FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 10 – November - 2026

Syrien: Für Aufarbeitung der Assad-Verbrechen Wege der Versöhnung beschreiten

 

Als nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 die Gefängnisse geöffnet wurden, offenbarte sich in ihren Folterkellern eine in dieser Form selten dagewesene Brutalität der Assad-Schergen. Berüchtigt war das Militärgefängnis Saidnaya (auch als Sednaya bekannt) nördlich von Damaskus, in dem Schätzungen zufolge zwischen der Eröffnung des Gefängnisses 1986 bis 2024 zwischen 30.000 und 150.000 Menschen inhaftiert, gefoltert und getötet wurden. Weltweit wird die Haftanstalt auch als „Schlachthaus für Menschen“ bezeichnet. Und es offenbarte sich, dass deutsche Spezialisten – DDR-Spezialisten – an der Ausarbeitung von Foltermethoden und der Ausbildung von Wachpersonal mitverantwortlich waren. 

IGFM-Mitglied Dieter Dombrowski, ehemaliger politischer Gefangener im Zuchthaus Cottbus und heute nach erfolgreichen Stationen als Politiker des Landes Brandenburg jetzt Vorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), ist die Aufarbeitung von Verbrechen, die aus politischen Gründen begangen wurden, ein Herzensanliegen. Mit der Führungserfahrung des Menschenrechtszentrums Cottbus (MRZ) und der UOKG bemüht sich Dombrowski nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland um die Aufarbeitung solcher Taten sowie um Versöhnung und um Wiedergutmachung. Und schließlich sollen die ehemaligen Orte massiver Gewalt zu Erinnerungsstätten ausgebaut werden. Mit dieser Absicht und konkreten Vorschlägen im Gepäck reist Dombrowski seit zwei Jahren nach Syrien und führt Gespräche mit der syrischen Regierung, die angesichts ihrer Geschichte nicht einfach sind. Diplomatie ist hier besonders gefragt.  

Dombrowski geht dabei den Weg der Hilfe für Kinder, die schwer erkrankt sind, aber in Syrien nicht erfolgreich behandelt werden können. Auf diese Weise hat er bereits mehreren Kindern geholfen und findet daher stets ein offenes Ohr auch für sein Kernanliegen: die Errichtung eines Erinnerungs- und Wiedergutmachungszentrums. Ende September 2026 kam er von einer weiteren Reise aus Syrien zurück und bat die IGFM um Hilfe für den 16-jährigen Ahmad Al-Dabool, der laut einem Entlassungsbericht der Universitätsklinik Al-Mouwasat in Damaskus seit vier Jahren an Leberzirrhose leidet, deren Ursache unbekannt ist, und ein Krankheitsbild zeigt, das den gesamten Körper erfasst hat und der auch entwicklungsverzögert ist. Der Diagnose zufolge ist dringend eine Nierentransplantation notwendig. Der Spender der Niere ist Ahmads älterer Bruder Abdullah, der laut Untersuchungen der Uni-Klinik Mouwasat keine bekannten Vorerkrankungen oder chronischen Erkrankungen hat. Die notwendigen Papiere für Hin- und Rückreise für Ahmad, seinen Bruder Abdullah und seinen Vater als gesetzlichen Vormund nach Deutschland sind genehmigt; die deutsche Botschaft hat ihre Unterstützung zugesichert und die Charité in Berlin hat die Aufnahme zugesagt. Für Ahmad ist die Operation eine Art Zusicherung, dass er nach Jahren schweren Leidens wieder ein normales Leben führen und seinen Hobbys Fahrradfahren, Schwimmen und Fußball nachgehen und auch mit seinen Geschwistern wieder einen normalen Umgang pflegen kann. Privatinitiativen wie diese hier, auch wenn sie im Interesse der außenpolitischen Beziehungen wie ein weiterer Baustein Wirkung zeigen, müssen den Großteil der anfallenden Kosten selbst aufbringen. Die IGFM bittet daher um Ihre Spenden zur Mitfinanzierung der Flug-, Aufenthalts- und Folgekosten nach der OP. 

Dieser Artikel wurde publiziert in der November - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

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