IGFM vor Ort in Kurdistan

Verwahrloste Camps und angespannte Sicherheitslage

– Einsatzbericht Feb. 2025

 

Während seines Aufenthalts in Kurdistan sprach Khalil Al-Rasho, Leiter der humanitären Hilfe, mit Geflüchteten sowie unserer Partnerorganisation vor Ort. Die Situation in den Camps ist äußerst prekär. Rückkehrer nach Shingal haben große Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, und sind der angespannten Sicherheitslage ausgesetzt.

Erfolgreiches Ausbildungsprojekt in der Abschlussphase

Anfang Februar war Khalil Al-Rasho zu Besuch in Erbil bei der Barzany Charity Foundation, der lokalen Partnerorganisation der IGFM. Hier sprach er unter anderem mit den Vorsitzenden der Stiftung aber auch mit Shero Simo, dem Projektleiter vor Ort und Ahmed Abdo, Programm Assistent über das laufende Ausbildungsprojekt. Die Auszubildenen befinden sich momentan in der Gründungsphase ihres eigenen Handwerksunternehmen. Ziel des Gesprächs war es die restliche finanzielle Förderung des Projekts für die Unternehmensgründung bereitzustellen. Außerdem ging es bei dem Treffen um die prekäre Situation in den Lagern sowie die zukünftige Zusammenarbeit.

Khalil Al-Rasho (links) bei einem Treffen mit dem Präsidenten der Barzani Stiftung Musa Ahmad (mitte) und Vorsitzender des Verwaltungsrats Karzan Noori (rechts)

Prekäre Situation in Flüchtlingslagern

Die Flüchtlingslager Shekhan und Esyan befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Viele Zelte sind beschädigt, vor allem wegen der Hitze im Sommer und Kälte im Winter. Die Folien, die die Zelte vor Regen schützen sind oftmals zerschlissen und können die Geflüchteten nicht ausreichend schützen. Diese akuten Probleme will Khalil Al-Rasho, Leiter der Humanitären Hilfe (IGFM), sofort angehen und für die beschädigten Zelte neue Schutzfolien zur Verfügung stellen. Ein weiteres Problem, besonders im Winter, ist der begrenzte Zugang zu Heizöl. Im Camp Esyan hat die irakische Zentralregierung jeweils im Dezember und Februar 100 Liter Heizöl pro Familie verteilt. Diese Menge reicht jedoch nicht aus, insbesondere für große Familien, die in mehreren Zelten leben.

Viele Menschen haben allerdings mittlerweile das Camp verlassen und sind beispielsweise zurück nach Shingal gegangen. Die irakische Regierung hat das Rückkehrprogramm zwar vor kurzem gestoppt, trotzdem sind schon ca. 30% des Camps verwahrlost und heruntergekommen. Die zurückgebliebenen Camp Bewohner haben Angst vor der weiteren Verwahrlosung der Flüchtlingslager.

Wirtschaftliche Lage in Shingal weiterhin aussichtslos

Shingal ist weiterhin stark zerstört und der Wiederaufbau hat immer noch nicht begonnen. Viele Menschen, die nach Shingal zurückgekehrt sind, sind sehr unzufrieden. Zum einen warten sie nach wie vor auf die zugesicherte finanzielle Rückführungsunterstützung der irakischen Regierung. Zum anderen haben viele Menschen keine Heizmöglichkeiten im Winter. Außerdem ist die wirtschaftliche Lage in Shingal weiterhin von hoher Arbeitslosigkeit geprägt. Ein neues Gesetz im Irak schränkt zusätzlich den Verkauf von Alkohol in den arabischen Gebieten des Landes stark ein, womit viele Arbeitsplätze in Bars und anderen Bereichen wegfallen. Hinzu kommt, dass die UN und die USA immer mehr Projekte in der Stadt abbrechen und somit Arbeitsstellen vor Ort streichen. Auch viele Rückkehrer, die von den Hilfsprojekten profitierten, fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen.

Angespannte Sicherheitslage in der Region

Die Sicherheitslage in Shingal hat sich weiter verschlechtert. Viele Menschen leben in großer Angst vor einer Rückkehr des IS, da IS-Gruppen vermehrt Anschläge in der Region verüben. Zudem bestehen anhaltende Spannungen zwischen der kurdischen Regierung und der Türkei, die weiterhin Ziele in der Autonomen Region angreift. Gleichzeitig kommt es zu Konflikten zwischen der kurdischen und der zentralirakischen Regierung hinsichtlich der Verwaltung der Region. Dies hat zur Folge, dass sich zahlreiche bewaffnete Gruppen in der Gegend aufhalten, was immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen führt. Die jesidischen Geflüchteten geraten dabei zwischen die Fronten und fürchten um ihre Sicherheit.

Weitere Informationen zu humanitären Hilfeleistungen der IGFM

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