Ukraine-Hilfe

Anfang August 2026 startete ein weiterer Hilfstransport der IGFM in Zusammenarbeit mit dem Menschenrechtszentrum Cottbus in die Ukraine. Darunter ein von Spenden finanzierter Rettungswagen, der einige Tage später nach einigen Zwischenstopps Charkiw erreichen sollte.
Hilfstransport erreicht Charkiw
Am frühen Morgen des 2. August startete ein weiterer gemeinsamer Hilfstransport von IGFM und dem Menschenrechtszentrum Cottbus aus der Lausitz in die Ukraine. Hauptbestandteil des Transports: ein gebrauchter Rettungswagen, der von unseren Partnern in Charkiw vor einigen Wochen angefragt wurde. Dem folgte anschließend die Suche nach Spendern. Nach dem Eingang einer Großspende und einigen weiteren wichtigen Spenden hatten wir Gewissheit über die finanzielle Situation und konnten das Fahrzeug kaufen und die Reise planen.
Diese Fahrt sollte einen neuen Charakter haben, neben IGFM-Mitglied Jens Leisenberg, welcher regelmäßig Humanitäre Hilfe in die Ukraine bringt, waren zwei weitere Personen Teil des Trupps. Denn nicht nur ein Rettungswagen war zu transportieren, sondern noch zwei weitere Transporter. Neben mir fand sich dann noch wenige Tage vor Abfahrt ein weiterer routinierter Fahrer. Mit Prof. Dr. Karl Georg Steffens verstärkte ein absoluter Ukraine-Unterstützer das Team. Mit an Bord brachte er sehr gute Russisch- und Ukrainisch-Kenntnisse, und wie sich später herausstellte, auch musikalische Finesse.
Da der Rettungswagen in der Ukraine verbleiben würde und bei jeder Fahrt dann auch die bestmögliche Effizienz eine Rolle spielt, wurde auch der für die humanitäre Hilfe von UKA Deutschland uns zur Verfügung stehende Transporter mit Hilfsmitteln beladen. An Bord der Fahrzeuge: Hunderte Kilo Spaghetti, Ausrüstungsgegenstände für die Rettungskräfte sowie Stühle, Laptops und Monitore. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich für die kontinuierliche Unterstützung bei UKA Deutschland, welches vor einigen Jahren bereits das Transportfahrzeug besorgt hat und auch die Kosten für Kraftstoff innerhalb der EU für dieses Fahrzeug übernimmt, DANKE!
Das dritte Fahrzeug war ebenfalls eine Spende, gedacht für die Versorgung und die Evakuierung von Ukrainerinnen und Ukrainern in frontnahen Bereichen im Oblast Charkiw. Beladen war dieser mit gespendeten Stühlen, Laptops und Monitoren für Schulen, Krankenhäuser und Flüchtlingsunterkünfte in Sokal, Oblast Lwiw. Hier danken wir insbesondere der Berufsschule DEB-Gruppe, Außenstelle Cottbus, für diese Unterstützung mit Schulmaterial wie Stühlen und Tischen. Weitere Tische erreichten in einem 40-Tonner wenige Tage später die westukrainische Gemeinde.
Die Fahrt verlief gut, es war Sonntag, und dementsprechend waren die Straßen nicht so voll wie sonst. Gutes Durchkommen auch an der polnisch-ukrainischen Grenze, nachdem wir dem polnischen Grenzschutz deutlich machen konnten, dass wir keine Gewerbetreibenden sind, sondern humanitäre Hilfe in die Ukraine bringen.
Noch vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir in Sokal, Oblast Lwiw an. Uns erwartete das Team von Marianna mit leckerem Essen. Auch vor Ort ein kleines Team estnischer Freiwilliger, welche ebenfalls einen Stopp bei der Caritas in Sokal machten. Interessant dabei – lingua franca war Russisch, da unsere Freunde aus Estland besser Russisch als Englisch sprachen. Beim geselligen Miteinander zeigte sich dann auch die musikalische Ader von Karl Georg Steffens, der text- und stimmsicher die ukrainische Nationalhymne anstimmte.
Am nächsten Tag verteilten wir Stühle, Laptops und Monitore an ein Krankenhaus und zwei Flüchtlingsunterkünfte in Sokal und der benachbarten Stadt Chervonograd. Einer der leitenden Ärzte des Krankenhauses (Polyklinik) in Chervonograd führte uns durch das Gebäude und die Stationen. An wenigen Teilen des Gebäudes zeigte sich Sowjettechnik, wie ein Überbleibsel eines anderen Zeitalters. Ein Zeitalter, welches von sowjetischem Imperialismus geprägt war, eine Warnung aus der Vergangenheit, die wieder aktuell ist, denn Putin würde gerne wieder die Uhr zurückdrehen.
Natürlich waren sonst moderne Geräte und Technik zu sehen, aber Medizintechniker hätten sicherlich ihre Freude daran, die Entwicklung von Alt zu Neu so beobachten zu können. Zuvor diente der Arzt in der ukrainischen Armee in einem der Sturmtruppen zugeordneten Sanitätseinheit an der Front. Und wie er aus eigener Erfahrung berichtete, ist und wird die Eingliederung vom Krieg gezeichneter und traumatisierter Soldaten in die Gesellschaft eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung sein.
Dr. Karl Georg Steffens über seinen ersten Hilfstransport
Einige Tage später: In Charkiw angekommen
Am nächsten Morgen dann starteten wir zu zweit in Richtung Kyiv. Eines der beiden Fahrzeuge verblieb in Sokal und Karl Georg Steffens musste aus beruflichen Gründen seine Rückfahrt nach Deutschland antreten. Nach einigen Hundert Kilometern kamen wir in Kyjiw an, und luden weitere Teile unserer Ladung ab. Einige hundert Kilo Spaghetti luden wir bei einer kirchlichen Einrichtung in Kyjiw ab. Vor einigen Jahren kamen wir aufgrund einer Medienanfrage zur Situation von Gläubigen in den besetzten Gebieten in Kontakt. Sie teilten uns mit, dass sie nun nicht mehr so viel Besuch und Unterstützung bekämen wie noch vor einigen Jahren. Einige Mitglieder des Kirchenverbandes dienen in den Streitkräften, als Soldaten und als Kaplane. Der Krieg ist natürlich auch für sie allgegenwärtig, weil sie sich auch karitativ für Geflüchtete einsetzen.
Das Nachtlager schlugen wir außerhalb der Hauptstadt auf – aus guten Gründen, denn in der Nacht flog Russland erneut schwere Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern auf Kyjiw. Einige der Einschläge sahen wir am nächsten Morgen bei Einfahrt in die Hauptstadt am Dnepr, in der die Menschen trotz Krieg ihrem Alltag hinterhergehen.
An diesem Tag konnten wir uns mit Dr. Jan Philipp Wölbern von der Konrad Adenauer Stiftung austauschen, der seit über vier Jahren vor Ort ist und die stellvertretende Leitung des KAS-Büros innehat. Jan Philipp ist keine unbekannte Person, bereits vor vielen Jahren unterstützte und begleitete er die Humanitäre Hilfe der IGFM in Autonomen Region Kurdistan und der Ukraine und setzt sich ebenso ehrenamtlich für das Menschenrechtszentrum Cottbus ein. Anschließend statteten wir der Mutter Ukraine Statue und einigen weiteren bekannten Kyjiwer Sehenswürdigkeiten einen Besuch ab. Die Anzahl von Flaggen getöteter Soldaten am Maidan sind deutlich angestiegen, und es ist emotional bewegend, die nicht endend wollende Zahl von ukrainischen Soldaten und internationalen Unterstützern auf Bildern zu sehen, die in diesem Krieg gefallen An einigen Plätzen sind im Krieg zerstörte Militärfahrzeuge und weiteres zerstörtes bzw. abgefangenes Material wie Gleitbomben ausgestellt.

Gemeinsam mit Dr. Jan Philipp Wölbern (Mitte), stv. Leiter des Auslandsbüros Ukraine der Konrad-Adenauer Stiftung
Anton Aleksejew, Direktor der ukrainischen IGFM-Sektion IAC ISHR, im Interview über das Fair Trial Monitoring
Im Laufe des Nachmittags traf ich mich mit unserer ukrainischen Sektion in Kyjiw. Das letzten Mal sahen wir uns in Kyjiw im Oktober 2025, damals war der Beschuss noch nicht so massiv wie aktuell. Und trotzdem sind Anastasia und Anton Aleksejew nicht in Panik. Die Menschen vor Ort müssen mit dieser Situation leben. Panik ist hier fehl am Platz – zumindest für die beiden. Mit ihnen tauschte ich mich über die aktuelle Situation des Fair Trial Monitorings und der humanitären Hilfe aus, die beide gemeinsam mit weiteren Mitstreitern seit Ausbruch der Voll-Invasion organisieren.
Die aktuellen Schritte der ukrainischen IGFM-Sektion (IAC ISHR) sind beachtlich. Nach dem Memorandum mit dem ukrainischen Hochkommissar für Menschenrechte Dmytro Lubinets zwecks Ausbildung für das Fair Trial Monitoring in weiteren ukrainischen Städten, ist nun eine sogenannte Law-Klinik an einer Universität in Kyjiw gegründet worden. Das Monitoring selbst wird vom BMZ finanziell unterstützt, aber das Ausbildungsprogramm für das Monitoring in weiteren Städten ist ein zusätzlicher Kostenpunkt, den wir mit Spendengeldern finanzieren müssen.
Am selben Abend ging es für mich Richtung Deutschland. Jens Leisenberg sollte in den Folgetagen den Rettungswagen zu unseren Partnern nach Charkiw bringen, welche diesen mit Dankbarkeit entgegennahmen. Doch zuvor stand auf dem Weg noch ein Zwischenstopp in Sumy an, dort besuchte er zwei Projekte für traumatisierte Kinder, welches durch unsere Partner, wie dem Unternehmen UKA Deutschland finanziell und materiell unterstützt wird.
Wir danken allen Spendern für die materielle und finanzielle Unterstützung und werden weiter für den nächsten Rettungswagen und die humanitäre Hilfe, die wir aus der Ukraine und aus Deutschland organisieren, sammeln.
Bitte unterstützen Sie weiter mit uns die Ukraine, die ihre und unsere Freiheit verteidigt.
Valerio Krüger, 29. August 2026
Jetzt spenden
und direkt Menschen in der Ukraine helfen.Kennwort Rettungswagen Ukraine (362)
Zum Spendenformular
Weitere Eindrücke der Reise














