Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren

Der Vorsitzende der Uigurischen Gemeinde Asgar Can, der Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher, Dr. Rune Steenberg und die Zeitzeugin Gulbaharn Jelilova berichteten über die systematische Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang durch die Kommunistische Partei China. Die IGFM war bei dem Treffen auch vertreten. Fotos: Ursula Dusolt
Von der Seidenstraße zum Gulag: Chinas Auslöschungspolitik gegen die Uiguren
Veranstaltung an der LMU in München
Am 8. Dezember 2025 fand im Hauptgebäude der LMU in München die Veranstaltung „Von der Seidenstraße zum Gulag: Chinas Auslöschungspolitik gegen die Uiguren“ statt.
Das IGFM-Mitglied Ursula Dusolt berichtet:
Bei der Veranstaltung „Von der Seidenstraße zum Gulag: Chinas Auslösungspolitik gegen die Uiguren“ in der Ludwig-Maximilians-Universität in München beleuchteten Experten und Zeitzeugen die systematische Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang.
Zuerst ergriff der Vorsitzender der Uigurischen Gemeinde Asgar Can das Wort, und gab einen Überblick über das Land der Uiguren. Xinjiang, ein ausgedehntes autonomes Gebiet in China, wo mehrere Minderheiten leben (unter anderen Uiguren) ist fünfmal so groß wie Deutschland. Allerdings gewinnen die Chinesen im Land der Uiguren zunehmend Einfluss.
Laut dem Sprecher bekommen Chinesen der Region das Land geschenkt, um sich anzusiedeln und zu arbeiten. Daher ist der Anteil der chinesischen Bevölkerung von früher 2,5 Prozent auf 47 Prozent angestiegen. Aus diesem Grund werden die Uiguren systematisch aus ihrem eigenen Land verdrängt. Can erklärte, dass Xinjiang zwar eine autonome Region ist, aber nur auf dem Papier.
In Wirklichkeit wurde die Autonomie in der Region nicht umgesetzt. Mehr als 1,3 Millionen Uiguren wurden inhaftiert, und Frauen werden sterilisiert, sodass das Volk der Uiguren ausstirbt. In diesem Sinne betont Can, dass die Kultur der Uiguren und ihre Wurzeln vernichtet werden. Die Uiguren sind eine Ethnie, die von der Kommunistischen Partei Chinas systematisch ausgelöscht werden soll.
Das Volk der Uiguren hat in der Geschichte eine große Rolle gespielt, dazu zitierte Can den deutschen Sinologen und Ethnologen Wolfram Eberhardt: Im Mittelalter wurden die chinesische Dichtkunst, Literatur, Theater, Musik und Malerei wesentlich von den Uiguren beeinflusst.
Der nächste Redner war Markus Rinderspacher, Landtagsabgeordneter der SPD. Er begann mit den Worten „Jeder kennt den Spruch: Was interessiert mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt“ und betonte, dass es uns heute sehr interessiert, da die Kommunistischen Partei China immer mehr Raum einnimmt und ihren Einfluss auf viele Staaten aufweitet. Laut Rinderspacher, nutzt China die Seidenstraße, indem sie die Landwege beherrscht, um Weltmacht zu werden. Das gleiche Konzept gilt für die Meere, die sie auch kontrollieren will.
Außerdem, erarbeitet sich die Kommunistischen Partei China Monopole und wird immer mehr zum machtpolitischen Player. Ein Beispiel dafür ist Sri Lanka. Das Land erhoffte sich durch die Chinesen beim Bau eines Hafens Arbeitsplätze, doch der Schuss ging nach hinten los. Die Arbeitsplätze wurden durch Chinesen besetzt und der Hafen ist für 99 Jahre an China verpachtet, da die Schulden von Sri Lanka nicht bezahlt werden konnten. Die Schuldenfalle ist ein beliebtes Mittel der Kommunistische Partei, dadurch macht sie sich die Länder gefügig und abhängig, beendete Rinderspacher.
Ob in Afrika oder anderen Ländern versucht die Kommunistische Partei Chinas diese Abhängigkeiten zu schaffen. Dies hat zur Folge, dass Menschenrechtsfragen bezüglich China vom Tisch gewischt werden, da die abhängigen Länder im Sinne Chinas stimmen. Rinderspacher meinte zum Schluss: Wir müssen unsere Abhängigkeiten lösen und dürfen nicht unsere Werte verkaufen.
Als dritter Redner sprach Herr Dr. Rune Steenberg, der im Rahmen seiner Doktorarbeit ein paar Jahre in Xinjiang lebte.
Er berichtete, dass Uiguren bis 2017 zwar als Menschen zweiter Klasse behandelt wurden, sie jedoch das Recht hatten, einer Arbeit nachzugehen oder ein eigenes Geschäft zu führen.
Seit 2017 allerdings, wird jeder Uigure als Terrorist eingestuft. Unbescholtene Bürger werden regelmäßig verhaftet, nur Personen, die sich komplett dem KP-System anpassen, können einigermaßen normal leben.
Eine kulturelle Zerstörung begann, Bewegungsfreiheit und Religionsfreiheit wurden eingeschränkt. Während vor 2017 noch tausende Bücher veröffentlicht wurden, wurde nach 2017 nichts mehr publiziert, und bereits existierende Werke wurden gezielt vernichtet. Den Kindern wurde die Sprache genommen und erklärt, dass Xinjiang zu China gehört.
Steenberg erklärte, es gäbe zwei Gründe, warum die KP China so brutal gegen die Uiguren vorgeht:
Zum einen soll den Uiguren die Kultur und das Zivilisationsverständnis der Kommunistischen Partei aufgezwungen werden, zum anderen verfüge die Region Xinjiang über reiche Bodenschätze, weshalb sie gezielt zur Ressourcenausbeutung genutzt werden soll.
Deshalb findet diese Zwangsassimilierung statt.
Zuletzt berichtete die Zeitzeugin Gulbaharn Jelilova von den Menschenrechtsverletzungen, die sie in einem der chinesischen Internierungslager persönlich erlitten hatte:
Bis 2017 arbeitete sie als Geschäftsfrau und trieb Handel, unter anderem mit Chinesen.
Eines Tages wurde sie festgenommen und aufgefordert, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem stand, sie sei eine Terroristin. Sie verweigerte die Unterschrift, in der Folge wurde sie zum Tode verurteilt und in ein Umerziehungslager überstellt.
Dort wurde sie an einen sogenannten „Tigerstuhl“ gefesselt, eine der schlimmsten bekannten Foltermethoden.
Anschließend wurde sie in einen extrem kleinen Raum gebracht, in dem sich bis zu 50 Menschen aufhielten. Aufgrund des beengten Raums waren weder Sitzen noch Liegen möglich. Die Insassen wechselten sich alle zwei Stunden mit dem Schlafen ab, damit jeder die Chance bekam, sich wenigstens für kurze Zeit auszuruhen. Einen Monat lang durfte niemand duschen, daher breiteten sich Krankheiten aus und es gab Läuse. Wenn eine Frau aus dem Raum geholt wurde, durfte mit ihr alles gemacht werden, was man wollte.
Gulbaharn Jelilova erzählte weiter, dass ihre Organe überprüft wurden. Ein Krankenhaus, versteckt in den Bergen, diene allein diesem Zweck.
Um zu vermeiden, dass Bindungen zu den Gefangenen aufgebaut werden, wurden alle drei Monate die Aufseher gewechselt.
Essen gab es sehr wenig und am Tag bekamen sie nur einen halben Liter zu trinken. Letztendlich waren alle Insassen unterernährt.
Die Gefangenen wurden gezwungen, sich Lobesfilme über Xi Jinping anzuschauen und immer wieder „Die Kommunistische Partei macht uns zu zivilisierten Menschen“ zu schreiben.
Gulbaharn Jelilovas Familie bat die EU und andere Institutionen nachdrücklich um Hilfe, deshalb wurde sie letztendlich entlassen. Heute lebt sie in Paris, wo sie noch immer von der KP schikaniert und überwacht wird. Trotzdem machte sie es sich zur Aufgabe, dieses Verbrechen an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie versprach es den Frauen im Umerziehungslager.
Zum Abschluss der Veranstaltung gab es eine anregende Diskussion zwischen dem Publikum und den Rednern.




