ interpretierten Islams. Der Eindruck von einem aggressiven, intoleranten Islam wird durch zahlreiche andere Beispiele verstärkt:

Mitte 2007 forderten die türkischstämmigen deutschen Bundestagsabgeordneten Ekin Deligöz (Die Grünen), Lale Agkün (SPD) sowie die bekannte Frauenrechtlerin und Rechtsanwältin Seyran Ates muslimische Frauen in Deutschland dazu auf, das Kopftuch abzulegen. Nach harter Kritik, Widersprüchen von Musliminnen bis hin zu Morddrohungen mussten sie unter Polizeischutz gestellt werden. Eine renommierte türkische Tageszeitung bezeichnete sie sogar als Nazis.[7]

Von großer Bedeutung für die Entwicklung und Lehre des Islams in Deutschland sind die Fälle Sven (Muhammad) Kalisch und Mouhanad Khorchide. Sven Kalisch war 2004 in Münster als Jurist und Islamwissenschaftler als erster Professor zur Ausbildung der Lehrer für das Unterrichtsfach Islamkunde berufen worden. 2010 zweifelte er die historische Existenz Mohammeds öffentlich an und wurde damit Gegenstand der Kritik durch die Islamverbände und von Morddrohungen; er wurde unter Polizeischutz gestellt. Seinem Nachfolger Mouhanad Khorchide sollte es nicht wesentlich besser ergehen: Mit seinen Thesen zur Interpretierbarkeit des Korans, einem „Islam der Barmherzigkeit“, hat er sich, wie sein Vorgänger, bei den Islamverbänden unbeliebt gemacht, sie erachteten eine weitere Zusammenarbeit als unmöglich.

Pressewirksame Themen wie Salafismus, IS-Rückkehrer, „Sauerlandgruppe“, Zwangsehe, islamische Unterrichtstabus, Kopftuchdebatten oder Religionsmonitore zur Bevorzugung der Scharia vor der Demokratie, zu antisemitischen Haltungen unter muslimischen Migranten etc. runden das Bild des „bedrohlichen, integrationsmuffeligen Muslims“ ab.

Im zunehmend säkularen Europa war das Thema Blasphemie vor 2004 nur noch selten zu einem Streitpunkt oder Rechtsfall geworden – schon gar nicht in diesem Ausmaß. Die Ermordung des niederländischen Regisseurs und Publizisten Theo Van Goghs im Jahr 2004 war ein Wendepunkt. Van Gogh hatte zusammen mit der aus Somalia stammenden ehemaligen Muslimin Ayaan Hirsi Ali den Film „Submission“ (Unterwerfung) erstellt. Der Film handelt von vier islamischen Frauen, die über ihre Missbrauchserfahrungen berichten. Er kritisiert fünf Suren aus dem Koran, die die Frau zur Unterwerfung unter ihren Ehemann auffordern. Die Fernsehausstrahlung am 29. August 2004 führte zu heftiger Kritik und Morddrohungen von Islamisten. Neue Morddrohungen gegen die Islam-kritische Hirsi Ali führten 2007 zu Diskussionen um ihren Personenschutz.

Das künstlerische und kulturelle Leben in Europa denkt an Einschüchterungen und Selbstzensur: Europaweit werden Artikel oder Kunstwerke zurückgehalten oder zurückgezogen, Ausstellungen geschlossen bzw. Opern nicht aufgeführt – aus Angst vor möglichen Reaktionen von Islamisten. Dabei scheinen sich Furcht vor und Unmut gegenüber diesen Eingriffen in das hohe Gut der Meinungsfreiheit die Waage zu halten.

Am 28. März 2008 sollte in der niederländischen Presseagentur Nieuwspoort bei einer Pressekonferenz der islamkritische, populistische und sicherlich äußerst umstrittene Film des rechten, niederländischen Politikers Geert Wilders gezeigt werden. Es hatte sich bis dahin kein Sender gefunden, der diesen Film zeigen wollte. Zum einen aus Ablehnung von Wilders politischen Überzeugungen sowie des Filminhalts, zum anderen aber auch aus Furcht vor wirtschaftlichen Folgen, vor Unruhen und Konsequenzen für die Soldaten in Afghanistan. Auch die Pressevorführung wurde abgesagt, da Wilders nicht für seinen eigenen Personenschutz aufkommen konnte. Der Film wurde stattdessen am 27. März 2008 für einen Tag im Internet auf der Seite LiveLeak veröffentlicht. Am folgenden Tag wurde er vorübergehend wegen Morddrohungen gelöscht.

Kritiker „solch einer Selbstzensur“ sprachen in den Niederlanden von Kapitulation und Erpressung: „Die Regierung versäumt es, der anderen Seite klar zu machen, dass Gewalt unter keinen Umständen eine gerechtfertigte Antwort ist. Es muss Signale nach beiden Seiten geben“, so der Leidener Psychologieprofessor René Diekstra.[8] Gleichzeitig bildet die Hilflosigkeit gegenüber islamischer Polemik und Gewalt den Nährboden für wachsende Angst, Vorurteile und zunehmende Islam- und Ausländerfeindlichkeit.

Beispiele für Blasphemie-Vorwürfe und Todesstrafen in der islamischen Welt

In dieser Diskussion um Blasphemie und Islam wird übersehen, dass Bürger islamischer Gesellschaften in wesentlich höherem Maße mit der Blasphemie-Problematik konfrontiert werden. Opfer sind dabei gleichermaßen Muslime wie Nichtmuslime.

Afzal Sahi, Parlamentspräsident der pakistanischen Punjab-Provinz, äußerte im Juni 2007: „Jeder Gotteslästerer muss mit dem Leben haften”. Sahi bot sich auch gleich als Vollstrecker der Strafe an. Es sei „Teil seiner Religion”, jemanden töten zu dürfen, der den Propheten Mohammed beleidige.[9] In Pakistan werden nicht nur derartige Polemisierungen, sondern auch tatsächliche Angriffe auf „Häretiker“ und Morde geduldet.

2008 gründete Raif Badawi die Webseite „Die Saudischen Liberalen“, auf der er alle Menschen, also auch Muslime, Christen, Juden und Atheisten, als gleichwertig bezeichnete. Damit widersprach er nicht nur dem orthodoxen Verständnis des Islams [10] sowie saudischen Gesetzen (durch diese „Abwertung des Islams“), sondern verstieß auch gegen Zensurbestimmungen und ein Gesetz von 2014, das jede Infragestellung des Islams als terroristischen Akt wertet. Raif Badawi wurde 2013 zum Apostaten erklärt und zu zehn Jahren Haft verurteilt, knapp 200.000 Euro Geldstrafe sowie zu 1.000 Peitschenhieben, die über 20 Wochen auf je 50 Hiebe verteilt ausgeführt werden sollen.[11]

Auf den Druck konservativer Mullahs hin wurden zwischen 1984 und 1990 die Artikel 295 B, C und 298 A, B, C des pakistanischen Strafrechts verschärft. Damit wurde religiösen Minderheiten – ausdrücklich den Ahmadi [12] – weitgehend die Ausübung ihrer Religion verboten. Für „Lästerung gegen den Koran“ forderte der Paragraph 295-B fortan lebenslange Haft, Artikel 295 C [13] verordnet für die „Lästerung des Propheten Mohammed“ die Todesstrafe. Dabei gibt es keine klare Definition zu „Lästerung des Koran und des Propheten“. Entsprechend flexibel und weitreichend sind die Interpretationen und der Vorwurf der „Lästerung“.

Nicht nur Ahmadis und religiöse Minderheiten, sondern auch kritischen Sunniten oder Schiiten, die es wagen, den Islam und die Auslegung der Mullahs zu hinterfragen, droht der Blasphemie-Vorwurf. Religiöse Extremisten oder Personen, die private Konflikte, Rivalitäten oder auch Erbstreitigkeiten austragen wollen, können eine Anzeige aufgeben und selbst mit offenkundig falschen Beschuldigungen ein Strafverfahren auslösen. Bislang drohen dem Kläger keinerlei Folgen, den Beklagten erwartet hingegen unter Umständen der Verlust von Gut und Leben. Selbst bei Freisprüchen bei ungerechtfertigten Anklagen droht immer wieder Lynchjustiz oder die Missachtung des gerichtlichen Freispruchs.

2004 erließ die pakistanische Nationalversammlung – entgegen Protesten der fundamentalistischen Koalition Muttahida Majlis-e-Amal (MMA) – ein ergänzendes Gesetz zu den genannten Artikeln. Beschuldigungen sollten fortan vor der Einleitung des Strafverfahrens von einem höheren Polizeibeamten überprüft werden. Bis dahin reichte die bloße Verdächtigung für die sofortige Verhaftung und Anklage. Das Blasphemie-Gesetz hatte sich bis dahin als ein Instrument religiöser Fanatiker bzw. persönlicher Rachebestrebungen negativ „bewährt“.[14]

Der Vorwurf der Blasphemie kann auf unterschiedlichste Weise geäußert und geahndet werden. Diverse nichtmuslimische und islamische bzw. aus dem Islam entstandene Religionsgruppen haben in der islamischen Welt kollektiv unter dem Vorwurf der Blasphemie, Häresie und Apostasie zu leiden. Neben den Ahmadiyya gehören Bahá‘í, Jesiden oder auch Aleviten zu den bekannteren Gruppen. Zudem kann es persönliche Konkurrenten, Andersdenkende bzw. politische Dissidenten treffen:

Der Pakistaner Tahrir Iqbal konvertierte 1984 zum Christentum, dies gilt unter anderem als Vergehen gegen den Islam. 1990 wurde er unter dem Vorwurf der Apostasie, Feindschaft gegen den Islam und Häresie verhaftet. Sein Anwalt bekam offen von verschiedenen Mullahs Todesdrohungen. 1992 wurde Iqbal zum Tode verurteilt. Während der Revision starb Iqbal im Gefängnis aus ungeklärten Gründen.

Als Ahmadi wurde Nasir Ahmad 1995 auf Basis derselben Vorwürfe zu insgesamt sechs Jahren Haft verurteilt. Seit 1990 sind in Pakistan über Tausend Ahmadis wegen angeblicher religiöser Vergehen angeklagt worden.

Der pakistanische Muslim Muhammad Yunus Shaih, Begründer von The Enlightement, einer Organisation, die sich für Toleranz und Demokratisierung einsetzt, wurde 2001 zu einer Strafe von einer Million Rupien und zum Tode verurteilt. Ihm wurde die in sich schlüssige Äußerung zum Verhängnis, dass Mohammed bis zu seiner Berufung mit 40 Jahren kein Muslim gewesen sei und auch seine Eltern keine Muslime gewesen wären.[15]

Seit dem 23. Januar 2007 ist die Pakistanerin Martha Bibi in Untersuchungshaft: Die Besitzerin eines kleinen Baumarkts hatte Materialien zur Errichtung einer Moschee verliehen. Als sie diese nach der vereinbarten Frist abholen wollte, wurde ihr der Zutritt zur Moschee verwehrt, sie konnte knapp der aufgebrachten Moscheegemeinde entkommen. Unter der Behauptung, sie habe Mohammed beleidigt, wurde sie anschließend verhaftet.

Dia Pakistanerin Asia Bibi, wurde als erste Frau in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt, weil sie 2009 Mohammed beleidigt haben soll. Zahlreiche weitere Angehörige religiöser Minderheiten, aber auch Muslime sind wegen Blasphemie-Vorwürfen in Haft, etwa Kingri Masih und Anwar Keneth seit 2002 und seit 2006 Younis Masih, der sich über laute islamische Musik beim Nachbarn beschwert haben soll. 2010 wurde das Ehepaar Ruqqiya Bibi und Munir Masih zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, wegen angeblicher „ritueller Verunreinigung des Korans”…[16]

Die ermordete Politikerin Benazir Bhutto kritisierte 1992 die Verschärfung des Blasphemie-Artikels. Der Senator und Gelehrte Maulana Abadu Sattar Niazi erklärte sie daraufhin in einer Fatwa zu einer Ungläubigen, die mit dem Tode bestraft werden müsse. Das ein Jahr später gegen sie eingeleitete Verfahren wegen des Angriffs auf den Islam konnte sie dank ihrer sozialen und politischen Stellung abschlagen. Sie starb bei einem Anschlag 2007, dessen Hintergründe bis heute nicht völlig geklärt sind.

Weitere Beispiele

Pakistan und Saudi-Arabien sind keineswegs die einzigen Länder, in dem der Vorwurf der Blasphemie und der Feindschaft gegen den Islam schwerwiegende Folgen haben kann. Nur in sehr seltenen Fällen wird über diese Fälle in Europa berichtet:

1985 wurde der renommierte islamische Sufi-Theologe Mahmud Muhammad Taha wegen seiner Äußerungen zur Gültigkeit von Teilen des Korans im Sudan gehängt.

1999 wurde Abdollah Nouri, Vizepräsident, Innenminister und linke Hand Khatamis, unter anderem wegen Beleidigung des Islams, Kritik an Khomeinis Lehre, Verbreitung von Propaganda gegen das System zu 15 Millionen Rial Strafe, fünf Jahren Haft und einem Verbot politischer Tätigkeiten verurteilt.

2002 verhängte ein iranisches Gericht gegen den Geschichtsprofessor Hashem Aghajari in erster Instanz Haft, Auspeitschung, Exil, Geldstrafe, Lehrverbot sowie das Todesurteil, weil er Neuerungen im Islam gefordert und das iranische Klerikertum kritisiert hatte. Nach intensiven Protesten – vor allem innerhalb Irans – wurde das Urteil 2004 revidiert.

2002 wurde durch muslimische Geistliche öffentlich die Tötung des nigerianischen Journalisten Isioma Daniel befürwortet: In einem Zeitungsartikel hatte dieser erörtert, dass Mohammed die nach Demonstrationen islamischer Fundamentalisten abgesagte Miss-World-Wahl sicher gemocht und möglicherweise sogar eine der Schönheitsköniginnen geheiratet hätte.

In Afghanistan gab es 2005 Proteste gegen die weibliche Fernsehmoderatorin Zakia Zaki des Privatsenders Tolo TV. Der „Rat der Islamgelehrten” erklärte daraufhin den Auftritt von Frauen im Fernsehen für unislamisch. Infolge öffentlichen Drucks kündigte die Moderatorin Zakia Zaki. Kurz darauf wurde sie von Unbekannten in ihrem Bett erschossen.

Mitte 2007 veröffentlichte der Afghane Ghows Zalmay seine Übersetzung des Korans ins Dari. In dieser Übersetzung hatte er Formulierungen gewählt, die extreme Passagen des Korans leicht abmildern sollten. Dies gab Anlass zum Vorwurf der „Blasphemie” und zu seiner Verhaftung.

Am 22. Januar 2008 wurde der afghanische Journalist Sayed Perwiz Kambakhsh wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Der 23-jährige soll den Islam beleidigt und Koranverse falsch ausgelegt haben. In einem Flugblatt hatte er behauptet, Mohammed habe die Rechte von Frauen ignoriert.

In Khartum verlangten tausende Demonstranten im Dezember 2007 die Todesstrafe für die britische Grundschullehrerin Gillian Gibbons. Sie hatte dem Teddy eines siebenjährigen Schülers auf dessen Wunsch hin seinen Namen „Mohammed“ gegeben. Nach sudanesischem Gesetz drohten der Lehrerin wegen Blasphemie 40 Peitschenhiebe oder bis zu einem Jahr Gefängnis. Sie wurde zu 15 Tagen Gefängnis und Abschiebung verurteilt.

Die ägyptische Lehrerin Demiana Ebeid Abdelnour wurde 2013 unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet, weil sie angeblich Mohammed mit dem koptische Papst Shenouda verglichen haben soll.[17]

Am 15. Januar 2007 verhängte ein Gericht in Casablanca ein zweimonatiges Erscheinungsverbot für das satirische Wochenmagazin En Nichane. Der presserechtlich Verantwortliche Driss Ksikes und die Journalistin Sanaa El-Aji wurden zu je drei Jahren Haft auf Bewährung sowie einer Geldbuße verurteilt. Begründet wurde die Strafe mit der „Verletzung heiliger Werte“ sowie der „Veröffentlichung und Verbreitung von Schriften, die gegen die Moral und die guten Sitten verstoßen“.[18] Sie hatten einige der harmloseren, in Marokko derzeit aktuellen, Witze veröffentlicht – unter anderem über den König und das Könighaus. Der König Marokkos ist nach der marokkanisch-malikitschen Rechtsschule gleichzeitig religiöses und politisches Oberhaupt des Landes. Somit hat ein Witz oder die „Beleidigung“ des Königshauses zugleich eine religiöse Komponente.

2011 wurde der tunesische Sender Nasma TV von 200 Salafisten angegriffen, weil der den Film „Persepolis“ ausstrahlte.

Der Ende 2014 erschienene Moses-Film „Exodus“ wurde unter anderem in Ägypten und den Emiraten als „fehlerhaft“ verboten – er beleidige den Islam, da er mit dem islamischen Moses-Bild unvereinbare Darstellungen enthalte. Ähnlich war es zuvor in Kairo dem Filmepos „Noah“ ergangen.

Der in Deutschland lebende Iraner Shahin Najafi wurde 2012 im Iran wegen Blasphemie verurteilt. Öffentlich wurde zu seiner Tötung aufgerufen. In seiner musikalischen Komposition „Naghi“ führt er einen fiktiven Dialog mit dem bei den Schiiten verehrten 10. Imam (Ali an-Naqi/Naghi, gest. 868), in dem er ihn bittet, auf die Erde zurück zu kehren und die Missstände im Iran – die er dann ausführt – zu beseitigen.[19]

Mangelnde Selbstkritik

In den islamisch geprägten Staaten fehlt eine öffentliche und wirksame Kritik an Blasphemie-Gesetzen und an der Verfolgung von Islamkritik oder Blasphemie. Die Auseinandersetzung mit den religiösen Grundlagen für die Verfolgung von Kritikern, Andersdenkenden, Andersgläubigen und mit Blasphemie ist sicherlich schwierig und deshalb auch selten, weil sich Andersdenkende immer in die Gefahr begeben, der Apostasie und des Verrats am Islam beschuldigt zu werden. Und hierauf kann die gerichtliche Todesstrafe folgen, gesellschaftliche Isolation oder die Ermordung durch selbsternannte „Schützer des Islams“.

In Europa scheinen die Terroranschläge in Paris im Januar 2015 diese überfällige Auseinandersetzung zu fördern. Prominente Muslime und Repräsentanten muslimischer Verbänden haben schon seit langem Morde scharf verurteilt und immer wieder die Friedlichkeit des Islams betont. Eine Distanzierung von den Teilen des Koran und der islamischen Überlieferung, auf die sich Extremisten bei ihren Morden berufen, wäre ebenso dringend notwendig. Doch offensichtlich fällt gerade das besonders schwer. Vielleicht liegt es an der Furcht davor, sich für konservative Muslime angreifbar zu machen. Vielleicht fällt es Verbandsvertretern schwer, aus der „Opferrolle“ herauszutreten, in der sie sich selbst sehen und gesehen werden wollen. Vielleicht ist die Übernahme von Verantwortung hier besonders schwer, weil es weltweit noch viele Muslime gibt, die die gewalttätige „Verteidigung des Islams“ rechtfertigen und offen zu den Morden applaudieren.

Zur Autorin

Die Islamwissenschaftlerin Dr. Petra Uphoff promovierte über die Situation und rechtliche Stellung von Nichtmuslimen im Iran. Sie ist Dozentin zu Themen des Islams, arbeitete mit muslimischen Migranten in Deutschland und publiziert u.a. zu Menschenrechtsfragen.

Weitere Infos zu Blasphemie

Endnoten

1 Der dänische Schriftsteller Kare Bluitgen hatte keine Illustratoren zu seinem Kinderbuch Koranen og profeten Muhammeds liv (Der Koran und das Leben Mohammeds) finden können. Die angesprochenen Künstler hatten aus Angst vor Verfolgung und Anschlägen Anfragen abgelehnt.
2 „§ 140. Derjenige, der öffentlich die Glaubenslehre oder Gottesverehrung irgendeiner legal in diesem Land bestehenden Religionsgemeinschaft verspottet oder verhöhnt, wird zu einer Geldstrafe oder Haftstrafe bis zu vier Monaten verurteilt.“ da.wikipedia.org/wiki/Blasfemi, Zugriff Januar 2015.
3 www.memritv.org/clip_transcript/en/1031.htm. In: de.wikipedia.org/wiki/Mohammed-Karikaturen, Zugriff Januar 2015.
4 Das Satire-Magazin veröffentlichte in drei Fällen Karikaturen zu islamischen Themen, wesentlich häufiger jedoch zu christlichen, rechten oder rechtsradikalen Sujets – auch von Letzteren erhielt es Drohungen.
5 www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/750042/
Flemming Rose, Feuilleton-Chef der Tageszeitung Jyllands-Posten, auf dessen Initiative die Mohammed-Karikaturen seinerzeit zurückgingen, fordert hier mit dem Slogan „Jetzt erst recht“: „In allen europäischen Staaten sollten jegliche Gesetze, die Blasphemie oder Majestätsbeleidigungen verbieten, abgeschafft werden.“
6 Heute finden sich in islamischen Ländern sowohl bildliche Darstellungen Mohammeds (oft mit verdecktem bzw. ausgespartem Gesicht) als auch strenge Abbildungsverbote (beispielsweise bei den Wahhabiten). Durch die islamische Geschichte hindurch gab es häufig Abbildungen Mohammeds, doch halten Muslime die bildliche Darstellung von Mohammed, oft auch von Ali (Neffe und Schwiegersohn Mohammeds, besonders von Schiiten verehrt) oder gar von Gott für unzulässig.
7 erhaltungstrieb.blogg.de/index.php, Zugriff April2008.
8 Jung, Dorothea, Schweighöfer Kerstin, Wagner, Marc-Christoph: Der Preis der Meinungsfreiheit. 6.3.2008. www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/750042/, Zugriff April 2008.
9 Politiker in Pakistan ruft zu Mord an Rushdie auf. 21.6.2007. www.netzeitung.de/politik/ausland/678396.html, www.brights.at/tag/Henryk_Broder
10 Nach traditionellem islamischem Verständnis, der Scharia und den meisten islamischen Menschenrechtserklärungen sind Nicht- und Andersgläubige rechtlich und gesellschaftlich nicht gleichwertig mit Muslimen, sondern werden deutlich benachteiligt.
11 www.taz.de/Kommentar-Charlie-und-Saudi-Arabien/!152529/, siehe auch www.igfm.de/themen/abfall-vom-islam/aktuelle-appelle/saudi-arabien-liberaler-internet-aktivist-raif-badawi-zu-1000-peitschenhieben-und-10-jahren-haft-verurteilt/, Zugriff Januar 2015.
12 Einige Folgen dieser Gesetze: „1. Die Ahmadi-Muslime werden zu einer nicht-islamischen Minderheit erklärt.
2. Jede religiöse Handlung ist von den Ahmadis zu unterlassen, die mit dem Islam in Verbindung gebracht werden kann.3. Jede religiöse Handlung der Ahmadis stellt eine Beleidigung des Heiligen Propheten… dar.
Somit ist nur schon die Existenz eines Ahmadis ein Verbrechen, das mit dem Tod zu bestrafen ist.“ www.brights.at/tag/Henryk_Broder
„Allein für das Berichtsjahr 1998 hat amnesty international Kenntnis von mindestens 106 Ahmadis, die religiöser Vergehen angeklagt wurden. 28 dieser Personen wurden auf der Grundlage von Paragraf 295 c PPC angeklagt.“
www2.amnesty.de/internet/Gutachte.nsf/0/b483883cf7bd2265c1256aaa003a802d?OpenDocument
13 „Blasphemy laws in Pakistan. Offenses relating to religion: Pakistan Penal code:
295-B Defiling, etc., of copy of Holy Quran. Whoever will fully defiles, damages or desecrates a copy of the Holy Quran or of an extract therefrom or uses it in any derogatory manner or for any unlawful purpose shall be punishable for imprisonment for life.
295-C Use of derogatory remarks, etc.; in respect of the Holy Prophet. Whoever by words, either spoken or written or by visible representation, or by any imputation, innuendo, or insinuation, directly or indirectly, defiles the sacred name of the Holy Prophet Mohammed (P[rais] B[e] U[pon] H[im]) shall be punished with death, or imprisonment for life, and shall also be liable to fine.
298-A Use of derogatory remarks, etc., in respect of holy personages. Whoever by words, either spoken or written, or by visible representation, or by any imputation, innuendo or insinuation, directly or indirectly defiles a sacred name of any wife (Ummul Mumineen), or members of the family (Ahle-bait), of the Holy Prophet (PBUH), or any of the righteous caliphs (Khulafa-e-Rashideen) or companions (Sahaaba) of the Holy Prophet description for a term which may extend to three years, or with fine, or with both.
298-B Misuse of epithet, descriptions and titles, etc. Reserved for certain holy personages or places.
Any person of the Qadiani group or the Lahori group (who call themselves Ahmadis or by any other name) who by words, either spoken or written or by visible representation:
refers to or addresses, any person, other than a Caliph or companion of the Holy Prophet Mohammad (PBUH), as “Ameerul Momneen”, “Khalifat-ul-Momneen”, “Khalifat-ul-Muslimeen”, “Sahaabi” or “Razi Allah Anho”;
refers to or addresses, any person, other than a wife of the Holy Prophet Mohammed (PBUH), as Ummul-Mumineen;
refers to, or addresses, any person, other than a member of the family (Ahle-Bait) of the Holy Prophet Mohammed (PBUH), as Ahle-Bait; or
refers to, or addresses, any person, other than a member of the family (Ahle-Bait) of the Holy Prophet Mohammed (PBUH), as Ahle-Bait; or
refers to, or names, or calls, his place of worship as Masjid; shall be punished with imprisonment or either description for a term which may extend to three years, and shall also be liable to fine.
Any person of the Qadiani group or Lahore group, (who call themselves Ahmadis or by any other names), who by words, either spoken or written, or by visible representations, refers to the mode or from of call to prayers followed by his faith as “Azan” or redites Azan as used by the Muslims, shall be punished with imprisonment of either description for a term which may extend to three years and shall also be liable to fine.
298-C Persons of Qadiani group, etc., calling himself a Muslim or preaching or propagating his faith. Any person of the Qadiani group or the Lahori group (who call themselves Ahmadis or any other name), who directly or indirectly, posses himself as a Muslim, or calls, or refers to, his faith as Islam, or preaches or propagates his faith, or invites others to accept his faith, by words, either spoken or written, or by visible representation or in any manner whatsoever outrages the religious feelings of Muslims, shall be punished with imprisonment of either description for a term which may extend to three years and shall also be liable to fine.“ sic
www.rationalistinternational.net/Shaikh/blasphemy_laws_in_pakistan.htm, siehe auch
finanzblog.kaywa.com/p831.html, Zugriff April 2008.
14 www.rationalistinternational.net/archive/de/rationalist_2004/135.html, Zugriff April 2008.
15 Unter Nachweis und mit der Begründung, dass seine Ankläger unter Schwur gelogen hätten, wurde er freigesprochen. Er verließ 2003 das Land.
16 Siehe www.igfm.de/ne/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=1074&cHash=ef2f6e93554e8a6964d415128dd87994, Zugriff Januar 2015.
17 www.igfm.de/news-presse/aktuelle-meldungen/detailansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=2698&cHash=51503aecf6557bdcbc9b72b1f72fc245, Zugriff Januar 2015.
18 www.trend.infopartisan.net/trd0207/t190207.html, Zugriff April 2008.
19 www.zeit.de/2012/31/Iran-Musiker-Shahin-Najafi/seite-2, Zugriff Januar 2015

2019-01-31T11:15:00+01:00Montag, November 5, 2018|