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Joo Il Kim: Untergrundkirchen In Nordkorea

„So etwas wie Untergrundgemeinden gibt es in Nordkorea nicht.“

Nordkoreanischer Flüchtling wurde erst im Exil Christ

Der ehemalige Hauptmann Joo Il Kim floh 2005 aus Nordkorea und setzt sich nun in London für die Menschenrechte in seiner Heimat ein.

Frankfurt am Main (20. Juli 2017) – Der 2005 aus Nordkorea geflohene ehemalige Hauptmann Joo Il Kim ist davon überzeugt, dass es in Nordkorea keine christlichen Untergrundgemeinden gäbe und auch nicht geben könne. Er selbst ist nach seiner Flucht Christ und Menschenrechtsaktivist geworden. Bei einem Pressegespräch der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erläuterte er, dass das früher im Norden blühende Christentum nicht völlig erloschen sei. Es gäbe viele Nordkoreaner, die nach ihrer Flucht in China mit dem christlichen Glauben in Kontakt kämen. Einige wenige davon würden schließlich Christen werden. Einzelne dieser Christen kehrten heimlich nach Nordkorea zu ihren Familien zurück. Es sei aber durch die Verhältnisse in Nordkorea sogar innerhalb des engsten Familienkreises extrem schwer, über Religion zu sprechen.

Selbst Kleinstgruppen von nur zwei Christen, die man nicht als „Gemeinden“ bezeichnen könnte, hält Kim für außerordentlich unwahrscheinlich. Allgegenwärtige Angst und Misstrauen verhindern einen echten Austausch zwischen Menschen. Vor allem aber hätten Nordkoreaner überhaupt keine Vorstellung von Religion und davon, was Gott sein sollte.

Gegenüber der IGFM erklärte Kim: „Nordkoreaner werden vom Kleinstkindalter an pausenlos vom Regime indoktriniert. Die meisten haben keinerlei Zugang zu anderen Informationen als der Propaganda des Regimes. Gespräche über regimefeindliche Themen wie Religion können nur zwischen nahen Angehörigen geführt werden. Wenn dort jemand über Jesus spricht, würden sich die Angehörigen echte Sorgen machen, dass er den Verstand verloren hat. Sie würden ärztliche „Hilfe“ suchen – mit fatalen Folgen.“

 

Missionarische Arbeit innerhalb Nordkoreas

Es gibt nach Informationen von Kim selbst innerhalb Nordkoreas missionarische Arbeit. Sie sei extrem schwierig und gefährlich. Diejenigen, die diese Arbeit tun, hüten sich davor, die Menschen, mit denen sie gesprochen haben, miteinander in Kontakt zu bringen. Das sei für „alle Beteiligten viel zu gefährlich“. Die Arbeit werde zusätzlich dadurch erschwert, dass Nordkoreaner, die sich für das Christentum interessieren, „unglaublich viele Fragen“ hätten. Selbst in China, wo die missionarischen Voraussetzungen ungleich viel einfacher seien, sei diese Arbeit problematisch. Der Zeitaufwand für jeden einzelnen Nordkoreaner sei um ein Vielfaches höher als z.B. für einen Chinesen.

Nach Aussage von Kim würden Koreaner auch Bibeln ins Land schmuggeln. Sie könnten sie aber nicht direkt verteilen, sondern nur an passenden Stellen auslegen. „Diese Leute hoffen, dass allein das Lesen der Bibel einen Menschen verändern kann. Sie haben keine Vorstellung davon, was das Regime aus den Menschen gemacht hat. Sie können mit biblischen Texten ohne Erklärung überhaupt nichts anfangen. Das sind reine Wunschträume:“

 

„Christen in Nordkorea riskieren nicht täglich ihr Leben“

„Es ist ein Missverständnis, dass Christen in Nordkorea jeden Tag ihr Leben riskieren, um zusammen in der Bibel zu lesen oder zu beten“, erläuterte Kim der IGFM. „Schauen Sie sich selbst an: Sie haben in Deutschland überhaupt nichts zu befürchten. Aber was opfern Sie selbst jeden Tag, um ihren Glauben zu leben?“ Nordkoreanische Christen hätten auch nach langer Zeit „Fragen über Fragen“, aber niemanden, mit dem sie darüber sprechen könnten. „Angst und Indoktrination halten die Nordkoreaner gefangen. Auch ich selbst habe erst in Großbritannien langsam erkannt, dass wir de facto alle Opfer von Gehirnwäsche waren.

 

Weitere Infos

www.igfm.de/nordkorea 

 


(Credit Vorschaubild: charlotteinaustralia, Flickr, CC BY 2.0./ Link: https://www.flickr.com/photos/charlotteinaustralia/2796889159/)

2018-12-06T12:09:57+00:00Montag, Dezember 3, 2018|