Türkei: Kurdischer Journalist Nedim Türfent

Der kurdische Journalist war von 2016 bis November 2022 inhaftiert. Er hatte ein Video veröffentlicht, das türkische Polizisten dabei zeigt, wie sie Bauarbeiter misshandeln. Bildquelle: Fritz Giersbach
Nedim Türfent ist ein kurdischer Journalist, der nach der Veröffentlichung eines Videos am 12. Mai 2016 festgenommen und am 15. Dezember 2017 wegen „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. In dem Video war zu sehen, wie Sondereinsatzkräfte der türkischen Polizei Bauarbeiter misshandelten und bedrohten. Nedim Türfent befindet sich seit 2016 unter unmenschlichen Bedingungen in Einzelhaft. Türfent ist nach Jahren der Isolationshaft am Ende November 2022 aus der Haft entlassen worden.
Nedim Türfent arbeitete als Korrespondent für die inzwischen verbotene Nachrichtenagentur Dicle Haber Ajansi und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, aus den abgelegenen Städten an der Grenze zu Syrien zu berichten. Als es im Jahr 2015 in den mehrheitlich von Kurden bewohnten Gebieten der Türkei zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten kam, erhielt Türfent ein Video, das zeigte, wie Sondereinsatzkräfte der türkischen Polizei kurdische Arbeiter auf einer Baustelle in Yüksekova mit Handschellen gefesselt auf den Boden drückten und sie bedrohten. Er veröffentlichte das Video am 8. August 2015 und erhielt für diese Berichterstattung den Musa Anter Journalism Award, aber auch einige Morddrohungen. Am 12. Mai 2016 wurde er schließlich festgenommen, die Anklageschrift aber erst nach 300 Tagen bearbeitet. Der Prozess dauerte insgesamt sechs Monate. Obwohl einige Zeugen währenddessen zugaben, zu ihrer Aussage genötigt worden zu sein, wurde Nedim Türfent am 15. Dezember 2017 wegen „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ zu acht Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde am 21. Mai 2019 vom Obersten Gerichtshof bestätigt.
Haftbedingungen
Nedim Türfent befindet sich in Einzelhaft in einer winzigen Zelle – sogar Blickkontakt mit den Zellennachbarn ist ihm untersagt. Erst auf Druck seines Anwalts wird ihm inzwischen Hofgang erlaubt. Außerdem darf der Journalist nur alle zwei Wochen einen Anruf tätigen und nur alle zwei Monate Besuch empfangen. Zusätzlich wird er regelmäßig einer Leibesvisitation unterzogen. Obwohl sich die Haftbedingungen im Zuge der Pandemie deutlich verschlechtert haben, hat das Gericht eine „Notevakuierung“ abgelehnt. Auch während seiner Inhaftierung ist Türfent im Rahmen seiner Möglichkeiten journalistisch tätig.
Stand: Dezember 2022