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Beispielhafte Steinigungsfälle

Beispielhafte Steinigungsfälle

Pakistan: Von Hunderten gesteinigt, anschließend erschossen

Zwei Männer, Allah Noor und Shehzad, sowie eine Frau namens Tasleem sind am 14. März 2007 in der Stadt Peshawar im Nordwesten Pakistans gesteinigt und anschließend erschossen worden, nachdem sie von religiösen Aktivisten bei verbotenen sexuellen Handlungen ertappt worden waren. Offizielle Stellen bestätigten die “Hinrichtungen”.

Aktivisten der Gruppe Lashkar Islami lieferten die zwei Männer und die Frau einem Stammesrat im Gebiet Khyber nahe der afghanischen Grenze zu Verurteilung aus. Dieser ordnete eine Steinigung und anschließendes Erschießen an. Eine kurze Versammlung genügte zur Urteilsverkündung. Hunderte Menschen bewarfen die Männer und die Frau mit Steinen, bevor Verwandte der verurteilten Männer die tödlichen Schüsse abgaben.

Die Bevölkerung in Khyber besteht mehrheitlich aus Paschtunen und gilt als streng islamisch. Ehebruch ist nach islamischem Recht ein Verbrechen, dass mit Steinigung bis zum Tod bestraft werden muss. Soweit der IGFM bekannt, ist offiziell die Steinigung in Pakistan noch nie von einem staatlichen Gericht verhängt worden. Jedoch entscheiden in den halbautonomen Stammesgebieten entlang der Grenze zu Afghanistan keine ordentlichen Gerichte über Recht und Unrecht, sondern die Stammesräte, sogenannte “Jirgas”. Behördenvertreter wussten von der Verurteilung.” In Angelegenheiten, die von Jirgas ausgesprochen werden, mischen wir uns nicht ein”, sagte Medienberichten zufolge ein namentlich nicht genannter Verwaltungsbeamter.

Nigeria: Zur Steinigung Verurteilte freigesprochen

Auch in den muslimischen Teilen Nigerias kommt es immer wieder zu Steinigungen.

Nach langen und intensiven internationalen Protesten, sprach am 10. November 2004 ein islamisches Berufungsgericht die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Hajara Ibrahim frei. Der Vorsitzende Richter Mohammed Mustapha Umar vom Obersten Scharia-Gericht im nördlichen Bundesstaat Bauchi hob die Entscheidung eines untergeordneten Scharia-Gerichts auf, das die 18-jährige am 8. Oktober 2004 zum Tod durch Steinigung verurteilt hatte.

Hajara Ibrahim aus dem Bundesstaat Bauchi war laut eigenen Angaben mit einem Mann in einer rund 220 Kilometer entfernten Stadt verheiratet worden. Bevor sie zu ihm zog, hatte sie jedoch einen Mann aus ihrem Heimatdorf kennengelernt, der ihr seinerseits versprochen hatte, sie zu heiraten. Daraufhin hatte sie die Scheidung beantragt. Nach Darstellung ihres Anwalts war sie dem anderen Mann nur versprochen, aber noch nicht rechtskräftig mit ihm verheiratet gewesen. Von ihrem Freund erwartet Hajara Ibrahim inzwischen ein Kind. Die Richter der ersten Instanz hatten die Ehe als geschlossen betrachtet. Sie verurteilten die junge Frau zunächst zu einhundert Peitschenhieben für vorehelichen Verkehr und anschließend zur Steinigung wegen Ehebruchs. Nach Auffassung der Berufungsgerichtes sei dieses Urteil nicht korrekt gewesen und der Angeklagten sei das Recht auf Verteidigung verwehrt geblieben.

Der Freund Hajara Ibrahims bestritt die Affäre. Die junge Frau zeigte sich nach dem Urteil überglücklich. Dass ihr Freund sie verleugnet hatte, habe sie ihm verziehen. Ihre einzige Sorge sei nun gewesen, dass ihr Kind gesund auf die Welt komme.

Pakistan: Liebespaar von Verwandten gesteinigt

Am 28. Januar 2007 wurden in der pakistanischen Großstadt Multan im südlichen Teil der Provinz Punjab ein Mann und eine Frau wegen Ehebruchs an Bäume gebunden und zu Tode gesteinigt. Die beiden sollen weitläufig miteinander verwandt gewesen sein. Nach Angaben der Polizei in Multan starben die beiden Anfang 40 Jahre alten Geliebten aus dem gleichen Dorf in einem Hagel aus Steinen, die von näheren Angehörigen der Frau geworfen wurden. Ein Familienmitglied hatte den Vorfall später der Polizei gemeldet. Zwei Brüder der Frau wurden daraufhin wegen der “Ehrenmorde” festgenommen.

In den vergangenen Jahren sind in ländlichen Gegenden Pakistans etwa 4000 Menschen wegen mutmaßlicher verbotener Sexualkontakte getötet worden. Seit dem Jahr 2005 steht auf so genannte Ehrenmorde in Pakistan offiziell die Todesstrafe.

Saudi-Arabien: Verurteilung einer mittellosen Witwe

Im November 2006 wurde in Saudi-Arabien eine Witwe von einem Gericht in der Stadt Hail im Norden Saudi-Arabiens zum Tod durch Steinigung verurteilt. Die Frau hatte sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes ein Kind zur Welt gebracht.

Die Richter urteilten gemäß der in Saudi-Arabien gültigen Interpretation des islamischen Scharia-Rechts, wonach außerehelicher Geschlechtsverkehr von Verheirateten als todeswürdiges Verbrechen gilt. Das Urteil war in Saudi-Arabien unumstritten, obwohl die 39jährige verwitwet war. Sogar die Frau selbst verzichtete darauf, Berufung einzulegen und bekannte ihre “Sünde”. Sie erklärte, durch die Strafe müsse ihre Seele gereinigt werden, um ins Paradies eingehen zu können. 80 Prozent der saudi-arabischen Bevölkerung sind muslimische Sunniten hanbalitischer Rechtsschule.

Die Frau, die neben ihrem “illegitimen” Sohn noch drei weitere Kinder von ihrem verstorbenen Ehemann hat, hatte mit 18 Jahren die saudi-arabische Staatsbürgerschaft erworben. Nach dem Tod des Mannes lebte die 39jährige unter elenden Bedingungen in einer Lehmhütte bei einer Moschee von der Unterstützung eines Wohltäters. Die vier Kinder wurden in ein Heim gebracht.